Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Band aus Titankügelchen um Speiseröhre: Neues Verfahren zur Heilung von Reflux in Anwendung am UKL

16.12.2016

Patienten, die unter starkem Sodbrennen oder der Refluxkrankheit leiden, können nun am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) mit einer neuen Methode behandelt und geheilt werden: Seit September wird das so genannte LINX®-System angewendet. Dabei wird ein flexibles Band aus magnetischen Titankügelchen um die Speiseröhre gelegt. Es stoppt den Wiedereintritt von Mageninhalt. Die ersten zehn Patienten sind erfolgreich behandelt worden.

Von Reflux sprechen Mediziner, wenn Magensäure und Galle in die Speiseröhre zurückfließen. Häufigstes Symptom ist Sodbrennen. Bei gesunden Menschen verhindert dies der Ösophagussphinkter, ein Muskel mit Ventilwirkung. Ist dieser Muskel geschwächt, kann er den Rückfluss nicht unterbinden. Bleibt Reflux unbehandelt, kann er auf Dauer die Schleimhaut der Speiseröhre beschädigen, zu Entzündungen und Geschwüren, in schweren chronischen Fällen sogar zu Krebs führen.


UKL-Mediziner Dr. Stefan Niebisch erläutert Patientin Bettina Kahler, an welcher Stelle der Speiseröhre sich das flexible Band aus magnetischen Titankügelchen befindet.

Stefan Straube / Universitätsklinikum Leipzig

Bei zirka 90 Prozent der Betroffenen hilft die Einnahme von Tabletten. Alle anderen benötigen im Laufe der Zeit eine Operation. Als klassische Methode gilt bisher, den oberen Teil des Magens um das untere Ende der Speiseröhre zu nähen.

„Doch das verändert eben die Anatomie“, sagt Dr. Stefan Niebisch von der Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie, der zusammen mit der Geschäftsführenden Klinikdirektorin Prof. Ines Gockel die ersten LINX®-Anwendungen am UKL durchgeführt hat.

Bei der neuen Methode, die in Deutschland erst seit wenigen Jahren angewandt wird, verändert sich die Anatomie nicht. Das kleine, flexible Band aus nur vier Millimeter dicken, verketteten Titankügelchen mit Magnetkern wird mittels einer Laparoskopie (Bauchspiegelung), einer mininmal-invasiven OP-Methode, um die Speiseröhre gelegt.

„Beim Schlucken werden diese Kügelchen auseinandergedrückt, danach schließen sie sich wieder und verhindern den Reflux“, erläutert Dr. Niebisch, „wir sprechen also von einer äußeren Schließmuskelverstärkung.“ Das moderne Material des Rings sei MRT-tauglich und löse im Normalfall auch bei Sicherheitskontrollen zum Beispiel auf Flughäfen keinen Alarm aus, bestätigt der UKL-Experte.

Das Verfahren ist nicht bei jedem anwendbar. Patienten müssen normal schlucken können und über eine funktionell gesunde Speiseröhre verfügen. „Vor der Operation führen wir eine umfangreiche Diagnostik mit inklusive Magenspiegelung und einer Funktionsprüfung der Speiseröhre mittels High-Resolution Manometrie durch“, so Dr. Niebisch, „nach der OP folgen engmaschige Verlaufskontrollen nach sechs Wochen, drei Monaten und einem Jahr.“

Bettina Kahler aus Zeitz und Monika Mibus aus Leipzig gehörten zu den ersten Patienten am UKL, die sich für den Eingriff entschieden hatten. Beide Frauen litten seit langem unter starkem Reflux – und bei beiden hat sich unmittelbar nach der Operation eine deutliche Verbesserung eingestellt. „Die Aufklärung durch Prof. Gockel und Dr. Niebisch über das neue Verfahren war so gut, dass ich nicht lang überlegt habe. Für mich hat es sich gelohnt, meine Lebensqualität ist wieder gestiegen“, erzählt Bettina Kahler.
„Ja, es geht mir gut“, bestätigt auch Monika Mibus, „ich muss zwar meine Essgewohnheiten ändern und nun mehrere Male am Tag kleinere Portionen essen, um den Muskel der Speiseröhre zu trainieren, aber die Operation war ein Erfolg. Und am UKL wurde ich sehr gut behandelt.“


Markus Bien | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Gefäßchirurgie Krebs Reflux Speiseröhre UKL

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Extrem schnelle Erfassung und Visualisierung von Tumorgrenzen während der Operation
15.01.2018 | Universität zu Lübeck

nachricht Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen
12.01.2018 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie