Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Anschluss an die Weltspitze

06.11.2009
Neuer intraoperativer Kernspintomograph am Universitätsklinikum Heidelberg erlaubt präziseres Operieren von Hirntumoren

Mit einem neuen, speziellen Kernspintomograph in der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg können nun auch besonders heikle Hirntumoren während der Operation präzise dargestellt und entfernt werden.

Dies erlaubt den Heidelberger Neurochirurgen die Operation von Patienten, die zuvor nur unbefriedigend behandelt werden konnten. In Deutschland verfügen nur noch die Universitätskliniken in Kiel, Erlangen und Ulm sowie das INI in Hannover über vergleichbare Geräte.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 6.000 Menschen an einem Tumor, der vom Gehirngewebe ausgeht. Auch unter dem OP-Mikroskop lassen sich Tumor- und gesundes Hirngewebe nicht sicher unterscheiden. Daher fließen Bilddaten aus der Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT) vor der Operation in eine computergestützte, dreidimensionale OP-Planung ein, die den Operateur sicher zum Operationsfeld führt. Das Problem: Bei der Operation verschiebt sich das Gehirn, da Gehirnflüssigkeit entweicht und der Hirndruck nachlässt. Eine MRT während der Operation (intraoperativ) liefert dann ohne Risiko für den Patienten aktuelle Bilder für den weiteren OP-Plan.

Aktuelle MRT-Bilder werden benötigt, da sich das Gehirn während der OP verschiebt

Der neue Magnetresonanz-Tomograph der Heidelberger Neurochirurgischen Universitätsklinik erzeugt eine magnetische Feldstärke von 1,5 Tesla, ist damit mehr als sieben Mal stärker als sein Vorgänger und liefert deutlich genauere Bilder des Hirngewebes. Besonders wichtig ist diese Präzision im Übergangsbereich zwischen Tumor- und gesundem Gewebe: "Wir müssen so viel Tumorgewebe wie möglich entfernen, ohne dabei die Gehirnfunktion zu beeinträchtigen", erklärt Professor Dr. Andreas Unterberg, Ärztlicher Direktor der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. "Mit dem neuen Gerät können wir die Tumoren genauer lokalisieren, radikaler entfernen und gleichzeitig das gesunde Gewebe schonen." So können wichtige Hirnfunktionen erhalten und ein erneutes Wachstum des Tumors möglichst lang hinausgezögert werden.

Operiert wird der Patient in einem herkömmlichen neurochirurgischen Operationssaal. Zur MRT-Kontrolle wird er vom OP-Tisch auf einer gepolsterten Transferplatte in einen benachbarten Raum geschoben, wo die Transferplatte vom MRT-Scanner übernommen wird. Die MRT-Untersuchung dauert 20 bis 30 Minuten. Danach wird der Patient in den OP zurückgebracht und die Neurochirurgen entscheiden, ob und wie sie weiteroperieren. Dieser Vorgang kann bis zu dreimal wiederholt werden.

Aussagekräftigere Bilder vom Übergangsbereich zwischen Tumor und gesundem Gewebe

Mit Hilfe des neuen MRT wurden in der Heidelberger Neurochirurgie seit Juni 2009 bereits mehr als 60 Patienten operiert, etwa soviel wie mit dem alten Gerät im gesamten Jahr. "Mit dem neuen intraoperativen MRT haben wir wieder den Anschluss an die Weltspitze geschafft", so Professor Unterberg. Bereits 1995 wurde in Heidelberg das europaweit erste intraoperative MRT installiert.

Die Kosten von rund zwei Millionen Euro für das neue MRT und den Umbau trägt das Universitätsklinikum. Das Gerät unterstützt neben der Entfernung von Hirntumoren auch Operationen an der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), neuroradiologische Eingriffe sowie den Einsatz von Elektroden im Gehirn (Tiefenhirnstimulation), z.B. bei der Parkinsonschen Erkrankung, unter "Sichtkontrolle".

Weitere Informationen über die Neurochirurgische Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg:

www.klinikum.uni-heidelberg.de/Neurochirurgische-Klinik.106678.0.html

Ansprechpartner:
Professor Dr. Andreas Unterberg
Neurochirurgische Universitätsklinik
Telefon: 06221 / 56 6301 (Sekretariat)
E-Mail: Andreas.unterberg(at)med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Virtual Reality in der Medizin: Neue Chancen für Diagnostik und Operationsplanung
07.12.2016 | Universität Basel

nachricht Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten
06.12.2016 | University of Twente

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie