Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Anfallsfreiheit für Epilepsiepatienten durch neu entwickelte Schlüssellochchirurgie

22.01.2015

Epilepsie-Zentrum am Knappschaftskrankenhaus ist Vorreiter bei "Stereotaktischer Radiofrequenz-Thermokoagulation"

Die Symptome einer Epilepsie sind vielgestaltig, haben aber eines gemeinsam: Durch die Unvorhersehbarkeit und den Kontrollverlust während eines Anfalls büßen deutschlandweit über eine halbe Million Betroffene einen Großteil ihrer Lebensqualität ein. Sie sind eingeschränkt in ihrer Berufswahl, haben Hemmungen die Wohnung zu verlassen und dürfen je nach Schwere der Krankheit kein Auto fahren.


Prof. Dr. Jörg Wellmer

Quelle: Fotoabteilung, UK Knappschaftskrankenhaus Bochum

Verwendung nur im Rahmen der Berichterstattung

Dabei sind viele Epilepsieerkrankungen heute gut behandelbar - vorausgesetzt die Erkrankung wird präzise diagnostiziert und mithilfe von Medikamenten oder eines operativen Eingriffs effektiv therapiert. Dieses Ziel verfolgt die Ruhr-Epileptologie in der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum. Seitdem vor fünf Jahren Prof. Dr. Jörg Wellmer als Leiter des Epilepsie-Zentrums berufen wurde, hat sich dieses neben den beiden bekannten Zentren in Bonn und Bielefeld als Zentrum in Nordrhein-Westfalen etabliert und leistet mit dem von ihm wesentlich entwickelten, minimalinvasiven Verfahren zur "Stereotaktischen Radiofrequenz-Thermokoagulation" Pionierarbeit auf dem Gebiet der "Schlüssellochchirurgie" bei Epilepsie.

Doch ehe ein dafür geeigneter Epilepsiepatient operiert werden kann, ist es ein langer Weg. Die Anfälle werden zumeist nicht von spezialisierten Ärzten beobachtet und nur selten von Angehörigen beispielsweise mittels Handy gefilmt. Deshalb ist die Ursachensuche oft ein "Puzzlespiel". Ohne Untersuchung an einem Epilepsiezentrum werden Ursachen häufig übersehen, weiß Prof. Wellmer, der gut behandelbare Patienten oft erst nach langer Leidenszeit und vielen erfolglosen medikamentösen Therapien sieht.

Mindestens eine Stunde Zeit nimmt sich der erfahrene Epileptologe beim ersten Gespräch, um durch gezieltes Fragen herauszubekommen, wie genau die Anfälle eines Patienten aussehen. Daraus kann er Rückschlüsse ziehen, welche Hirnregion betroffen ist. Es folgen eine Analyse der Begleiterkrankungen, eine Hirnstromableitung (EEG) und eine speziell auf Epilepsiepatienten zugeschnittene Kernspintomografie (MRT).

So können einerseits behandlungsbedürftige Grunderkrankungen wie Hirntumoren oder Hirnentzündungen erkannt werden. Andererseits kann eingeschätzt werden, ob Patienten, die trotz regelmäßiger Medikamenteneinnahme nicht anfallsfrei werden, von einem operativen Eingriff profitieren können.

Bei einem epilepsiechirurgischen Eingriff wird der Anfallsherd aus dem Gehirn entfernt. Das geht natürlich nur, wenn zuvor sichergestellt wurde, dass durch die Operation keine wichtigen Hirnfunktionen geschädigt werden. Für die genaue Operationsplanung ist eine stationäre Untersuchung nötig. Hier werden Anfälle gleichzeitig mit Video und EEG aufgezeichnet und es kommen zahlreiche Verfahren der Hirnbildgebung zu Anwendung. Auch dabei nimmt die Ruhr-Epileptologie eine Vorreiterrolle ein.

EEG-Daten werden computergestützt ausgewertet und der Ursprung der EEG-Signale im Hirn-MRT der Patienten dargestellt. Bleiben hiernach noch Unklarheiten, können EEG-Elektroden ganz gezielt zur weiteren Diagnostik in das Gehirn implantiert werden - alles nach dem Prinzip der minimal-invasiven Epilepsiechirurgie. Möglich macht dies die reibungslose Zusammenarbeit von Epileptologen und Epilepsiechirurgen der Klinik für Neurochirurgie in einem gemeinsamen Team. Alle Schritte der Untersuchungen und Therapie werden intensiv mit den Patienten besprochen.

Die neue Operationsmethode, die so genannte "Stereotaktische Radiofrequenz-Thermokoagulation", die man auch als "Schlüssellochchirurgie" bezeichnen könnte, entwickelte Prof. Wellmer im Jahr 2012 zusammen mit Prof. Dr. Jürgen Voges, einem stereotaktischen Neurochirurgen aus Magdeburg, für Epilepsiepatienten mit kleinen Fehlbildungen der Gehirnrinde.

Die ersten fünf Bochumer Patienten wurden zunächst in Magdeburg operiert, seit 2014 werden die Operationen im Knappschaftskrankenhaus Bochum durchgeführt. Die anfallsverursachende Hirnregion wird dabei erstmals nicht operativ entfernt, sondern mithilfe von Elektroden, die durch kleine Bohrlöcher ins Hirn eingebracht werden, verödet. Durch dieses minimal-invasive Verfahren konnten bisher sehr gute Ergebnisse erzielt werden - nicht nur im Sinne der Anfallsfreiheit der Patienten und der Vermeidung neurologischer Schäden. Denn auch die Lebensqualität der Patienten nahm deutlich zu, und das teilweise nach bis zu dreißig Jahren Dauer der Epilepsieerkrankung.

"Es ist schön, wenn aus Paris, London oder Texas Postkarten von Patienten kommen, die da schon immer mal hin wollten und sich vor der OP nie getraut haben", erzählt der Leiter des Epileptologie-Zentrums in Bochum erfreut.

Weitere Informationen gibt es telefonisch unter 0234 / 299-3993 oder im Internet unter www.ruhr-epileptologie.de

Bianca Braunschweig M.A.
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fon: +49 (0)234 / 299-84033
Fax: +49 (0)234 / 299-4098
Mail: bianca.braunschweig@kk-bochum.de

Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum GmbH In der Schornau 23-25
D-44892 Bochum
www.kk-bochum.de
www.uk.rub.de

Direkt-Link: www.kk-bochum.de/Inhalt/Aktuelles/Presse-_und_Oeffentlichkeitsarbeit/index.asp

Bianca Braunschweig | Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum GmbH

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Filterschutz fürs Gehirn: Weniger Schlaganfälle bei Herzklappenersatz-OP
17.08.2017 | Universitätsklinikum Ulm

nachricht Cochlea-Implantat: Viele Formen funktionieren
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Studie für Patienten mit Prostatakrebs: Einteilung in genomische Gruppen soll Therapie präzisieren

21.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Forscher entwickeln zweidimensionalen Kristall mit hoher Leitfähigkeit

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index

21.08.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz