Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

6,65 Mio Förderung: Erster Ganzkörper-PET-MRT Prototyp kann am Uniklinikum Tübingen erprobt werden

09.06.2009
Neuartige Bildgebungsmethode für Krebspatienten
Wissenschaftsrat bewilligt Uniklinikum Tübingen 6,56 Mio Euro
für die weltweit erste klinische Erprobung der Ganzkörper-PET-MRT Technologie
Am 08.06.2009 gab die gemeinsame Wissenschaftskonferenz in Bonn bekannt, dass das Universitätsklinikum Tübingen 6,56 Mio Euro für die Anschaffung eines vollkommen neuartigen multimodalen Ganzkörper-Tomographie-Systems für die Krebs-Diagnostik erhält. Das neue Ganzkörper PET-MRT kombiniert die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit der Magnetresonanztomographie (MRT) in einem Gerät. Diese Technologie wird es künftig ermöglichen, in einem einzigen Untersuchungsschritt sowohl die Struktur als auch gleichzeitig die Funktion von Organen im gesamten Körper darzustellen.

Prof. Dr. Claus D. Claussen, Ärztlicher Direktor im Department für Radiologie des Tübinger Universitätsklinikum: "Für unsere Patienten bedeutet dies künftig eine deutliche Reduktion der Untersuchungsbelastung, weil die Untersuchungszeit erheblich verkürzt werden kann und die Belastung durch Röntgenstrahlung entfällt. Bösartige Tumorherde oder Metastasen können mit dieser Technologie frühzeitiger entdeckt, eindeutiger charakterisiert und ihre Lage zu den Organen sicherer zugeordnet werden. Als Resultat sind frühzeitigere und zielgenauere Therapiemöglichkeiten zu erwarten."

Wichtige Schritte bis hin zur Entwicklung eines Kopf-PET-MRT wurden am Uniklinikum bereits erfolgreich abgeschlossen. Die Herausforderung für die Wissenschaftler besteht jetzt darin, die Technik von der Bildgebung am relativ kleinen Kopf auf den ganzen Körper zu übertragen.

Mit der Förderung dieses weltweit ersten Prototyps würdigt der Wissenschaftsrat auch die jahrelange Vorarbeit auf dem Gebiet des PET-MR der universitären Tübinger Radiologie.

Der Wettbewerb
Jedes Jahr fordert der Wissenschaftsrat in Berlin die Universitäten auf, sich mit wissenschaftlichen Projekten um die Finanzierung von neuen Wissenschaftsbauten und dazugehörigen Großgeräten zu bewerben. Der Antrag aus Tübingen wurde mit "hervorragend" bewertet und nimmt unter den 18 bundesweit geförderten Projekten Rang 4 ein. Vom Wissenschaftsrat empfohlene Anträge müssen anschließend von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz zur Förderung genehmigt werden.

Prof. Claussen: "Wir freuen uns, dass der Wissenschaftsrat eine aus Deutschland kommende Innovation zur Förderung empfiehlt, die beste Chancen hat, sich weltweit als Diagnosemethode bei Tumorpatienten durchzusetzen. Mit diesem Gerät wird das vom Land Baden-Württemberg geförderte Exzellenzzentrum für Bildgebende Verfahren am Universitätsklinikum Tübingen eine noch stärkere internationale Anerkennung erfahren."

PET-MR - eine Tübinger Entwicklung
Das jetzt geplante Ganzkörper PET-MR baut auf den international herausragenden Tübinger Arbeiten auf dem Gebiet der PET-MR-Kleintierbildgebung (Labor für Präklinische Bildgebung, Prof. Bernd Pichler) auf, die unter anderem vom National Institute of Health, USA, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt werden und in der Fachzeitschrift Nature Medicine publiziert wurden.

Die im Tübinger Labor für Präklinische Bildgebung erprobte neuartige Bildgebungsmethode ermöglicht es, Mäuse in der biomedizinischen Grundlagenforschung nicht-invasiv zu untersuchen und liefert somit einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von Versuchstieren.

Erster Schritt: Prototyp für Aufnahmen des Kopfes
Basierend auf obiger, an Mäusen erprobten Technik, wurde zusammen mit der Firma Siemens das weltweit erste PET-MR für Abbildungen des Gehirns in Tübingen entwickelt. Mit dieser Technologie wurden in Zusammenarbeit mit Prof. Heinz-Peter Schlemmer vom Radiologischen Department des Tübinger Universitätsklinikums die ersten Untersuchungen des menschlichen Gehirns Ende 2006 in Knoxville, USA, angefertigt und der erste Prototyp für umfangreichere Probandenuntersuchungen 2008 in Tübingen in Betrieb genommen. Dieses Gerät ermöglicht es schon jetzt, krankhafte Veränderungen des Gehirns gleichzeitig in ihrer Struktur als auch Ihrer Funktion abzubilden.
Weltweit erster Ganzkörper-Prototyp wird erprobt
Die Herausforderung für die Wissenschaftler besteht jetzt darin, die Technik von der Bildgebung am relativ kleinen Kopf auf den ganzen Körper zu übertragen.

Prof. Pichler: "In Zusammenarbeit mit der Firma Siemens Healthcare in Knoxville Tennessee (USA) arbeiten wir intensiv an der Entwicklung eines hochauflösenden PET-Detektors, der sich in den Magnetresonanztomographen (MRT) integrieren lässt, aber gleichzeitig das Bild der Kernspinaufnahme (MRT) nicht verschlechtert. Eine Aufgabe, die von der technischen Problematik, als auch von Seiten der Datenverarbeitung her sehr, sehr komplex ist. Daher sind wir froh, im Bereich der Datenverarbeitung eng mit Prof. Bernhard Schölkopf vom Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik kooperieren zu können." Parallel arbeiten die Forscher an geeigneten Substanzen wie tumorspezifischen Biomarkern zur Gewebecharakterisierung für die PET-Untersuchung.

Erste Untersuchungen für 2011 geplant
Die notwendigen Baumaßnahmen werden 2009/2010 erfolgen, das neue Gerät wird 2011 fertig entwickelt sein und aufgestellt werden. Für Ende des Jahres 2011 werden die ersten Patientenuntersuchungen an diesem Gerät durchgeführt werden können.

Ansprechpartner für nähere Informationen

Klinische Aspekte
Prof. Dr. Claus D. Claussen
Universitätsklinikum Tübingen, Department für Radiologie
Hoppe-Seyler-Str.3, 72076 Tübingen
Tel: 07071/29-8 20 87
Fax 07071/29 58 45
Clauss Claussen@med.uni-tuebingen.de
Technische und grundlagenwissenschaftliche Aspekte:
Prof. Dr. Bernd Pichler
Universitätsklinikum Tübingen, Labor für Präklinische Bildgebung
Röntgenweg 11, 72076 Tübingen
Tel. 07071/29-8 34 27
Fax 07071/29-44 51
Bernd.Pichler@med.uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Auf die richtige Verbindung kommt es an: Tiefe Hirnstimulation bei Parkinsonpatienten individuell anpassen
22.06.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Forschungsprojekt BabyLux: Neues Messinstrument schützt Frühgeborene vor Gehirnschädigungen
12.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive