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Im Rahmen der „Viszeralmedizin 2011“ diskutieren Experten der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV), wie sich Dringlichkeit, medizinischer Nutzen, Patientenversorgung und begrenzte finanzielle Mittel optimal vereinen lassen.
Mehr als 650 000 Operationen führen Ärzte hierzulande jährlich allein am Darm durch. Doch je nachdem ob es etwa um eine akute Entzündung des Wurmfortsatzes oder eine komplizierte Darmkrebsoperation geht, muss der behandelnde Arzt entscheiden, welche Patienten er wann und wie behandelt. Bislang gibt es hierzu in der Viszeralchirurgie unterschiedliche Priorisierungsansätze. Dazu gehören beispielsweise Vorschläge der Zentralen Ethikkommission (ZEKO). „Diese Verfahren sind jedoch ohne kritische Überprüfung in die Diskussion eingebracht worden und verursachen lediglich Unsicherheiten in der Ärzteschaft“, erläutert Professor Dr. med. Michael Betzler, Kongresspräsident der DGAV für die „Viszeralmedizin 2011“ aus Essen. An dieser Stelle sei eine Überprüfung und Überarbeitung bisheriger Vorgaben unbedingt notwendig.
Die ZEKO empfiehlt, die Patientenversorgung nach einem 4-Stufen-Modell zu kategorisieren: Zunächst sei das Leben zu schützen und Schmerzen zu vermeiden. Danach seien der Ausfall von Organen und Körperfunktionen zu schützen und das Wohlbefinden zu gewährleisten. Schließlich muss der Arzt die Körperfunktionen des Patienten stärken und bessern. „Dieses System berücksichtigt jedoch nicht, welche medizinische Maßnahme im Einzelfall wirklich anzuraten ist und ob beispielsweise eine Wartezeit hinnehmbar ist“, kritisiert Professor Dr. med. Joachim Jähne von der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie in Hannover. Der Experte rät dazu, dieses Stufenmodell – auch auf Basis der Erfahrungen anderer Länder – zu verfeinern und in ein Punktesystem zu überführen: Er schlägt zunächst eine Abstufung in fünf Kriterien vor: Dringlichkeit der Erkrankung, krankheitsbezogene Symptomatik, psychische Situation, soziale Situation und Beeinflussung des Erwerbslebens. Damit der Arzt die Behandlungsnotwendigkeit seiner Patienten anschließend bewerten kann, unterteilt Jähne diese Kriterien erneut und bepunktet sie: Für die erste Kategorie von akut lebensbedrohlich (3 Punkte) bis zu chronisch (1 Punkt). Je höher die Punktzahl, desto dringlicher eine Therapie. „Dieses Schema gibt dem Arzt eine Richtschnur an die Hand, um einerseits den zeitlich notwendigen Behandlungsrahmen einzuschätzen“, so der Chirurg. „Andererseits kann er mithilfe dieser Vorgabe über angemessene Therapien befinden, beispielsweise, ob eine Operation notwendig ist und dem Patienten wirklich hilft, um somit dem Problem begrenzter finanzieller Mittel gerecht zu werden.“
Um dieser komplexen Frage gerecht zu werden, gelte es darüber hinaus, Patientenwünsche und eine eventuelle finanzielle Selbstbeteiligung zu berücksichtigen, so Jähne. Auch müssten interdisziplinäre Kosten-Nutzen-Studien in Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften noch tiefere Kenntnis bringen. Auf der Fachtagung „Viszeralmedizin 2011“ vom 14. bis 17. September 2011 in Leipzig, diskutieren Experten von DGVS und DGAV wo und in welcher Form eine Priorisierung in Gastroenterologie und Viszeralchirurgie möglich und notwendig ist.
Terminhinweise:
Viszeralmedizin 2011
14. bis 17. September 2011, CCL Congress Center Leipzig
Eines der Themen:
Freitag, 16. September 2011
15.30 bis 17.00 Uhr: Sitzung
Was darf die Medizin kosten? Priorisierung in der Viszeralmedizin
(Vorsitz: Prof. G. Adler, M. Betzler)
Vorab-Pressekonferenz
Termin: Donnerstag, 8. September 2011, von 11.30 bis 12.30 Uhr
Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Raum 0107, Schiffbauerdamm 40/Ecke Reinhardtstraße 55, 10117 Berlin
Kongress-Pressekonferenz
Termin: Donnerstag, 15. September 2011, von 12.30 bis 13.30 Uhr
Ort: CCL Congress Center Leipzig, Vortragsraum 10, Messe-Allee 1, 04356 Leipzig
Ihr Kontakt für Rückfragen:
Pressestelle Viszeralmedizin 2011
Christine Schoner
Pf 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel: 0711 8931-573, Fax: 0711 8931-167
schoner@medizinkommunikation.org
Christine Schoner | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.dgav.de
www.dgvs.de
www.viszeralmedizin.com
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