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Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste neurodegenerative Erkrankung. Sie ist für 60 Prozent der weltweit etwa 24 Millionen Demenzerkrankungen verantwortlich. Obwohl in den letzten Jahren viel über Alzheimer geforscht wurde und das Wissen stetig gewachsen ist, fehlt nach wie vor ein Durchbruch in der Therapie.
An der Uniklinik Köln startet jetzt eine vielversprechende Studie zum erstmaligen Einsatz der Tiefen Hirnstimulation bei Alzheimer. In einem Gemeinschaftsprojekt haben die Kliniken für Psychiatrie und Stereotaxie der Uniklinik Köln eine innovative Studie zur Behandlung leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz mittels Tiefer Hirnstimulation initiiert.
Basierend auf verschiedenen aktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen hoffen die Wissenschaftler, dass sich die Tiefe Hirnstimulation positiv auf die neuronalen Regelkreise auswirkt, die im Rahmen der Alzheimer-Demenz vom Zelluntergang betroffen sind. Als Ziel für die Stimulation im Gehirn haben die Kölner Wissenschafter vor allem den sogenannten Nucleus basalis Meynert im Visier.
Ein Kernareal im Bereich des basalen Vorderhirns, das aussieht, wie eine flache Scheibe. „Die Zellen dieser Region versorgen mit dem Botenstoff Acetylcholin vielfältige Bereiche der Hirnrinde, die bei den Demenz-Kranken nicht funktionieren. Deswegen fallen selbst einfachste Tätigkeiten wie Essen oder Zähneputzen so schwer“, so Prof. Dr. Volker Sturm, Direktor der Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie der Uniklinik Köln.
Das Behandlungskonzept wurde von Prof. Volker Sturm gemeinsam mit dem Neurologen Prof. Hans-Joachim Freund aus Düsseldorf entwickelt. Um das Zielareal genau zu treffen, ist Millimeterarbeit notwendig. Für diese Feinarbeit arbeiten die Mediziner der Kölner Uniklinik mit dem Düsseldorfer Neuroanatomen Prof. Jürgen Mai zusammen. Größte Hoffnung ist, dass die Stimulation das Voranschreiten der Alzheimer-Krankheit beeinflusst und verzögert, wie Prof. Jens Kuhn, Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, erklärt: „Durch die Stimulation sollen Neurotrophine ausgeschüttet werden, also Schutz- und Wachstumsfaktoren für die Nervenzellen.
Sind diese in ausreichendem Maß vorhanden, können sie den Fortbestand von neuronalen Verbindungen stabilisieren. So könnte der Verfall aufgehalten werden.“ Allerdings betonen die Forscher auch, dass es für den derzeitigen hoch-experimentellen Einsatz der Tiefen Hirnstimulation bei Alzheimer-Demenz auch viele Grenzen gibt: „Für unsere Studie kommen nur Patienten in einem frühen bis mittleren Stadium der Erkrankung in Frage. Dann, wenn die Diagnose der Demenz gestellt ist und der Patient im Alltag noch alleine gut zurecht kommt, ist der richtige Zeitpunkt für eine Stimulation“, erläutert Prof. Kuhn.
„Wartet man zu lang, bis zu viele Neuronen zerstört sind, macht eine Hirnschrittmacher-Operation wahrscheinlich nur noch wenig Sinn. Darüber hinaus müssen potentielle Patienten solch einem Eingriff auch noch zustimmen können.“ Voraussetzungen für die Teilnahme an der Studie sind: Erfüllte Diagnosekriterien einer Alzheimer-Demenz, Deutsch als Muttersprache, Alter zwischen 60 und 80 Jahre, Fähigkeit zur Einwilligung und die Zustimmung engster Angehöriger. „Bei Interesse an der Studie stehen wir für Patienten und Angehörige gerne in unserer Gedächtnissprechstunde zu einem persönlichen Beratungsgespräch über die verschiedenen hiesigen Therapieoptionen zur Verfügung“, sagt Prof. Kuhn.
„Wir hoffen, mit dem Einsatz der Tiefen Hirnstimulation bei Patienten, die an einer Alzheimer-Demenz leiden, eine Therapie-Option schaffen zu können, die die kognitive Leistungsfähigkeit verbessert und zumindest eine Erhaltung der Lebensqualität bewirkt“, fügt Prof. Sturm hinzu. Hintergrund Tiefe Hirnstimulation: Das Verfahren der Tiefen Hirnstimulation wurde Ende der 1980er-Jahre zur Behandlung von Bewegungsstörungen eingeführt. Bei diesem Verfahren werden dem Patienten in beide Gehirnhemisphären Elektroden implantiert, die dann zeitlich kurze elektrische Impulse abgeben, um den Funktionszustand gestörter neuronaler Schaltungen zu beeinflussen.
Die Tiefe Hirnstimulation hat sich über einen langen Beobachtungszeitraum vor allem bei Parkinson und essentiellem Tremor als sehr wirkungsvoll erwiesen. Das Verfahren der Tiefen Hirnstimulation ist infolge seiner mittlerweile über 20-jährigen Anwendung gut bekannt und wegen seiner minimalen Invasivität nur mit geringen und seltenen Nebenwirkungen behaftet. Auch im psychiatrischen Fachgebiet stößt die Tiefe Hirnstimulation aufgrund der hohen Effektstärke zunehmend auf Interesse. Die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie beschäftigt sich seit mehreren Jahren in enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie der Uniklinik Köln mit der Anwendung der Tiefen Hirnstimulation auf psychiatrische Krankheitsbilder.
Kontaktmöglichkeit zum Studienbüro sowie zur
Gedächtnis-Sprechstunde:
Diplom Psychologin Katja Hardenacke
Telefon: 0221 478-87232
E-Mail: gedaechtnis-sprechstunde@uk-koeln.de
Für Rückfragen:
Prof. Dr. Volker Sturm
Direktor der Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie
Telefon: 0221 478-5112
E-Mail: stereotaxie@uk-koeln.de
Prof. Dr. Jens Kuhn
Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Telefon: 0221 478-4005
E-Mail: jens.kuhn@uk-koeln.de
Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Kommunikation
Telefon: 0221 478- 88757/ 5548
E-Mail: pressestelle@uk-koeln.de
Christoph Wanko | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uk-koeln.de
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