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Seltene Rheuma-Form Morbus Behçet gehäuft bei Mittelmeeranwohnern

22.07.2009
An der Rheuma-Erkrankung Morbus Adamantiades-Behçet (MAB) erkranken bestimmte Migranten hierzulande 20 Mal häufiger als Deutschstämmige. In der Türkei ist der Anteil an der Gesamtbevölkerung noch höher.

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Genaue Ursachen sind bislang unklar. MAB bildet deshalb einen Schwerpunkt des 37. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, der gemeinsam mit der Assoziation für Orthopädische Rheumatologie und der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie vom 23. bis 26.09.2009 in Köln stattfindet. Auf ihrem Kongress begrüßen die Veranstalter die Türkei als Partnerland. Angesichts des großen Anteils türkischstämmiger Kölner spielt der fachliche hier eine wichtige Rolle.


Morbus Behçet gehört zu den entzündlichen rheumatischen Gefäßerkrankungen, den sogenannten Vaskulitiden: Die körpereigene Abwehr greift die Blutgefäße der Organe an. Sichtbar wird die Krankheit zunächst in Form schmerzhafter Wunden in der Mundschleimhaut. Ähnliche Geschwüre treten auch im Genitalbereich auf. Oft bildet die Haut rote Knötchen. In 80 Prozent der Fälle geht die eitrige Entzündung auf die Augen über. Bis zur Hälfte der Patienten erblinden daran. Bei der Erstdiagnose hilft der so genannte "Katzenellenbogen-" oder "Pathergie-Test": Nach Injektion einer Salzlösung in die Haut bildet sich bei 30 Prozent der Patienten innerhalb von zwei Tagen ein Knötchen.

In keinem anderen Land der Erde erkranken so viele Menschen an einem MAB wie in der Türkei: Auf 100 000 Einwohner kommen dort 80 bis 370 Erkrankte. Auch im Orient bis nach Korea und Japan ist er verbreiteter als in der übrigen Welt, weshalb Ärzte ihn häufig als "Erkrankung der Seidenstraße" bezeichnen. Wissenschaftler führen diesen räumlich begrenzten Ursprung auf die Gene der dort lebenden Menschen zurück: Das Gen HLA-B51 scheint bei ihnen die krankhafte rheumatische Immunreaktion zu begünstigen. Türkische Einwanderer und deren Nachfahren erkranken hierzulande jedoch seltener als ihre Verwandten in der Türkei: Experten schätzen die Häufigkeit auf 21 pro 100 000. Dies stützt die Annahme der Forscher, dass Umwelteinflüsse und auch Viren die Krankheit auslösen. Unter Deutschstämmigen sind weniger als einer von 100 000 betroffen.

Leichter Morbus Behçet lässt sich mit Kortison behandeln. Bei schweren Verläufen und bei einer Erkrankung der Augen setzten Ärzte - wie in der Therapie entzündlich rheuma¬tischer Erkrankungen üblich - ergänzend Medikamente ein, die gezielt die körpereigene Abwehr blockieren. Dies wirkt sich jedoch auf das gesamte Immunsystem des Patienten aus und macht ihn anfällig für Infekte. Derzeit prüfen Wissenschaftler im Rahmen der INCYTOB-Studie den Einsatz von Interferon - dieses körpereigene Eiweiß nutzen Ärzte auch in der Krebstherapie. Unter Leitung der Universität Tübingen beteiligen sich mehr als 20 deutsche Behandlungszentren an der Studie.

Seit 1990 registriert in Deutschland ein Patientenregister alle Fälle von MAB. Von etwa 1,7 Millionen Türken in Deutschland leben etwa 65 000 in Köln. Im Rahmen des 37. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) im Kölner Congress-Centrum Ost diskutieren Experten unter anderem Unterschiede in der Häufigkeit des Morbus Behçet und vergleichen die Versorgung von Betroffenen in der Türkei und in Deutschland.

Unter dem Begriff Rheuma fassen Experten mehr als 100 verschiedene entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparates zusammen. Auch die verschleißbedingten Krankheiten wie Arthrose zählen zum sog. "rheumatischen Formenkreis". Menschen jeden Alters sind von diesem oft schweren, schmerzhaften und vielgestaltigen Leiden betroffen: Etwa 1,5 Millionen Deutsche leiden allein an einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Durchschnittlich dauert es 13 Monate bis Betroffene mit einer rheumatoiden Arthritis zu einem Rheumatologen gelangen und dort Hilfe finden.

Kongress-Pressestelle DGRh
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-552
Telefax: 0711 8931-167
spirgat@medizinkommunikation.org

Dr. Cornelia Rufenach | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.dgrh.de/kongress2009.html

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