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Rot und schuppig – so sieht die Haut aus, wenn sie an Schuppenflechte oder der so genannten "Psoriasis" erkrankt ist.
In Deutschland leiden etwa 1,6 Millionen Menschen an der chronisch entzündlichen Hauterkrankung. Die Haut rötet sich, weil die Blutgefäße darin vermehrt und krankhaft verändert sind. Ob man diese Veränderungen als Ansatz einer neuen Therapie gezielt beeinflussen kann, das haben Hautexperten der Universitätsmedizin Göttingen zusammen mit anderen Forschern in Europa genauer untersucht. Erstmals konnten sie dabei nachweisen:
Eine gezielte Therapie gegen die typische Rötung kann auch andere auffällige Anzeichen der Krankheit erfolgreich lindern. Das Ergebnis ihrer Grundlagenforschung könnte ein alternativer und zusätzlicher Ansatz in der Behandlung von Schuppenflechte werden. Bisher zielt die Behandlung vor allem darauf ab, die Entzündungsprozesse in der Haut zu normalisieren. Die Forschungsergebnisse sind im Januar 2011 im Fachmagazin "The Journal of Clinical Investigation (JCI)" erschienen.
Die auffällige Rötung der Haut bei Schuppenflechte genauer unter die Lupe genommen haben Dr. Katrin Wallbrecht und Prof. Dr. Michael P. Schön, Direktor der Abteilung Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Universitätsmedizin Göttingen. Sie arbeiteten dabei im EU-Verbundprojekt "ANGIOSKIN" eng mit Dr. John R. Zibert und Prof. Lone Skov (Gentofte Hospital, Kopenhagen) sowie anderen Forschern aus Europa zusammen. Das Projekt wurde durch die Europäische Union (EU) über 4,5 Jahre mit insgesamt 2,78 Mio. Euro gefördert.
Der Blick durchs Mikroskop in die kranke Haut hinein brachte den Forschern erste Einsichten: Zu sehen ist eine vermehrte Blutgefäßbildung. Da fallen dickere und verlängerte Blutgefäße auf. Durch diese strömt vermehrt Blut und führt zu der von außen sichtbaren Rötung der Haut bei Schuppenflechte. Die Frage der Wissenschaftler war: Führt eine Normalisierung der übermäßigen Blutgefäßbildung dazu, dass sich die Rötung und sogar der Verlauf der Schuppenflechte bessern? Das Ergebnis ihrer experimentellen Untersuchungen: "Eine Behandlung gegen das übermäßige Auswachsen von Blutgefäßen, die so genannte Anti-Angiogenese, ist möglich. Sie verhindert die Ausbildung von Blutgefäßen. Durch eine solche zusätzliche Behandlung kann sogar eine bestehende entzündliche Hauterkrankung deutlich verbessert werden", sagt Prof. Dr. Michael Schön.
Bei ihren Forschungen setzen die Wissenschaftler eine neue Technik, die "non-virale somatische Gentherapie" ein. Damit gelang es ihnen, ein spezielles Eiweiß (Protein) in die Haut zu transportieren, das "anti-angiogen" wirkt und so die Neubildung von Blutgefäßen hemmt. Um die ablaufenden Prozesse in der Haut beobachten zu können, wurde zudem ein fluoreszenz-gekoppeltes Reporterprotein miteingeschleust. "In allen drei Mausmodellen, die wir untersucht haben, konnten wir sehen, dass das anti-angiogen wirkende Eiweiß, eine Disintegrin- und Metallopeptidase-Domäne von ADAM-15, tatsächlich wirkt", sagt Dr. Katrin Wallbrecht. "Die vorübergehende Expression der Disintegrin-domäne (RDD) blockiert die Überproduktion von Blutgefäßen (Angiogenese) in der Haut."
Einige Effekte der neuen Behandlungsidee konnten die Forscher bereits mit bloßen Augen sehen: So zeigten sich die typischen entzündlichen Hautveränderungen wesentlich verbessert. Andere Effekte wurden mit hochauflösendem Ultraschall sichtbar: So ließ sich ein verringerter Blutfluss in der obersten Lage der Unterhaut nachweisen. Aber auch andere Angiogenese- und Entzündungskennzeichen, wie die erhöhte Blutgefäßdichte, die für Schuppenflechte typische, zu schnelle Erneuerungsrate und Verdickung der Oberhaut sowie das äußere Erscheinungsbild mit Rötung und Schuppung der Haut waren insgesamt verbessert. Die Ergebnisse liegen derzeit nur in der Phase der Grundlagenforschung mit Mäusen vor. Konkret bedeutet das: Mäusen mit einer chronisch entzündeten Haut konnte geholfen werden. Weitere Untersuchungen sind nun notwendig, bevor die Forschungsergebnisse auf Menschen übertragen werden können.
Originalveröffentlichung
Zibert JR*, Wallbrecht K*, Schön M, Mir LM, Jacobsen GK, Trochon-Joseph V, Bouquet C, Villadsen LS, Cadossi R, Skov L*, Schön MP*: „Halting angiogenesis by non-viral somatic gene therapy alleviates psoriasis and murine psoriasiform skin lesions.“ J Clin Invest. 2011, 121(1), 410-421
Die Forschungsarbeiten, die zu diesen Ergebnissen geführt haben, wurden gemäß der Finanzhilfevereinbarung LSHB-CT-2005-512127 im Zuge des Sechsten Rahmenprogramms der Europäischen Union (RP6/2002-2006) gefördert.
WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen
Abteilung Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Prof. Dr. Michael P. Schön
Telefon 0551 / 39-6401, michael.schoen@med.uni-goettingen.de
Stefan Weller | Quelle: Universitätsmedizin Göttingen
Weitere Informationen:
www.med.uni-goettingen.de/presseinformationen/presseinformationen_14575.asp
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