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„Bei herkömmlichen Tests liegt mitunter erst nach bis zu acht Stunden ein verlässliches Ergebnis vor. Dies kann dazu führen, dass der optimale Zeitpunkt für eine Herzkatheteruntersuchung verpasst wird“, sagt Prof. Dr. Stefan Blankenberg, Direktor der Klinik und Poliklinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie am UKE. Nachzulesen sind die neuen Erkenntnisse in der Studie „Serial Changes in High Sensitive Troponin I and Early Diagnosis of Myocardial Infarction“ im aktuellen Journal of the American Medical Association (JAMA).
Brustschmerz und Atemnot: Sehr häufig sind es diese Symptome, mit denen sich Patienten in der Notaufnahme wiederfinden. Die klassischen Anzeichen für einen Herzinfarkt können aber auch andere Ursachen haben. Ob tatsächlich jemand einen Herzinfarkt erlitten hat, entscheidet häufig das Elektrokardiogramm (EKG). Ist dieses nicht eindeutig, folgt der Nachweis von Troponin, einem Eiweiß, das der absterbende Herzmuskel freisetzt, wenn es zum Infarkt gekommen ist. Das Problem: Bisher verfügbare Tests können einen Anstieg des Werts erst nach bis zu acht Stunden im Labor verlässlich anzeigen. „Das hat zur Folge, dass wir Patienten lange beobachten müssen und eventuell nicht so früh behandeln können, wie es bei einem Infarkt eigentlich notwendig ist“, erläutert Prof. Blankenberg. „Mit unserem neuen, hoch sensitiven Troponin-Test können wir die Herzinfarktdiagnostik und damit auch die Behandlung der Patienten dagegen wesentlich beschleunigen.“
Der neue Labortest, den das Pharmaunternehmen Abbott Diagnostics mit Unterstützung von UKE-Wissenschaftlern entwickelt hat, setzt auf eine wiederholte Bestimmung des Troponins: bei Ankunft des Patienten im Krankenhaus, nach drei und nach sechs Stunden. Prof. Blankenberg und sein Team haben den Test in einer Studie an 2000 Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt geprüft. Neu ist, dass bereits nach drei Stunden Mediziner einen Herzinfarkt nahezu hundertprozentig ausschließen können.
Basis hierfür ist ein bei gesunden Menschen ermittelter Grenzwert. Wird dieser trotz entsprechender Symptome nach drei Stunden nicht überschritten, liegt kein Herzinfarkt vor. Ist der bei Ankunft in der Klinik gemessene Wert jedoch drei Stunden später um mindestens 200 Prozent gestiegen, können Ärzte einen Herzinfarkt mit 96-prozentiger Sicherheit diagnostizieren und zügig behandeln. Im Falle anderer Ursachen wie Bluthochdruck, Herzschwäche oder Nierenfunktionsstörungen würde ein anfangs erhöhter Troponin-Wert auch nach drei Stunden auf ähnlichem Niveau bleiben – und damit einen Herzinfarkt ebenso sicher ausschließen. Vor diesem Hintergrund erweist sich der neue Test als extrem genau für die Diagnose und auch den Ausschluss eines Herzinfarktes.
Basierend auf diesen Ergebnissen empfehlen nun die Europäischen Leitlinien zur Diagnose des Akuten Myokardinfarktes die hier beschriebene Anwendung der hoch sensitiven Teste zur Diagnose oder zum Ausschluss eines Akuten Myokardinfarktes. An der Chest Pain Unit (Brustschmerzeinheit) des UKE ist dieses Konzept bereits umgesetzt. Die Regulationsbehörden in den USA (Food and Drug Administration, FDA) prüfen derzeit die Zulassung des Tests.
Christine Jähn | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uke.uni-hamburg.de
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