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In einem Punkt sind sich Politiker, Wissenschaftler und Praktiker einig: Pflegeberufe brauchen ein modernes und attraktives Profil. Grundlage hierfür ist eine gute Ausbildung. Nicht zuletzt haben deshalb Ausbildungsstätten für Pflegeberufe seit einigen Jahren die Möglichkeit, ihre Ausbildungsinhalte und -strukturen zu reformieren.
Auf diese Weise sind in den letzten Jahren bundesweit zahlreiche Modellprojekte zur Weiterentwicklung der Pflegeausbildung mit unterschiedlichen Reformelementen entstanden. Ein Kernpunkt dieser Reformmodelle ist die Zusammenführung der bislang getrennten Berufsabschlüsse der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege in einen gemeinsamen Abschluss. Bislang gab es allerdings keine generelle und systematische Evaluation der Modellprojekte. Diese Lücke hat jetzt das Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen unter der Leitung von Professor Stefan Görres geschlossen. Die Studie "Qualitätskriterien für Best Practice in der Pflegeausbildung" liefert erstmals Ergebnisse einer zusammenfassenden Auswertung bereits abgeschlossener Reformmodelle, die bundesweit an Pflegeschulen erfolgten.
Ziel der von Oktober 2008 bis Dezember 2009 durchgeführten und von der Robert Bosch Stiftung geförderten Studie ist es, auf der Grundlage empirisch gesicherter Erkenntnisse, Empfehlungen zu zukünftigen Reformen der Pflegeausbildung auszusprechen und in einen politischen Dialog einzubringen. In die Studie eingeschlossen war die Befragung aller bundesweiten 42 Reformprojekte, der entsprechenden Ausbildungsträger der Schulen sowie einer Auswahl an Absolventen und Arbeitgebern.
Modellabsolventen verfügen über bessere Sozialkompetenzen
Etwa die Hälfte der Arbeitgeber (47 Prozent) bescheinigen den Modellabsolventen gut ausgebildete Basiskompetenzen im Unterschied zu traditionell Ausgebildeten, vor allem aber stärker ausgeprägte sozial-kommunikative, personale und methodische Kompetenzen. Im Einzelnen zeichnen sich die Modellabsolventen vorrangig durch eine hohe Analyse- und Reflexionsfähigkeit sowie eine große Einsatzbereitschaft, Flexibilität und eine Motivation zum lebenslangen Lernen aus. Durch diese in den Modellen erworbenen Kompetenzen sowie eine hochgradige Patienten- beziehungsweise Bewohnerorientierung prognostizieren 68 Prozent der Bildungseinrichtungen und 42 Prozent der Arbeitgeber eine verbesserte Pflegequalität in den Einrichtungen. Selbstkritisch bescheinigen sich 45 Prozent der Absolventen dagegen ein geringeres (medizinisches) Spezialwissen und eine geringere praktisch-technische Routine im Unterschied zu traditionell Ausgebildeten. Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass die zukünftige Gestaltung der Pflegeausbildung in zwei Richtungen erfolgen sollte: Zum einen ist eine grundlegende Ausbildung im Sinne eines "allgemeinen" Pflegeberufs sinnvoll. Zum anderen muss der Bedarf der Einrichtungen an Spezialisten nach wie vor abgedeckt werden. Anders als bisher soll der Erwerb des dazu notwendigen Spezialwissens für pflegefachliche Schwerpunkte nach einer gemeinsamen Ausbildung in neu zu gestaltenden beruflichen Weiterqualifizierungen oder Pflegestudiengängen vermittelt werden.
Große Reformbemühungen vor allem in Baden-Württemberg und Hessen
Große Reformbemühungen stellen die Bremer Wissenschaftler vor allem in den südlichen Bundesländern Baden-Württemberg und Hessen fest. Hier werden unterschiedliche Varianten inklusive einer Hochschulausbildung erprobt. Weniger starke Reformbestrebungen finden sich dagegen in den nördlichen Ländern Bremen und Schleswig Holstein sowie in den neuen Bundesländern Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Über die Gründe lässt sich allenfalls spekulieren. "Vermutlich verfügen die südlichen Bundesländer einfach über bessere Fördermöglichkeiten", sagt Professor Stefan Görres vom IPP der Uni Bremen. Insgesamt bestätigten die Ergebnisse der Studie den Reformwillen des Gesetzgebers, die Modernisierung der Pflegeausbildung voranzutreiben, so Görres. Nun sei allerdings die Politik gefragt, den von ihr initiierten "Experimenten" dauerhaft eine normative Kraft durch eine Reform der Berufsgesetze mit dem Ziel einer einheitlichen und gesetzlich geschützten Berufsbezeichnung zu verleihen. Die damit verbundene Angleichung an europäische Ausbildungsstandards in den Pflegeberufen würde angesichts abnehmender Bewerberzahlen ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg einer nachhaltigen Modernisierung sein.
Weitere Informationen:
Universität Bremen
Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften
Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP)
Prof. Dr. Stefan Görres
Telefon: 0421 218-7443
E-Mail: sgoerres@uni-bremen.de
Dr. Martina Stöver
Telefon: 0421 218-4990
E-Mail: stoever@uni-bremen.de
Meike Mossig | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.public-health.uni-bremen.de/
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