Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Den plötzlichen Herztod verhindern

29.08.2011
Charité–Forscher können das Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen voraussagen

Anzeige

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und die Universität Leiden haben eine Methode entwickelt, um unter Herzinfarktpatienten und -patientinnen diejenigen zu identifizieren, die besonders vom plötzlichen Herztod bedroht sind.


In der Herz-Magnetresonanztomographie (Herz-MRT) können sie das Ausmaß der Herzmuskelschädigung nach einem Infarkt erfassen und davon das Risiko für lebensgefährliche Komplikationen ableiten. Die Ergebnisse wurden jetzt im Journal of the American College of Cardiology* veröffentlicht.

Nach einem Herzinfarkt entwickeln sich häufig dauerhafte Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche oder Herzversagen. In der Medizin spricht man dann von einem chronischen Herzinfarkt. Die Funktion eines chronisch kranken Herzmuskels ist häufig stark eingeschränkt, und damit steigt das Risiko gefährlicher Rhythmusstörungen, die zum plötzlichen Herztod führen können. Um dies zu verhindern, erhalten die Patienten in der Regel einen implantierbaren Kardioverter/Defibrillator (ICD). Dieses Gerät, das wie ein Herzschrittmacher eingesetzt wird, registriert bedrohliche Herzrhythmusstörungen und gibt im richtigen Moment einen Stromschock ab. Dadurch werden die elektrischen Vorgänge am Herzen neu geordnet und der Herzschlag wieder in den richtigen Rhythmus gebracht. Weil sich aber schlecht vorhersagen lässt, wer nach einem Infarkt wirklich lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen entwickeln wird, erhalten weitaus mehr Personen vorbeugend einen ICD als nötig. Das bringt zwangsläufig Komplikationen mit sich und verursacht hohe Kosten für das Gesundheitssystem.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es deshalb, eine Methode zur besseren Einschätzung des individuellen Risikos für lebensbedrohliche Rhythmusstörungen zu identifizieren. Dafür untersuchten Prof. Jeanette Schulz-Menger aus dem Experimental and Clinical Research Center (ECRC) der Charité und dem HELIOS-Krankenhaus Berlin Buch und ihr Forschungsteam 52 Herzinfarktpatienten und -patientinnen im Herz-MRT. Mithilfe von Kontrastmittel konnten sie feststellen, wie viel Herzmuskelmasse von der Narbe eines Infarkts betroffen und in seiner Funktion eingeschränkt war. Nach Implantation des ICD zeigte sich, dass das Auftreten bedrohlicher Rhythmusstörungen eng mit der Ausdehnung der Infarktnarbe im Herzmuskel zusammenhing. Die beste Risikoeinschätzung ließ sich anhand der Tiefe des Narbengewebes im Muskel der Herzwand, der Transmuralität, treffen.

„Damit haben wir einen Parameter gefunden, der die Chance bietet, in Zukunft das Risiko für den plötzlichen Herztod vorherzusagen“, erklärt Prof. Schulz-Menger. „So können wir hoffentlich jedem Patienten die für ihn adäquate Therapie zukommen lassen, und außerdem unnötige Komplikationen und Kosten vermeiden“, sagt Dr. Philipp Boyé, Erstautor der Veröffentlichung.

*Boyé et al.: Prediction of Life-Threatening Arrhythmic Events in Patients With Chronic Myocardial Infarction by Contrast-Enhanced CMR. J Am Coll Cardiol Img 2011;4:871–9. DOI:10.1016/j.jcmg.2011.04.014

Kontakt:
Prof. Jeannette Schulz-Menger
Experimental and Clinical Research Center (ECRC) – Kardiologie
Campus Berlin Buch
t: +49 30 450 553749
jeanette.schulz-menger[at]charite.de

Stefanie Winde | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.charite.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bitterrezeptoren für Stevia-Süßstoffe entdeckt
24.05.2012 | Technische Universität München

nachricht Wie vorbeugen bei erblichem Krebs?
23.05.2012 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit


Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.

Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.

„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...

Im Focus: Widerspenstiges Quasiteilchen erzeugt


Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.

Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Energieversorger vor dem Umbruch

24.05.2012 | Studien Analysen

Stem-cell-growing surface enables bone repair

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft und Öffentlichkeit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp