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Mit dem Gemeinschaftsprojekt „Grundlegende Untersuchungen zur Wirkung von Plasma auf kutane Lipidsysteme“ wollen Wissenschaftler der Region Südniedersachsen die Wirkung von physikalischem Plasma auf Hautkrankheiten erforschen. Das Vorhaben basiert auf Forschungsergebnissen der HAWK-Arbeitsgruppe für Laser- und Plasma-Technik und wird mit knapp 400.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Projektpartner sind die HAWK, die Hautklinik der Universitätsmedizin Göttingen und die TU Clausthal.
Unsere Haut ist ein Schutzpanzer gegen die zahlreichen Umwelteinflüsse, denen wir täglich ausgesetzt sind. Die äußere Hautbarriere, der wir den Schutz verdanken, besteht aus Lipiden. Liegt eine Störung der Lipid-Bildung vor, kann der „Panzer“ geschädigt werden. Krankheiten wie trockene Haut oder Neurodermitis können auftreten. Brennen, Jucken, Entzündungen und offene Wunden sind Folgen für die Patienten, die oft auf Medikamente mit starken Nebenwirkungen angewiesen sind. An dieser Stelle greift die Plasma-Medizin. Gemeint ist hier nicht das eher bekannte Blutplasma, sondern physikalisches Plasma, ein ionisiertes Gas. Plasma entsteht, wenn einem Gasgemisch (elektrische) Energie zugeführt wird. Es wird auch als vierter Aggregatzustand bezeichnet und kommt in der Natur beispielsweise in Gewitterblitzen vor.
Plasma wird industriell zur Oberflächenmodifizierung genutzt. So kann es dafür sorgen, dass Plastiktüten bedruckbar werden. Andere Verwendungsmöglichkeiten haben sich erst in den vergangenen Jahren herausgebildet. Dank neuer Erkenntnisse, die auf Forschungsergebnissen der HAWK-Arbeitsgruppe für Laser- und Plasma-Technik beruhen, kann Plasma auch zur Behandlung von Hautkrankheiten eingesetzt werden.
Plasma kann mit geringer elektrischer Energie erzeugt werden, hinterlässt keinen Abfall und wirkt positiv auf Oberflächen wie Holz, Metall, Glas – und eben menschliche Haut. Industrieplasma ist durch die Zufuhr von Energie genauso heiß wie Wasserdampf kurz nach dem Übergang in den Aggregatzustand Gas. Dank neuer Technologien kann Plasma nun auch mit einer kalten Temperatur von circa 40 Grad Celsius mit geringem Stromfluss erzeugt werden, so dass Behandelte weder unter der Temperatur noch unter einem elektrischen Schlag leiden. Der Patient/die Patientin fühlt nicht einmal, dass das Plasma die Haut berührt.
Zahlreiche Versuche belegen die Wirksamkeit von Plasma. Das eigens gegründete Forum Plasma-Medizin (FPM) zur Erforschung des klinischen Einsatzes kalter Plasmen der Universitätsmedizin Göttingen beschäftigt sich ebenso wie die Abteilung Plasma-Medizin der HAWK-Forschungsgruppe mit der neuen Technik. Die Forscher und Forscherinnen haben herausgefunden, dass es Schmerz und Juckreiz lindert, die Wundheilung anregt und beschleunigt und selbst multiresistenten Keimen gefährlich wird.
Bislang wurden äußere Reaktionen untersucht und Gefahrlosigkeit ebenso wie Verträglichkeit sichergestellt. Nun rücken die physikalischen, chemischen und medizinischen Vorgänge in den Forschungsfokus. Im Förderprojekt der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) stellen die HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/ Holzminden/Göttingen, die Universitätsmedizin Göttingen und die Technische Universität Clausthal mit dem Zentrum für Materialforschung Fachwissen und Experten zur Verfügung.
Gemeinsam wollen Prof. Dr. med. Steffen Emmert (Hautklinik der Universitätsmedizin Göttingen), der lehrende und forschende Prof. Dr. Wolfgang Maus-Friedrichs (Technische Universität Clausthal) und der lehrende und forschende Prof. Dr. Wolfgang Viöl von der Göttinger Fakultät Naturwissenschaften und Technik und Vizepräsident für Forschung und Transfer der HAWK, herausfinden, wie genau Plasma auf den Lipid-Film der Haut wirkt, welche chemischen Prozesse ablaufen und welche Faktoren ausschlaggebend sind.
Verglichen werden gesunde und kranke, menschliche und nicht-menschliche Zellen im Rahmen der Plasma-Behandlung. Erste Prototypen für die medizinische Plasma-Behandlung gibt es bereits. In der Kosmetik (Nagelpflege) werden schon Plasma-Produkte vertrieben. Wenn nun auch das theoretische Fundament für die Wirkungsweisen der neuen Technologien bekannt wird, kann in näherer Zukunft mit einer unschädlichen, schmerzfreien Behandlungsmethode gerechnet werden.
Sabine zu Klampen | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.hawk-hhg.de/
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