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Wo nimmt der Verbraucher in Europa am meisten unerwünschte Stoffe über Lebensmittel auf?

13.11.2012
BfR beteiligt sich an europäischem Forschungsprojekt für eine harmonisierte Expositionsschätzung

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Wie viel Dioxin, Blei oder Acrylamid nehmen wir durchschnittlich über Lebensmittel auf? Nehmen Verbraucher in Portugal oder Island gleiche Mengen auf wie Verbraucher aus Deutschland? Ähneln sich die Gehalte von Stoffen in Lebensmitteln und sind damit die Risiken in Europa vergleichbar?


Antworten auf diese Fragen sind Grundlage für das Risikomanagement auf nationaler und europäischer Ebene. Das Problem: Bislang gibt es keine harmonisierten Standards für die Datenerhebung zu Gehalten potenziell risikobehafteter Stoffe in Lebensmitteln. Eine vergleichbare Risikobewertung ist deshalb bislang kaum möglich.

Dies soll sich jetzt ändern. Das interdisziplinäre europäische Forschungsprojekt „Nutzung von ’Total Diet’-Studien in der Expositionsschätzung“ hat zum Ziel, die gesundheitlichen Risiken von Rückständen und Kontaminanten in Lebensmitteln in Europa mit vergleichbaren Maßstäben zu bewerten. In dem Projekt entwickelt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zusammen mit weiteren 25 europäischen Partnern harmonisierte und standardisierte Verfahren zur Datengewinnung.

Das BfR beschäftigt sich mit den Fragen zu saisonalen und regionalen Unterschieden von Rückständen und Kontaminanten in Lebensmitteln sowie Trendanalysen. „Eine harmonisierte Erhebungsmethodik verbessert die Datenlage zum Vorkommen von Substanzen in Lebensmitteln deutlich und reduziert somit Unsicherheiten in der Bewertung von Risiken für die Bevölkerung“, so BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Eine „Total Diet“-Studie ist eine Methode, mit der Daten zum Vorkommen von Schwermetallen, Dioxinen, PCB, Prozesskontaminanten (z.B. Acrylamid) oder Zusatzstoffen in Lebensmitteln erhoben werden. Sie hat den Anspruch, zu allen wesentlichen Lebensmitteln, die Verbraucher verzehren, Daten über die Stoffgehalte sowie zur Aufnahmemenge dieser Substanzen über die jeweils verzehrten Lebensmittel abzuleiten. Eine Stärke von „Total Diet“-Studien ist es, dass die Lebensmittel nicht im unverarbeiteten Zustand analysiert werden, sondern in der Form, wie diese üblicherweise von Verbrauchern verzehrt werden. Dies ist insbesondere für Stoffe bedeutsam, die zusätzlich zum natürlichen Vorkommen während der industriellen Verarbeitung oder auch - wie beispielsweise Acrylamid - bei der Zubereitung im Privathaushalt beim Kochen oder Braten entstehen (sog. Prozesskontaminanten). Bislang stehen nur in wenigen europäischen Ländern Daten aus „Total Diet“-Studien zur Verfügung, zudem wurden Daten aus „Total Diet“-Studien verwendet, die mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen gewonnen wurden. Dadurch sind vergleichende Risikobewertungen schwierig.

Das interdisziplinäre europäische Forschungsprojekt „Nutzung von ’Total Diet’-Studien in der Expositionsschätzung“ etabliert derzeit harmonisierte und standardisierte Verfahren zur Datengewinnung. Die Methodik wird für die Zwecke einer vergleichbaren Risikobewertung weiterentwickelt. Es wird festgelegt, welche europaweit vergleichbaren Daten zukünftig erhoben werden, die dann für das Management von Risiken einer Vielzahl von Stoffen abrufbar sind. Dies betrifft insbesondere die Auswahl der Lebensmittel und der zu untersuchenden Stoffe, der Probenahme und Probenaufbereitung, Analytik und Auswertung der Daten.

Im Rahmen des Projekts beschäftigt sich das BfR mit methodischen Fragen rund um die Variabilität der erhobenen Daten. Diese kann sich zum einen aus variierenden Belastungen der Lebensmittel und zum anderen aus unterschiedlichem Verzehrsverhalten von Verbrauchern ergeben. Zudem wird die Aussagekraft von „Total Diet“-Studien untersucht, bei wiederholter Durchführung, Aussagen über das Trendverhalten zu treffen. So könnten neben aktuellen Daten auch wichtige Informationen über Veränderungen des Vorkommens und des Gehalts an potenziell gesundheitsschädlichen Substanzen in Lebensmitteln über einen längeren Zeitraum gewonnen werden. Solche Daten helfen, den Erfolg von eingeleiteten Managementmaßnahmen zur Risikominderung zu beurteilen und aufkommende Risiken frühzeitig zu erkennen.

Zum Forschungsprojekt gehören auch fünf Pilotstudien, in denen die im Projekt entwickelte Methodik für ausgewählte Substanzen angewendet wird. Das BfR ist für die Pilotstudie in Deutschland verantwortlich. Die Pilotstudie läuft seit 2012 und wird bis Ende 2015 ausgewertet sein. In dieser Studie werden für ausgewählte Elemente (z.B. Kupfer, Mangan, Blei) in einer reduzierten Lebensmittelliste (ca. 150 Lebensmittel mit eingeschränkter regionaler und saisonaler Mischung) die harmonisierten Methoden etabliert und beispielhaft angewendet. Weitere Pilotstudien sind in Tschechien, Finnland, Island und Portugal geplant. Die Ergebnisse der Pilotstudien fließen jetzt in die Risikobewertungen der Länder ein und liefern so wichtige Erkenntnisse über die Anwendbarkeit der Methodik und Herausforderungen bei der Harmonisierung.

Das Projekt wird mit ca. 6 Millionen Euro von der Europäischen Kommission gefördert und läuft über vier Jahre (Februar 2012 bisJanuar 2016). Die Gesamtkoordination hat ANSES (Agence nationale de sécurité sanitaire de l´alimentation, de l´environnement et du travail), die französische Schwesterbehörde des BfR. Neben dem BfR und der ANSES sind weitere 24 europäische Partner beteiligt.

Weitere Informationen zum Projekt erhalten Sie unter Website auf BfR-Homepage
http://www.bfr.bund.de/de/tds_exposure__nutzung_von_total_diet_studien_in_der_
expositionsschaetzung-132086.html
und über die Webseite des Projektes http://www.tds-exposure.eu/

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Dr. Suzan Fiack | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.tds-exposure.eu/
www.bfr.bund.de

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