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Neue Krebsmedikamente für die Behandlung metastasierender Tumore

10.12.2012
Uni Stuttgart und Oncomatrix starten Forschungskooperation

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Struktur eines Immunotoxins. Die grünen Bereiche zeigen das toxische Prinzip, die blauen und roten den Antikörper.

Universität Stuttgart

Das spanische Biopharmazeutik-Unternehmen Oncomatrix und die Universität Stuttgart haben einen Forschungskooperationsvertrag abgeschlossen, um neue Immuntherapeutika mit spezifischer, tumorgerichteter Aktivität zu entwickeln, die minimale Nebenwirkungen auf gesundes Gewebe aufweisen sollen.

Die im Baskenland ansässige Firma entwickelt Konzepte und neue Medikamente für die Therapie metastasierender Tumoren, mit Schwerpunkt auf Brust-, Blasen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. An der Universität Stuttgart wird die Forschungskooperation vom Institut für Zellbiologie und Immunologie der Universität Stuttgart mit seinen Abteilungen Biomedical Engineering (Prof. Roland Kontermann) und Zellbiologie (Prof. Klaus Pfizenmaier) durchgeführt.

Die Zusammenarbeit beinhaltet die gentechnische Entwicklung von hoch wirksamen Immuntherapeutika, die spezifisch die umgebenden Gewebezellen von bösartigen Krebszellen ansteuern und dort ihre zytotoxische Wirkung entfalten. Diese nicht-tumorösen Gewebezellen bilden das so genannte Tumorstroma. Sie fördern durch Botenstoffe oder Oberflächenmoleküle das Tumorwachstum und die Bildung von Tochtergeschwülsten. Das Tumorstroma entwickelt sich parallel mit den eigentlichen Krebszellen und kann, je nach Tumor und Stadium der Erkrankung, bis zu 90 Prozent der Tumormasse eines Karzinoms ausmachen. Mit den zu entwickelnden Immuntherapeutika soll somit indirekt das Tumorwachstum gehemmt und insbesondere die Metastasierung von Tumorzellen verhindert werden.

Der Ansatz besteht darin, einen spezifischen Antikörper mit einem toxischen Molekül fest zu verknüpfen – ein sogenanntes Immunkonjugat. Im ersten Schritt werden die Kooperationspartner geeignete Obeflächenmoleküle der nicht-tumorösen Bindegewebs- oder Tumorgefäßzellen auswählen, die nur von diesen, aber nicht von Gewebezellen außerhalb des Tumorstromas gebildet werden. Die zweite Herausforderung besteht darin, einen humanen oder humanisierten Antikörper zu produzieren, der diese Zielstrukturen auf den Zellen des Tumorstromas spezifisch erkennt und die Aufnahme des Immunkonjugats in die Zielzelle bewirkt, wo dieses seine hochzytotoxische Wirkung entfalten kann.

Oncomatrix geht mit dem Stroma-spezifischen Immuntoxin-Konzept einen neuen Weg in der Krebstherapie mit dem letztendlichen Ziel, eine neue Generation zielgerichteter Therapeutika zu entwickeln, die für eine Vielzahl solider Tumore Anwendung finden kann, aber besonders bei stark metastasierenden Krebsarten vorteilhaft gegenüber Standardtherapien sein könnte.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Klaus Pfizenmaier, Universität Stuttgart, Institut für Zellbiologie und Immunologie,
Tel 0711/68566986, E-Mail: klaus.pfizenmaier (at) izi.uni-stuttgart.de

Über Oncomatrix
Oncomatrix, lokalisiert im Biskaia Technologiepark in Derio, Spanien, entwickelt neue Biopharmazeutika für die Behandlung invasiver Formen des Brust-, Pankreas- und Blasenkarzinoms. Der Schwerpunkt liegt auf dem Gebiet des Tumorstroma-Targetings und zytotoxischer Effektor-moleküle, auf dem Oncomatrix wissenschaftliche Erkenntnisse und Schutzrechte erworben hat.
Oncomatrix hat für die Entwicklung dieser neuen Protein-Therapeutika strategische und operative Allianzen mit international ausgewiesenen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Kliniken in USA und Europa geschlossen, unter anderem mit National Jewish Health, Case Western Reserve University, Hospital Universitario Marqués de Valdecilla, Hospital Central de Asturias und der Universität Stuttgart. www.oncomatrix.es

Über die Universität Stuttgart
Die Universität Stuttgart pflegt ein interdisziplinäres Profil mit Schwerpunkten in den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Gegründet 1829, hat sich die frühere Technische Hochschule zu einer weltweit nachgefragten Ausbildungs- und Forschungsstätte mit heute 24.600 Studierenden und 5.000 Mitarbeitern entwickelt. Ihre herausragende Stellung spiegelt sich unter anderem in dem Exzellenzcluster „Simulation Technology“ (SimTech) und der Graduiertenschule „Advanced Manufacturing Engineering“ (GSaME) sowie in zahlreichen Sonderforschungsbereichen, Schwerpunktprojekten und Graduiertenkollegs. Die Forschungsaktivitäten konzentrieren sich auf die Bereiche Modellierung und Simulationstechnologien, Neue Materialien, Komplexe Systeme und Kommunikation, Technologiekonzepte und Technologiebewertung, Nachhaltige Energieversorgung und Umwelt, Mobilität, Integrierte Produkt- und Produktionsgestaltung, die Gestaltung und Technologie nachhaltiger Lebensräume sowie im Bereich der Lebenswissenschaften auf die Biotechnologie und Systembiologie.

Über das IZI
Das Institut für Zellbiologie und Immunologie (IZI, Direktor: Prof. K. Pfizenmaier) der Universität Stuttgart hat mit seinen vier Abteilungen für Zellbiologie, Molekulare Immunologie, Biomedical Engineering und Molekulare Tumorzellbiologie seinen Forschungsschwerpunkt im Bereich der Grundlagenforschung auf Gebieten der Signaltransduktion und der molekularen Mechanismen von Zell- und Gewebshomöostase sowie deren pathogenetischer Veränderungen bei Krebs- und immunologischen Erkrankungen. Angewandte Forschung wird vor allem im Bereich der pharmazeutischen Biotechnologie durchgeführt. Die Abteilung Biomedical Engineering von Prof. Kontermann besitzt große Expertise im Antikörper Engineering mit einem Fokus auf der Entwicklung Antikörper-basierter zielgerichteter Therapeutika („targeted therapy). Gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe von Prof. Pfizenmaier werden neue proapoptotische und immunmodulierende Fusionsproteine auf Basis von Liganden der TNF Zytokinfamilie entwickelt. In Zusammenarbeit mit Unternehmen der pharmazeutischen Industrie steht bereits ein von Institut entwickeltes Therapeutikum vor der klinischen Prüfung. Die erfolgreichen Forschungsarbeiten des Instituts auf diesen Gebieten sind durch zahlreiche Publikationen in internationalen Fachzeitschriften, durch Patente und Patentanmeldungen dokumentiert.

Andrea Mayer-Grenu | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-stuttgart.de

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