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Dass die angstlösende Substanz Neuropeptid S (NPS) über die Nasenschleimhaut aufgenommen und im Gehirn wirken kann, haben Max-Planck-Forscher jetzt in Mäusen zeigen können. Neuropeptid S gelangt auf diesem Weg – nachdem es an seinen Rezeptor gebunden hat – in bestimmte Nervenzellen des Gehirns. Die getesteten Mäuse zeigen bereits vier Stunden später weniger Angst.
Im Hippocampus, einer wichtigen Gehirnstruktur für Lernen und Gedächtnis, ist eine veränderte Nervenzellaktivität direkt messbar. Diese Ergebnisse machen intranasal verabreichtes Neuropeptid S zu einem vielversprechenden potentiellen neuen Medikament für Angstpatienten.
Medikamente, die im Gehirn wirken sollen, müssen viele Hürden überwinden, denn dieses Organ ist besonders schwer für Arzneien zugänglich. Schluckt ein Patient beispielsweise eine Pille muss der Wirkstoff zunächst den Verdauungstrakt, die Leber und die Blut-Hirnschranke überwinden. Dadurch treten häufig unerwünschte Nebenwirkungen auf. Zusätzlich geht viel an notwendiger Wirksubstanz verloren oder die Substanz wird verändert oder ganz zerstört.
Das erst kürzlich entdeckte, angstlösende Neuropeptid S (NPS) könnte auf diesem Weg das Gehirn nicht erreichen. Eine Therapie mit dieser Substanz wäre nur über eine Injektion ins Gehirn denkbar, die für Patienten unzumutbar wäre. Daher untersuchte die Arbeitsgruppe von Ulrike Schmidt vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie mithilfe von Mäusen, ob NPS über die Nasenschleimhaut ins Gehirn aufgenommen und dort auch erfolgreich wirken kann.
In einer Reihe eleganter Experimente konnten die Wissenschaftler den Weg von intranasal verabreichtem NPS bis in spezielle Nervenzellen verschiedener Hirnregionen sichtbar machen. Bei dieser nicht-invasiven Verabreichungsmethode erfolgt eine gezielte und hochspezifische Aufnahme der Substanz in die Gehirnzellen durch Bindung an den NPS-Rezeptor. Bereits 30 Minuten nach der Aufnahme über die Nasenschleimhaut erreichten geringe Mengen von NPS das Gehirn der Mäuse. Vier Stunden darauf entfaltete sich die anxiolytische Wirkung: Die Mäuse zeigten sich tatsächlich weniger ängstlich. Damit konnte für Neuropeptid S eine intranasale Verabreichung mit anxiolytischer Wirkung nachgewiesen werden. Der genaue molekulare Wirkmechanismus von NPS ist noch unklar, aber offensichtlich nimmt es Einfluss auf Signalübertragungswege zwischen Nervenzellen des Hippocampus, wie elektrophysiologische Untersuchungen dokumentieren. Die Forscher vermuten, dass NPS dämpfend auf bestimmte Signale des Emotionszentrums im Gehirn wirkt und dadurch weniger Angst empfunden wird.
„Unsere Ergebnisse öffnen die Tür zur Entwicklung zukünftiger Medikamente für Patienten mit krankhafter Angst auf der Basis von Neuropeptid S“, sagt Psychiaterin Ulrike Schmidt. „Die einfache Anwendung und schnelle und direkte Wirkung durch ein anxiolytisch wirkendes Nasenspray könnte für viele Patienten mit Angststörungen wie Panikattacken und Posttraumatischer Belastungsstörung ein Segen sein“.
Ansprechpartner
Dr. Barbara Meyer
Public Relations
Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München
Telefon: +49 89 30622-616
Fax: +49 89 30622-348
E-Mail: bmeyer@mpipsykl.mpg.de
Publikationsreferenz
Irina A Ionescu, Julien Dine, Yi-Chun Yen, Dominik R Buell, Leonie Herrmann, Florian Holsboer, Matthias Eder, Rainer Landgraf and Ulrike Schmidt
Intranasally Administered Neuropeptide S (NPS) Exerts Anxiolytic Effects Following Internalization Into NPS Receptor-Expressing Neurons
Neuropsychopharmacology (2012), 1–15.
Dr. Barbara Meyer | Quelle: Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
www.mpg.de/5005298/Nasenspray_gegen_Panikattacken
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