Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Medikamentierung per Gasbläschen und Ultraschall

05.05.2009
Winzige Glasbläschen, die wie "Miniatur-Bomber" gegen Erkrankungen eingesetzt werden, stehen im Mittelpunkt eines Forschungsprojektes an der Universität Münster. Mit dem Vorhaben sollen neue Therapieverfahren bei Krebs und Herz-/Kreislauferkrankungen entwickelt werden.

Anzeige

Es ist Teil eines multinationalen Forschungsverbundes, bei dem es um neuartige Trägersubstanzen für Medikamente und gensteuernde Materialen geht. Mit insgesamt rund 15 Millionen Euro fördert die Europäische Union die beteiligten Einrichtungen, davon wird bis 2013 über eine Million an die Forschergruppe "Gene and drug delivery" um den münsterschen Medizinprofessor Klaus Tiemann fließen.


"Mit Hilfe des EU-Programms sollen Trägersubstanzen gefunden werden, mit denen sich Medikamente oder gentherapeutische Nanopartikel zielgenau zum Einsatzort bringen und dort in hoher Konzentration freisetzen lassen", erläutert Prof. Tiemann. Auf diese Weise könnten beispielsweise Krebsmedikamente genau in einem Tumor - und nur dort - ihre Wirkung entfalten, so der Hochschulmediziner. Bei seinen Forschungen arbeitet der Verbund zweigleisig: ein Teil der Teams befasst sich mit der temperaturgesteuerten Freisetzung, ein anderer mit der druckkontrollierten durch Ultraschallwellen. Die Wissenschaftler der Universität Münster verfolgen den zweiten Ansatz.

Interessant bei dieser Methode ist laut Tiemann vor allem die Möglichkeit, mit hoch auflösendem Kontrast-Ultraschall den krankhaften Gewebeanteil, also zum Beispiel die Tochtergeschwulst eines Tumors oder durch einen Herzinfarkt geschädigtes Gewebe, exakt dreidimensional darzustellen und anschließend mit demselben Gerät die Therapie durchzuführen. Auch für Folge- und Kontrolluntersuchungen könne die gleiche Bildgebungstechnik eingesetzt werden. "Damit sind wir erstmals in der Lage, gezielt krankhaftes Gewebe darzustellen und in der gleichen Sitzung ohne Anwendung strahlenbelastender Verfahren zu therapieren", so der Kardiologe.

Grundlage der neuen Technologie, die nun mit der EU-Förderung vorangetrieben werden soll, bilden so genannte "Microbubbles". Das sind mikroskopisch kleine Gasbläschen, die mit Medikamenten oder therapeutisch wirksamen Nanopartikeln gefüllt werden können. Mit besonderen Ultraschallverfahren lassen sich die Bläschen selbst in kleinsten Blutgefäßen identifizieren und verfolgen. Ebenfalls mit Ultraschall können die Forscher die Microbubbles dann so in Schwingungen versetzen, dass diese ihren Inhalt an einer präzise wählbaren Stelle abgeben. Das von Fachleuten als "local drug delivery" bezeichnete Verfahren ermöglicht es den Ärzten, in einem Krankheitsherd eine deutlich höhere Medikamentenkonzentration zu erreichen, als dies bei Verabreichung zum Beispiel über eine Spritze machbar wäre.

Die Forschergruppe um Prof. Tiemann konnte zudem nachweisen, dass mit den Microbubbels außer Medikamenten auch gentechnisch wirksames Material verkapselt und vor Ort freigesetzt werden kann. Das erweitert die Einsatzmöglichkeiten der künstlich erzeugten Nanopartikel erheblich: Anstatt auch andere Organe in Mitleidenschaft zu ziehen - was derzeit häufig der Fall ist - entfalten die gesteuerten Konstrukte ihre schädigende Wirkung nur noch da, wo die auch gewollt ist. "Dieses Verfahren wird der Gentherapie neue Impulse geben", ist sich Tiemann daher sicher. Mögliche Einsatzgebiete sieht er neben der Tumortherapie auch bei Herz-/Kreislauferkrankungen. So konnte seine Arbeitsgruppe bereits zeigen, dass nach einem Herzinfarkt mit Hilfe der Ultraschalltherapie neue Blutgefäße in das erkrankte Gewebe einwachsen können.

Tiemanns Forscherteam kooperiert bei seinem Projekt eng mit Kollegen in Helsinki, London, Bordeaux, Paris, Tours, Gent, Eindhoven und Zypern. Der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Münster, Prof. Wilhelm Schmitz, freut sich nicht nur über die daraus resultierenden internationalen Kontakte: "Der neue Forschungsansatz passt hervorragend zu dem Nanomedizin-Schwerpunkt, den wir in den letzten Jahren in Münster aufgebaut haben und den wir künftig noch intensivieren wollen", so der Pharmakologe.

Norbert Frie | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: medc.klinikum.uni-muenster.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bitterrezeptoren für Stevia-Süßstoffe entdeckt
24.05.2012 | Technische Universität München

nachricht Wie vorbeugen bei erblichem Krebs?
23.05.2012 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit


Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.

Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.

„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...

Im Focus: Widerspenstiges Quasiteilchen erzeugt


Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.

Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Energieversorger vor dem Umbruch

24.05.2012 | Studien Analysen

Stem-cell-growing surface enables bone repair

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft und Öffentlichkeit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp