Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Kupferfänger wirken zuverlässiger

22.08.2011
Heidelberger Mediziner veröffentlichen weltweit größte Vergleichstudie zu Therapiekonzepten bei angeborener Kupferspeicherkrankheit

Anzeige

Einfangen und Ausspülen oder gar nicht erst in den Körper gelangen lassen – das sind die beiden gängigen Therapiekonzepte, um bei der angeborenen Kupferspeicherkrankheit die lebensgefährlichen Kupfereinlagerungen im Körper abzubauen.


Mediziner des Universitätsklinikums Heidelberg haben nun gemeinsam mit Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Wien erstmals in einer umfassenden Studie gezeigt, dass Medikamente, die überschüssiges Kupfer binden, zuverlässiger wirken als Stoffe, die die Kupferaufnahme hemmen.

Dazu trugen sie das bisher größte Forschungsregister mit Patientendaten aus Deutschland und Österreich zusammen. Die Ergebnisse wurden im April 2011 in der Fachzeitschrift „Gastroenterology“ veröffentlicht.

Der Morbus Wilson ist eine sehr seltene, angeborene Störung des Kupferstoffwechsels. Aktuell leben rund 800 Menschen in Deutschland mit dieser Diagnose. Ihr Körper kann überschüssiges Kupfer – das als wichtiges Spurenelement aus der Nahrung aufgenommen wird – nicht ausscheiden. Das Metall lagert sich in Leber, Augen, Nerven und anderen Organen ab und schädigt diese. Es kommt zu Leberzirrhose bis hin zum Leberversagen, Gang- und Schluckstörungen, Zittern oder Lähmungen. Erste Symptome treten häufig schon im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter, zum Teil erst in einem Alter von 60 Jahren oder später auf. Betroffene müssen lebenslang Medikamente einnehmen. Bei schwerem Verlauf kann den Patienten nur eine Lebertransplantation das Leben retten.

In der aktuellen Studie prüften die Wissenschaftler um Professor Dr. Wolfgang Stremmel, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Gastroenterologie, Infektionskrankheiten und Vergiftungen der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, anhand der Daten von 288 Patienten, welche Wirkstoffklasse weitere Kupfereinlagerungen und damit das Fortschreiten der Erkrankung zuverlässiger verhindert. Sogenannte Kupferfänger (Chelatbildner) binden das überschüssige Kupfer und werden über die Nieren ausgeschieden. Zinksalze dagegen hemmen im Darm die Aufnahme von neuem Kupfer. Bisher galten beide Therapiekonzepte als gleichwertig mit jeweils unterschiedlichen Nebenwirkungen.

Neue Marker zeigen schon früh Therapieversagen an

„In unsere Analyse schnitten die Kupferfänger signifikant besser ab“, sagt Studienleiter Dr. Karl Heinz Weiss, Abteilung für Gastroenterologie, Infektionskrankheiten und Vergiftungen. Bei Patienten, die Zinksalze einnahmen, verschlechterte sich die Leberfunktion häufiger als bei Patienten, die eine Therapie mit Kupferfängern erhalten hatten. Im Langzeitverlauf reichte die Therapie mit Zinksalzen bei rund einem Drittel der Patienten nicht aus; die Therapie mit Chelatbildnern schlug dagegen nur bei einigen wenigen Patienten nicht an.

Die Wissenschaftler entdeckten zudem bei den Patienten, deren Leberfunktion sich trotz Zinktherapie verschlechterte, charakteristische Veränderungen bestimmter Leberwerte und der Kupfermenge im Urin. Die Werte stiegen bereits an, bevor weitere Leberzellen abstarben. „Damit haben wir erstmals Marker beschrieben, die schon früh Hinweise darauf geben, dass die Therapie nicht anschlägt“, erklärt Weiss. „So können wir in Zukunft schneller reagieren.“ Eine Folgestudie mit Patientendaten aus weiteren europäischen Zentren läuft seit 2010. Ziel ist es, Wirksam- und Verträglichkeit verschiedener Kupferfänger zu vergleichen und so die optimale Therapie zu ermitteln.

Größte Spezialambulanz für Morbus Wilson in Europa

Morbus Wilson ist seit mehr als 30 Jahren ein Schwerpunkt in der Abteilung für Gastroenterologie, Infektionskrankheiten und Vergiftungen. Eine Spezialambulanz – die größte in Europa – gibt es seit 1994 am Universitätsklinikum. Hier betreut ein erfahrenes Ärzteteam rund 200 Patienten aus ganz Deutschland. Neben sämtlichen gängigen Methoden der Diagnostik und Therapie wird auch eine genetische Untersuchung und Beratung angeboten – sowohl den Patienten als auch ihren Angehörigen. So können noch beschwerdefreie Betroffene frühzeitig entdeckt und behandelt werden. Die Ärzte der Spezialambulanz arbeiten eng mit dem Selbsthilfeverein „Morbus Wilson e.V.“ zusammen.

Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Morbus-Wilson-Sprechstunde.100153.0.html
http://www.morbus-wilson.de (Selbsthilfegruppe)

Kontakt für Journalisten:
Dr. Karl Heinz Weiss
Abteilung für Gastroenterologie, Hepatologie und Stoffwechselerkrankungen
Morbus Wilson Sprechstunde
Tel.: 06221 / 56 8702
E-Mail: Karl-Heinz.Weiss@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bitterrezeptoren für Stevia-Süßstoffe entdeckt
24.05.2012 | Technische Universität München

nachricht Wie vorbeugen bei erblichem Krebs?
23.05.2012 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit


Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.

Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.

„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...

Im Focus: Widerspenstiges Quasiteilchen erzeugt


Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.

Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Energieversorger vor dem Umbruch

24.05.2012 | Studien Analysen

Stem-cell-growing surface enables bone repair

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft und Öffentlichkeit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp