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Am Universitätsklinikum Münster (UKM) werden jährlich bis zu 600 Patienten mit Herzinfarkt oder drohendem Herzinfarkt behandelt, der Fachbegriff lautet „Akutes Koronarsyndrom“.
Ein Therapieverfahren ist die möglichst rasche Wiedereröffnung der verschlossenen Herzkranzarterie durch den Einsatz von Kathetertechnik mittels Ballonaufdehnung und das Einbringen einer Gefäßstütze („Stentimplantation“).
Dieses Vorgehen wird nun seit wenigen Monaten am UKM durch eine neue Therapieform ergänzt: Blutgerinnsel, die ein Herzkranzgefäß verschließen, können jetzt mit speziellen, sehr kleinen Kathetern abgesaugt werden, bevor die kathetergestützte Ballonaufdehnung und die Stentimplantation in herkömmlicher Weise durchgeführt werden.
Der medizinische Fachbegriff für dieses Verfahren lautet „Thrombusaspiration“ oder auch „intrakoronare Thrombektomie“. Auf diesem Weg sind seit der Einführung der Thrombusaspiration in der Medizinischen Klinik und Poliklinik C (Kardiologie und Angiologie) bereits mehr als 30 Herzinfarkt-Patienten erfolgreich behandelt worden. Die Erfolge der Thrombusaspiration sind die verbesserte Durchblutung und eine verbesserte Überlebensrate der Patienten.
Für die Überlebensrate ist auf lange Sicht die optimale Einheilung des Stents in die Gefäßwand mit Bildung einer neuen, dünnen, das Stentmaterial überziehenden Wandschicht („Endothelialisierung“) von entscheidender Bedeutung. Optimal ist eine möglichst frühe, komplette Endothelialisierung durch körpereigene Stammzellen, die durch den Einsatz neuer Antikörper-beschichteter Stents verbessert wird. Vorteile hierbei sind die deutlich frühere Einheilung im Vergleich zu herkömmlichen Stents. Mit Einsatz neuer Antikörper-beschichteter Stents erweitert das UKM zusätzlich die Behandlungsmöglichkeiten für Herzinfarkt-Patienten. „Die Fortschritte, die in der Behandlung des Herzinfarktes in den letzten zwei Jahrzehnten gemacht wurden, sind enorm. Neue Behandlungsmethoden wie die Thrombusaspiration und der Einsatz neuer Stenttechnologien sind sehr viel versprechende Entwicklungen, die auch in Zukunft eine stetige Verbesserung der Behandlungsqualität ermöglichen werden“, erklärt Prof. Dr. Dr. h.c. Günter Breithardt, Direktor der Medizinischen Klinik C (Kardiologie und Angiologie) am UKM.
Der Herzinfarkt ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Risikofaktoren sind Rauchen, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und die Zuckerkrankheit. Verstärkt werden diese Risikofaktoren durch Übergewicht und Bewegungsmangel. Die Symptome des Herzinfarktes sind typischerweise schwere, länger als zehn Minuten anhaltende Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen können. Zu den Symptomen zählen auch starkes Engegefühl und heftiger Druck im Brustkorb, Angst, außerdem Luftnot, Übelkeit, Erbrechen und eventuell Bewusstlosigkeit. Besonders wichtig ist die sofortige Alarmierung des Notarztes ohne Zeit zu verlieren. „Die meisten Herzinfarktpatienten sterben leider immer noch vor Eintreffen in der Klinik, weil der Notarzt zu spät oder gar nicht gerufen wurde“, betont Priv.-Doz. Dr. Christian Vahlhaus, Oberarzt und Leiter des Herzkatheterlabors am UKM.
Ein entscheidender Fortschritt in der Versorgung der Herzinfarktpatienten in Münster wurde mit der Einrichtung des Herzinfarktnetzes vor vier Jahren in ganz Münster und mit der Etablierung des Infarkttelefons am UKM vor drei Jahren erreicht. Vahlhaus: „Durch die verbesserte Logistik mit frühzeitiger Erkennung und sofortiger Einleitung von Behandlungsmaßnahmen bereits durch den Notarzt wird wichtige Zeit genutzt und damit die Herzinfarktsterblichkeit in Münster effektiv gesenkt.“
Stefan Dreising | Quelle: Universitätsklinikum Münster (UK
Weitere Informationen: www.klinikum.uni-muenster.de
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