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EU: Schlechte Luft fordert jährlich 350.000 Todesopfer

08.05.2009
Straßenverkehr als maßgeblicher Faktor der Luftverschmutzung

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Die Luft in den Ballungsräumen Europas ist in den vergangenen Jahren zwar deutlich besser geworden, dennoch haben Hochrechnungen von Experten ergeben, dass die Luftverschmutzung jährlich immer noch 350.000 Todesopfer fordert.


Hauptverursacher ist und bleibt der Straßenverkehr. Europäische Experten treffen sich derzeit in Wien zur Planungssitzung des Städteprojekts APHEKOM (Improving Knowledge and Communication for Decision Making on Air Pollution and Health in Europe).

"Schmutzige Luft ist als stiller Killer gefährlicher als die Grippe", meint Sylvia Medina vom French Institute for Public Health Surveillance in St. Maurice. Das große Problem der Luftverschmutzung sei die Tatsache, dass die Menschen tagtäglich und ein Leben lang damit konfrontiert sind. Zudem fehle es in der Öffentlichkeit am Verständnis dieses Problems. "Es ist sehr schwierig die Risiken zu kommunizieren", meint Hanns Moshammer vom Institut für Umwelthygiene der Universität Wien im pressetext-Gespräch. Es gehe nicht darum, Panik zu erzeugen, sondern aufzuklären. "Schließlich ist Luftverschmutzung eine kombinierte Einwirkung auf Lebenszeit."

"Derzeit beruhen unsere meisten Abschätzungen der Schäden auf Messwerten zur Luftqualität aus den Routinemessnetzen. Diese erfassen allerdings nur einen Teil der gesundheitlich relevanten Schadstoffe und erlauben keine quellenspezifische Zuordnung der Belastung", erklärt Moshammer. Es sei sehr wichtig aufzuzeigen, dass politische Maßnahmen gewirkt und nicht nur die Luft verbessert haben, sondern auch zu einer Abnahme von Krankheiten und Todesfällen geführt haben. Ein Beispiel sei die Maßnahme eines Kohleverbrennungsverbots in Irland als quellenspezifische Bekämpfung. "Eines ist jedenfalls klar: Die Verbrennung gehört nicht vor die Nase der Menschen", meint Nino Künzli, Ordinarius für Sozial- und Präventivmedizin an der Universität Basel http://www.unibas.ch , gegenüber pressetext.

Je näher die Distanz zu Straßen, desto größer ist das Risiko krank zu werden, könne man als Faustregel aufstellen. "Nahe an der Quelle steigen die Konzentrationen an Feinstäuben rasch auf das fünf- bis zehnfache an", so Künzli. Besonders gefährlich sind auch die in den europäischen Städten existierenden Straßenschluchten. Einer Studie von Rob McConnell zufolge, nimmt das Asthmarisiko bei Kindern, die an der Autobahn wohnen, mit der Entfernung zur Schadstoffquelle ab. "Erst vor wenigen Tagen ging in Portland/Oregon die jährliche Konferenz des Health Effects Institute http://www.healtheffects.org zu Ende, bei der wieder neue Studien von Experten vorgestellt wurden", meint Künzli. Jeden Monat gebe es neue Studienergebnisse, die alle in die gleiche Richtung weisen. Dennoch bleibe vieles unklar, da etwa nicht bekannt ist, wie viele Menschen in Europa 20, 30, 50 oder 100 Meter von Straßen entfernt wohnen.

Das einzige Gesetz, das aufgrund solcher Studienergebnisse erlassen wurde, verbietet die Neuerrichtung von Schulen an Autobahnen in Kalifornien, so Künzli. "Studien werfen immer noch große Fragen auf", betont der Mediziner. "Es besteht tatsächlich weiterhin großer Forschungsbedarf", meint auch Moshammer. Luftreinhaltung berühre viele widerstreitende Interessen. Zur Umsetzung politischer Maßnahmen sei daher ein breiter politischer und gesellschaftlicher Konsens notwendig, der allerdings nur durch Partizipation betroffener Gruppen erreicht werden könne.

Eines sei allerdings klar, die Förderung der Dieselmotoren war politischer Nonsens, so Künzli. Es sei unbestritten, dass die Fein- und Feinststäube massive Gesundheitsschäden verursachen. "Man weiß, dass Ultrafeinstaub oxidative Wirkung hat und toxisch wirkt." Zu diesen Stäuben kommen zusätzlich noch andere Schadstoffe hinzu, die ein gefährliches Gemisch ergeben. Mit dem APHECOM-Projekt sollen fehlende Informationen zu Risikopotenzial und Wirkmechanismen der Schadstoffbelastung sowie Berechnungsansätze zum Nutzen von Reinhaltemaßnahmen ermittelt werden.

Wolfgang Weitlaner | Quelle: pressetext.austria
Weitere Informationen: www.invs.sante.fr
www.meduniwien.ac.at

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