Anzeige
Diesen Prozess konnten Forschende der Universitäten Marburg und Basel erstmals mithilfe bildgebender Verfahren nachweisen, wie sie in der Fachzeitschrift «Journal of Cognitive Neuroscience» berichten. Bei solchen Entscheidungen haben wir offenbar eine grosse Kontrolle über den Umfang der Gedächtnissuche.
Oft können wir bei Entscheidungen nicht alle zur Verfügung stehenden Informationen einbeziehen. Besonders wenn die Informationssuche aufwendig ist, wird angenommen, dass wir vereinfachende Strategien verwenden – sogenannte Heuristiken. Dabei werden verschiedene Informationen nacheinander betrachtet und eine Entscheidung aufgrund einer einzelnen davon getroffen, worauf die Suche abgebrochen wird. Dies bestätigen nun die Psychologen Dr. Patrick Khader von der Philipps-Universität Marburg und Dr. Thorsten Pachur von der Universität Basel in einem neuen Verfahren, mit dem sich Gedächtnisprozesse bei der Verwendung solcher Strategien mit bildgebenden Verfahren untersuchen lassen.
Bei den Tests mussten die Versuchspersonen entscheiden, welche von zwei Firmen in Zukunft erfolgreicher ist. Dafür hatten sie zunächst Informationen über die Objekte zu lernen. Die einzelnen Informationen – etwa Farben oder Positionen der Gegenstände – waren so ausgewählt, dass sich ihre Gedächtnisrepräsentationen mit grosser Wahrscheinlichkeit an bestimmten Orten im Gehirn lokalisieren lassen. Aufgrund der gelernten Information sollten die Probanden darauf Objekte mit einer einfachen Heuristik beurteilen, während die Aktivität der unterschiedlichen Hirnregionen mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) gemessen wurde.
Tatsächlich zeigte sich, dass bei den Beurteilungen die entsprechenden Hirnregionen zusätzlich aktiviert wurden, wenn die dort repräsentierte Information dafür relevant war – und umgekehrt weniger aktiviert, wenn die Suche vorher abgebrochen wurde. Dies deutet darauf hin, dass die Verwendung der Heuristik mit einer Verringerung des Abrufaufwands verbunden ist. Bei gedächtnisbasierten Entscheidungen können wir die Suche offensichtlich so kontrollieren, dass Repräsentationen im Gehirn vor allem dann aktiviert werden, wenn sie im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Damit widersprechen die Ergebnisse einer häufigen Annahme in Entscheidungs- und Gedächtnismodellen, wonach die Informationssuche im Gedächtnis zu einer automatischen und parallelen Aktivierung führt.
Originalbeitrag
Patrick H. Khader, Thorsten Pachur, Stefanie Meier, Siegfried Bien, Kerstin Jost, and Frank Rösler
Memory-based Decision-making with Heuristics: Evidence for a Controlled Activation of Memory Representations
«Journal of Cognitive Neuroscience», November 2011, Vol. 23, No. 11 | doi:10.1162/jocn_a_00059
Weitere Auskünfte
Dr. Thorsten Pachur, Universität Basel, Fakultät für Psychologie, Tel. +41 (0)61 267 06 14, E-Mail: thorsten.pachur@unibas.ch
Dr. Patrick H. Khader, Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Psychologie, Tel. Tel. +49 6421-2823838, E-Mail: khader@uni-marburg.de
Christoph Dieffenbacher | Quelle: Universität Basel
Weitere Informationen: www.unibas.ch
www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/abs/ng.1038.html
Weitere Berichte zu: Cognitive Neuroscience > Cognitive Science > Gedächtnis > Gedächtnisprozesse
Bitterrezeptoren für Stevia-Süßstoffe entdeckt
24.05.2012 | Technische Universität München
Wie vorbeugen bei erblichem Krebs?
23.05.2012 | Goethe-Universität Frankfurt am Main
Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.
Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.
„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...
Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.
Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.
Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...
Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.
Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.
Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...
Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen
Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...
Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.
Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.
Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...
Anzeige
Anzeige

Energieversorger vor dem Umbruch
24.05.2012 | Studien Analysen
Stem-cell-growing surface enables bone repair
24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie
Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit
24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie
NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Wissenschaft und Öffentlichkeit
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten