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Durchbruch bei der Behandlung von Gebärmutterhalskrebs

01.07.2009
Heilungsrate von 96% und keine Strahlentherapie nach neuer Operationstechnik / Veröffentlichung in "The Lancet Oncology"

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Die an der Universität Leipzig entwickelte neue Operationsmethode, die totale mesometriale Resektion (TMMR), ermöglicht eine sichere und schonende Behandlung des Gebärmutterhalskrebses, dem sog. Zervixkarzinom.


Grundlage dafür sind Erkenntnisse Leipziger Gynäkologen und Gynäkopathologen zur Ausbreitung des Tumors entsprechend seiner embryonalen Herkunft. Studien zeigen, dass die neue Behandlung nicht nur schonender ist, sondern auch keine nachfolgende Strahlentherapie mehr erfordert.

Dieses innovative Operationsverfahren wurde kürzlich im renommierten Wissensjournal "The Lancet Oncology" (Titel: "Resection of the embryologically defined uterovaginal (Müllerian) compartment and pelvic control in patients with cervical cancer: a prospective analysis"; Early Online Publication, 1.6.2009) veröffentlicht und mit einem Bericht in den BBC News gewürdigt.

Neuer Wissensstand

Die TMMR-Operation wurde entwickelt von Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. Michael Höckel, Direktor der Universitätsfrauenklinik (Triersches Institut) Leipzig und Spezialist in der Behandlung von Krebserkrankungen des Genitaltraktes der Frau. Die neue Operationsmethode basiert maßgeblich auf seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen bezüglich der Beckenanatomie der Frau sowie der Tumorausbreitung im menschlichen Gewebe innerhalb eines anatomischen Kompartiments. Das lokale Ausbreitungsgebiet des Tumors wird demnach aus der Embryonalentwicklung determiniert. Folglich breitet sich der Krebs nicht einfach ungerichtet räumlich aus, sondern wächst in den Gewebestrukturen, aus denen er embryonal hervor gegangen ist.

Obwohl es keine mechanische Trennwand gibt, wird die angrenzende Harnblase aus diesem Grund während der frühen Karzinomausbreitung nicht vom Gebärmutterhalskrebs befallen. Auf der anderen Seite kann ein anderes Gewebe vom Tumor infiltriert werden, obwohl es lokal weiter vom Tumorgeschehen entfernt ist, wenn es jedoch derselben embryonalen Struktur angehört. Diese Erkenntnisse wurden durch langfristige Studien ausreichend bewiesen. Prof. Höckel und sein Team entfernen den Gebärmutterhalskrebs nun konsequent in seinen anatomischen Kompartimenten. Es werden dadurch Gewebe anderen embryonalen Ursprungs wie Harnblase, Enddarm und angrenzende Nerven verschont.

Keine Strahlentherapie

Die TMMR-Operation ist aber nicht nur schonender, sondern wegen ihrer neuen Radikalität auch sicherer. Mit einer Heilungsrate von 96% (früher 80-85%) wird der bisherige Behandlungsstandard weit übertroffen. Bei der neuen Operationstechnik wird konsequent das gesamte kranke und potentiell befallene Gewebe entfernt, was eine Nachbehandlung durch Strahlentherapie überflüssig macht.

Die von Prof. Höckel inaugurierte Operationstechnik erweist sich über die Behandlung des Zervixkarzinoms hinaus auch als bahnbrechende Strategie für die Therapie anderer Genitalkarzinome.

Alter Standard verbessert

Jährlich erkranken in Deutschland nach Angaben des Krebsregisters ca. 6.200 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Die über 100 Jahre alte Operationstechnik nach Wertheim gilt bis heute als Goldstandard zur operativen Behandlung des Gebärmutterhalskrebses. Allerdings birgt diese Operationstechnik zwei Probleme: Weil der Tumor einerseits mit viel unnötigem Sicherheitsabstand entfernt wird, werden häufig Nerven verletzt, die die Blasen-, Enddarm- und Vaginalfunktionen regulieren; weil andererseits potentielles Tumorausbreitungsgewebe zurückgelassen wird, ist oft eine begleitende Strahlentherapie erforderlich, die zu erheblichen Nebenwirkungen führen kann. Dennoch kommt es häufiger zu Rückfällen.

Die totale mesometriale Resektion erweist sich in Hinblick auf ihre neue Radikalität als bahnbrechende Innovation der operativen Therapie. Anne Alexander

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dr. Michael Höckel
Telefon: +49 341 97-23400
E-Mail: hoeckelm@medizin.uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | Quelle: Universität Leipzig
Weitere Informationen: www.uni-leipzig.de/~ufk
www.uni-leipzig.de/presse

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