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Heilungschancen von Patienten mit Gehirntumoren verbessern
Die Heilungschancen von Patienten mit einem Glioblastom sind nach wie vor schlecht: Diese bösartige Krebserkrankung des Gehirns führt trotz Behandlung oft innerhalb eines Jahres zum Tod. Forscher an der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Tübingen untersuchen, warum Glioblastomzellen so widerstandsfähig sind. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Forschungsvorhaben mit rund 107.000 Euro.
Glioblastome sind die bösartigsten Tumoren des Gehirns. Trotz Operation und Strahlentherapie stirbt die Hälfte der Betroffenen innerhalb eines Jahres. Auch eine zusätzliche Chemotherapie verlängert das Leben der Patienten im Schnitt lediglich um zwei bis drei Monate. Der Grund hierfür ist die so genannte Chemo-Resistenz: Tumorzellen, die normalerweise durch Krebsmedikamente zugrunde gehen, sind biologisch so verändert, dass das Zelltodprogramm (Apoptose) ausgeschaltet ist. Die Geschwulst überlebt und wuchert weiter.
Über die Ursachen dieser Chemo-Resistenz wissen Forscher immer noch sehr wenig. Sie vermuten, dass ein "saures" Milieu, also ein niedriger pH-Wert (Azidose) im Gewebe, für die Widerstandsfähigkeit eines Gehirntumors verantwortlich ist. Aber auch ein Mangel an Sauerstoff (Hypoxie) im Tumorgewebe könnte eine Ursache sein.
Azidose und Hypoxie entstehen durch rasch wachsende Tumorzellen sowie eine chaotische und oft unzureichende Versorgung mit Blutgefäßen. Solche schlechten Lebensbedingungen erzeugen einen Selektionsdruck, der besonders aggressive Tumorzellen hervorbringt. Es wachsen Zellen heran, die weniger Sauerstoff brauchen und nicht mehr in den programmierten Zelltod getrieben werden. Hypoxie und Azidose verändern die Aktivität von Apoptose-Genen. Sauerstoffmangel und ein saures Milieu schwächen vermutlich außerdem auch direkt die Verteilung und Wirkung von Krebsmedikamenten.
Wissenschaftler der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Tübingen versuchen nun, den Nachweis für die Wirkung dieser beiden Faktoren auf die Chemo-Resistenz zu liefern. Unter der Leitung von Privatdozent Dr. Michael Weller entwickeln sie dafür Zellkulturmodelle, mit denen das saure Milieu und der Sauerstoffmangel in einem Tumor nachgeahmt werden können. "Wir müssen Bedingungen schaffen, die denen eines echten Tumors entsprechen", so Projektleiter Weller. Nur dann könne man den Ursachen der Chemo-Resistenz wirklich auf die Spur kommen.
"Ein besseres Verständnis der Lebensbedingungen von Glioblastomzellen kann uns helfen, die medikamentöse Behandlung dieser bösartigen Hirntumoren zu optimieren", so der Tübinger Forscher. Beispielsweise könne man dann Chemotherapeutika auswählen, die auch im sauren Milieu und bei Sauerstoffmangel wirken. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit dem Ziel, die Heilungschancen von Patienten mit einem Hirntumor maßgeblich zu verbessern.
Im Rahmen ihrer Reihe "Die blauen Ratgeber" hat die Deutsche Krebshilfe zum Thema "Gehirntumoren" eine Broschüre herausgegeben. Allgemeinverständlich und anschaulich wird beschrieben, wie das Gehirn aufgebaut ist und wie es funktioniert, welche Tumorenarten es gibt und wie sie behandelt werden können. Die Broschüre kann kostenfrei angefordert werden bei der Deutschen Krebshilfe, Thomas-Mann-Straße 40, 53111 Bonn oder im Internet unter www.krebshilfe.de heruntergeladen werden. Dort erhalten Interessierte außerdem weitere Informationen über die Arbeit und die Projekte der Deutschen Krebshilfe.
Infokasten: Hirntumoren
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts in Berlin erkranken jährlich in Deutschland rund 6.300 Menschen neu an einem Hirntumor. Er macht damit knapp zwei Prozent aller Krebserkrankungen aus und gehört zu den eher seltenen Tumorarten. Im Jahr 1999 starben 5.051 Patienten an den Folgen dieser Krebserkrankung. Gehirntumoren können von der Gehirnsubstanz selbst ausgehen, von den Hirnhäuten, den Hirnnerven oder der Hirnanhangdrüse. Darüber hinaus gibt es die Gehirnmetastasen, die sich als Tochtergeschwülste von Krebserkrankungen anderer Organe in das Gehirn abgesiedelt haben. Warum sich Zellen des Gehirns bösartig verändern können, ist noch weitgehend ungeklärt. Es sind bislang weder Lebensgewohnheiten noch Umwelteinflüsse bekannt, die die Entstehung dieser Tumoren begünstigen.
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Dr. med. Eva M. Kalbheim | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.krebshilfe.de/
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