Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Mit dem Computer gegen die Angst - Neuartige Behandlungsmöglichkeit von Sozialen Ängsten wird in Mannheim erforscht

06.03.2006

Anzeige


Soziale Angst ist nach Depression die zweithäufigste seelische Störung und betrifft ca. 7-10% der Bevölkerung, wobei sowohl Frauen als auch Männer darunter leiden. Das Störungsbild einer Sozialen Angststörung ist gekennzeichnet durch eine anhaltende und ausgeprägte Angst vor einer oder mehreren Situationen, in denen die Betroffenen mit unbekannten Personen konfrontiert sind oder in denen sie von anderen beurteilt werden könnten. Die Angst schränkt das allgemeine Leben der Betroffenen, ihre berufliche Leistung oder ihre zwischenmenschlichen Kontakte erheblich ein. Viele Betroffenen nehmen aufgrund der bestehenden Ängste keine professionellen Hilfsangebote in Anspruch und suchen keine Selbsthilfegruppen auf. Neuartige computergestützte Therapieformen stellen nun eine moderne und erfolgversprechende Alternative dar.


In den letzten Jahren wurden international auf vielen Gebieten der Psychotherapie erstaunliche Erfolge durch computergestützte Formen der Selbstbehandlung erzielt. So fand z.B. eine Arbeitsgruppe um den schwedischen Forscher Per Carlbring im Jahr 2004, dass eine über das Internet angebotene Selbsthilfebehandlung kombiniert mit einem minimalen E-Mail-Kontakt zu einem Therapeuten bei Panikstörungen genauso effektiv sein kann wie die traditionelle Kognitive Verhaltenstherapie. Die zwei Patientengruppen unterschieden sich nicht bedeutsam in ihrem Behandlungserfolg. Beide Behandlungsformen führten zu bedeutsamen Veränderungen in den Hauptsymptomen sowie hinsichtlich der Depressionswerte und der Lebensqualität. Folgeuntersuchungen, die ein Jahr nach Beendigung der Behandlungen erhoben wurden, bestätigten dieses Ergebnis.

Auch eine australische Forschergruppe um Helen Christensen fand im Jahr 2004 in Zusammenhang mit der Behandlung von Depressionen, dass eine Selbsthilfebehandlung, angeleitet über spezielle Internetseiten, wirksam ist. Sowohl eine Internetseite, die Wissen über Depressionen und deren Behandlungsmöglichkeiten anbot, als auch eine Internetseite, die Betroffene zur Selbsthilfebehandlung nach den Prinzipien der Kognitiven Verhaltenstherapie anleitete, konnten dazu beitragen, die Symptome von Depressionen zu verringern. Außerdem kam es zu einer Verringerung negativer Gedanken und gleichzeitig zu einem wichtigen Zuwachs an Wissen über medizinische, psychologische und lebensstilbezogene Behandlungsmöglichkeiten.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die computergestützte Behandlung eine moderne, erfolgsversprechende Alternative zu den herkömmlichen Selbsthilfeangeboten, z.B. in Buchform, ist. Durch interaktive Elemente bietet diese neuartige Form der Selbsthilfebehandlung die Möglichkeit, den Fortschritt der Patienten zu überwachen und gegebenenfalls regulierend einzugreifen. Ein weiterer Vorteil dieser innovativen psychologischen Behandlung ist, dass auch solche Patienten sie nutzen können, für die aus diversen Gründen, z.B. eine zu große räumliche Entfernung, kein herkömmliches Therapieangebot in Frage kommt.

Ausgehend von diesen und weiteren positiven Ergebnissen auf dem Gebiet der internationalen "computer-assisted"- bzw. "computer-guided self-help"-Forschung bietet die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Martin Bohus) am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim ein neu entwickeltes computergestütztes Selbsthilfemodul zur Behandlung von Sozialen Ängsten an.
Von zentraler Bedeutung sind neben der Vermittlung grundlegender Informationen die Anleitungen zu selbstständig durchzuführenden Verhaltensübungen. Diese Bedeutung wird gestützt durch eine Untersuchung zu Phobien und Panikstörungen der englischen Forschungsgruppe um Andreas J. Schneider im Jahr 2005. Diese Studie hat ergeben, dass eine computergestützte Selbsthilfebehandlung, die ebenfalls auf den Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie beruhte und entsprechende Verhaltensübungen beinhaltete, in einer Messung, einen Monat nach Beendigung der Behandlung, in fünf von zehn Einschätzungsverfahren bedeutsam bessere Behandlungsergebnisse erzielte als eine computergestützte Selbsthilfebehandlung, die auf solche Elemente verzichtete.

Unter der Leitung von Dr. Regina Steil wird nun die Wirksamkeit und Wirkweise sowie die Kosteneffektivität eines neuartigen, gestuften Behandlungsprogramms für Soziale Ängste untersucht. Dieses innovative, gestufte Behandlungsprogramm gliedert sich in ein computerbasiertes Selbsthilfemodul und weitere therapeutengeleitete Behandlungsphasen je nach Bedarf. Durch die Behandlungen wird die Verarbeitung angstauslösender Situationen verändert und die Betroffenen lernen, wie sie mit der Angst besser umgehen können, indem sie neue Fertigkeiten für den Umgang mit der Angst erlernen und üben. Dies geschieht entweder gänzlich unter der Anleitung durch einen Therapeuten, oder, in der neuen, etwas abgewandelten Behandlungsmethode, durch die Kombination von einer computergestützten Selbstbehandlung, die der Patient selbstständig zuhause durchführen kann, und therapeutengeleiteter Behandlung.

Das Störungsbild einer Sozialen Angststörung ist gekennzeichnet durch eine anhaltende und ausgeprägte Angst vor einer oder mehreren Situationen, in denen die Betroffenen mit unbekannten Personen konfrontiert sind oder in denen sie von anderen beurteilt werden könnten wie z.B. in Vortragssituationen, bei öffentlichem Schreiben, Trinken oder Essen. Das Aufsuchen einer gefürchteten Situation ruft fast immer eine sofortige Angstreaktion hervor. Die Betroffenen fangen an z.B. zu zittern, schwitzen oder werden rot. Obwohl sie erkennen, dass ihre Angst übertrieben oder unbegründet ist, vermeiden sie die gefürchteten Situationen oder ertragen sie nur unter großer Angst. Dies schränkt ihr allgemeines Leben, ihre berufliche Leistung oder ihre zwischenmenschlichen Kontakte erheblich ein. Soziale Ängste verursachen erhebliches seelisches Leid. Soziale Angst ist nach Depression die zweithäufigste seelische Störung und betrifft ca. 7-10% der Bevölkerung, wobei sowohl Frauen als auch Männer darunter leiden.

Zur Durchführung der Behandlungsstudie werden Personen zwischen 18 und 60 Jahren gesucht, die aktuell unter einer Sozialen Angsterkrankung leiden. Es sollten derzeit keine anderen schwerwiegenden körperlichen oder seelischen Erkrankungen vorliegen. Betroffene zwischen 18 und 60 Jahren, die sich für die neuartige Behandlungsmöglichkeit an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin am ZI interessieren, können unverbindlich Kontakt zu den Projektmitarbeitern aufnehmen. Das ist entweder telefonisch über das Sekretariat unter der Telefonnummer 062/1703-4023 oder per E-Mail an die Adresse sozialephobie@zi-mannheim.de möglich. Hier bekommen Interessierte auch Informationen über ein weiteres Projekt zur Erforschung der Entstehung und Chronifizierung sozialer Ängste, das am Institut für Neuropsychologie und Klinische Psychologie am ZI durchgeführt wird.

Rückfragen von Journalisten bitte an :
Dr. med. Marina Martini, M. Sc.
Leitung Referat Öffentlichkeitsarbeit
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
J 5, 68159 Mannheim
Fon: 0621/1703-1301
Fax: 0621/1703-1305
E-Mail: marina.martini@zi-mannheim.de

Dr. med. Marina Martini | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.zi-mannheim.de

Weitere Berichte zu: Depression Verhaltenstherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht First-of-its-kind Head Patch Monitors Brain Blood Flow and Oxygen
02.02.2012 | Mayo Clinic

nachricht Schwergewichtiger Risikofaktor für Krebs
02.02.2012 | Deutsches Krebsforschungszentrum

Alle Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gelbe Biotechnologie: Insekten-Gene im Hochdurchsatz mithilfe von Futterpflanzen erforschen


Durch Verwendung viraler Vektoren können mittels RNAi Genfunktionen in Insekten innerhalb kurzer Zeit studiert werden

Gelbe Biotechnologie ist die Biotechnologie mit Insekten, analog zur grünen (Pflanze) und roten (Tiere) Biotechnologie. Wirkstoffe oder Gene aus Insekten werden charakterisiert und können für die Forschung oder die Anwendung in Landwirtschaft oder Medizin eingesetzt werden.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, verwenden jetzt ein Verfahren, mit dem sie die ...

Im Focus: Eine Quantenverbindung zwischen Licht und Mechanik


Optomechanische Interaktionen

Vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützte Forschende stellen ein mikroskopisches System vor, das Licht in mechanische Schwingung und umgekehrt umwandeln kann. Diese Interaktion ist so stark, dass damit die Bewegung des Oszillators auf einer quantenmechanischen Ebene beeinflussbar wird.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist bekannt, dass die Bewegung von Gegenständen letztlich ...

Im Focus: Kraftstoff aus Marktabfällen


Matschige Tomaten, braune Bananen und überreife Kirschen – die Abfälle von Großmärkten sind bisher bestenfalls auf dem Kompost gelandet. Künftig sollen sie besser genutzt werden: In einer neu entwickelten Anlage lassen sie sich vergären. Dabei entsteht Methan, das als Kraftstoff Autos antreiben kann.

Lässt der Autofahrer am Zapfhahn Erdgas in den Tank strömen statt Benzin oder Diesel, fährt er günstiger und umweltbewusster: Der Treibstoff schont das Portemonnaie, die Auspuffgase enthalten weniger Kohlenstoffdioxid und kaum Rußpartikel. Zunehmend rüsten Autofahrer daher ihre Otto-Motoren für den Erdgas-Betrieb um. Erdgas gehört jedoch ebenso wie Erdöl zu den ...

Im Focus: Wie Plastik durch fremde Moleküle leitfähig wird


Mechanismen bei der Dotierung organischer Halbleiter geklärt

Das Dotieren anorganischer Halbleiter stellt die zentrale Grundlage der modernen Elektronik dar. Dabei werden Halbleitermaterialien, wie beispielsweise Silizium, kontrolliert mit Fremdatomen verunreinigt, wodurch sich die Leitfähigkeit präzise einstellen lässt.

Seit einigen Jahren wird die sogenannte organische Elektronik als zukunftsweisende Technologie entwickelt. Hier werden organische Moleküle und Polymere als Halbleiter verwendet.
...

Im Focus: Roboter erkundet neues Terrain


Sie reinigen, inspizieren und suchen nach Katastrophenopfern – mobile Roboter sind vielseitig einsetzbar.

Doch oft ist keine Karte verfügbar, die ihnen den Weg durch unbekanntes Gelände weist. Ein neuer mobiler Roboter erkundet autonom fremde Umgebungen und kartiert sie. Eine Algorithmen-Toolbox macht’s möglich.

Industrieroboter sind seit Jahren in der Arbeitswelt etabliert – etwa in der Automobil- oder der Hausgerätefertigung verrichten sie zuverlässig ihren Dienst am ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Wissenschaftler entdecken möglicherweise bewohnbare Super-Erde

02.02.2012 | Physik Astronomie

Study finds southern Indian Ocean humpbacks singing different tunes

02.02.2012 | Studien Analysen

Forscher in Heidelberg untersuchen intrazellulären Transport

02.02.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

E-Book-Day am 21. April 2012

02.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Das Kleinkraftwerk im eigenen Keller

02.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

1. Augsburger Technologietransfer-Kongress

02.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp