Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Die kleine Sonne gibt grünes Licht: RUB-Forscher entwickelten neuen EU-Standard für Sonnenschutzkleidung mit

10.02.2006

Anzeige


Das Piktogramm ist an Bekleidungsstücken anzubringen, die gemäß EN-13758 als Sonnenschutzkleidung ausgezeichnet worden ist.


Die kleine Sonne gibt grünes Licht
UV-Schutzkleidung bekommt ein eigenes Siegel
RUB-Forscher entwickelten neuen EU-Standard mit

Inzwischen weiß jeder: Ungeschützt in die Sonne gehen sollte man nicht, am besten man zieht sich was an. Wie aber soll dieses "was" beschaffen sein? Reicht ein dünnes T-Shirt aus für einen ganzen Urlaubstag? Oder muss es gleich die Jeansjacke sein? Sicherheit bringt jetzt ein neues Siegel, das standardisiert geprüfte und einer neuen EU-Norm entsprechende Kleidung kennzeichnet. Die kleine gelbe Sonne zeigt dem Käufer an, dass das gewählte Kleidungsstück einen Lichtschutzfaktor von mindestens 40 hat und damit auch nass oder auf andere Art mitgenommen vor der schädlichen UV-Strahlung schützt. Mitgewirkt an der Entwicklung des neuen Standards haben die RUB-Dermatologen Dr. Klaus Hoffmann, Prof. Dr. Peter Altmeyer und Dr. Thilo Gambichler (RUB-Klinik für Dermatologie im St. Josef Hospital).

Standardisierte Messung des Schutzfaktors

"Der adäquate Schutz vor UV-Strahlung ist angesichts der steigenden Hautkrebsraten weltweit eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen in der Dermatologie", unterstreicht Dr. Hoffmann. Der effektivste Schutz ist neben dem Meiden der Sonne schützende Kleidung, ergänzt um Sonnenschutzmittel, das die unbekleideten Hautpartien schützt. Um festzustellen, wie hoch der Schutz durch ein Kleidungsstück ist, hat eine 30-köpfige Arbeitsgruppe, in der Dermatologen, Physiker, Textiltechnologen und Bekleidungshersteller aus ganz Europa zusammenarbeiteten, im Rahmen eines vom Bundesforschungsministerium finanzierten Projekts standardisierte Messmethoden für den UV-Schutz von Textilien entwickelt. Der erste Teil des so erarbeiteten EU-Standards (EN 13758-1)legt für normgerechte Bekleidungstextilien ein Verfahren zur Bestimmung der Durchlässigkeit von UV-Strahlung fest. Die spektralphotometrische Messung und Berechnung des Lichtschutzfaktors werden in diesem Dokument genau beschrieben. Auf nationaler Ebene wurde der Standard dann in einem Arbeitsausschuss des Deutschen Instituts für Normung e.V. (DIN) unter Mitarbeit der RUB-Wissenschaftler geprüft.

Siegel für sicheren Einkauf

Damit Verbraucher normgerechte Kleidung beim Einkauf auch leicht erkennen können, legt der zweiter Teil des EU-Standards (EN 13758-2) die Klassifizierung und Auszeichnung von Sonnenschutzkleidung fest. Das Siegel erhalten nur Kleidungsstücke, die einen Lichtschutzfaktor von mindestens 40 (40+) haben. "Damit ist ein ausreichender Schutz vor Sonnenbrande selbst unter extremen Bedingungen gewährleistet", so Dr. Hoffmann. Eigene Untersuchungen der Bochumer Ärzte an einem mathematischen Modell haben gezeigt, dass ein Lichtschutzfaktor von 25 in Europa selbst bei ganztägiger Exposition in der Regel ausreicht, da der UV-Index in unseren Breitengraden selten 11 übersteigt. Dennoch haben die Normungs-Experten nach dem "worst-case"-Prinzip einen Schutzfaktor von 40+ festgesetzt, da die Dehnung und Feuchtigkeit eines Textils den Lichtschutz stark herabsetzen kann.

Strenge Kriterien

Unabhängig davon darf die durchgelassene UVA-Strahlung nach dem Europäischen Standard 5% nicht überschreiten. Demnach können Textilien trotz eines Lichtschutzfaktors von 40+ bei einer UVA-Durchlässigkeit von über 5% nicht ausgezeichnet werden. "Dies ist insbesondere im Hinblick auf die Bedeutung der UVA-Strahlung bei der Auslösung verschiedener Lichtallergien, so genannter Photodermatosen, von großer Wichtigkeit", erklärt Hoffmann. Darüber hinaus zeichne sich der Standard im Gegensatz zu anderen Standards aus, dass strenge Anforderungen an das Design des Bekleidungsstücks gestellt werden. Sonnenschutzkleidung, die in Übereinstimmung mit dem Standard EN-13758 ausgezeichnet wird, muss ein entsprechendes Piktogramm tragen, aus dem die Standardnummer und der Lichtschutzfaktor 40+ hervorgehen.

Nachfrage bestimmt das Angebot

Nun ist die Textilindustrie gefordert, den Standard bei der Herstellung von Sommerbekleidung zu beachten. "Zurzeit sind nur sehr wenige Anbieter auf dem Markt, die entsprechend ausgezeichnete Bekleidung führen", so Hoffmann. Außerdem werde die Bedeutung von UV-schützenden Textilien in der Bevölkerung häufig unterschätzt, stattdessen werde auf die üblichen Sonnenschutzmittel zurückgegriffen. Diese haben jedoch gegenüber den Sonnenschutztextilien den Nachteil, dass sie häufig falsch verwendet werden und zu allergischen Reaktionen führen können. "Da die Textilindustrie die Produktion von EN-13758-geprüften Bekleidungsstücken nur dann aufnehmen wird, wenn eine entsprechend große Nachfrage besteht, müssen der Bevölkerung im Rahmen von Präventionskampagnen die Vorteile von Sonnenschutztextilien vermittelt werden", folgert er.

Titelaufnahme

T. Gambichler, J. Laperre, K. Hoffmann: The European standard for sun-protective clothing: EN 13758. In: Journal of the European Academy of Dermatology and Venerology (JEADV) 2006, 20, 125-130.

Weitere Informationen

Dr. Klaus Hoffmann, Dermatologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum, St. Josef Hospital, Gudrunstr. 56, 44791 Bochum, Tel. 0234/509-0, E-Mail: k.hoffmann@derma.de

Dr. Josef König | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht First-of-its-kind Head Patch Monitors Brain Blood Flow and Oxygen
02.02.2012 | Mayo Clinic

nachricht Schwergewichtiger Risikofaktor für Krebs
02.02.2012 | Deutsches Krebsforschungszentrum

Alle Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gelbe Biotechnologie: Insekten-Gene im Hochdurchsatz mithilfe von Futterpflanzen erforschen


Durch Verwendung viraler Vektoren können mittels RNAi Genfunktionen in Insekten innerhalb kurzer Zeit studiert werden

Gelbe Biotechnologie ist die Biotechnologie mit Insekten, analog zur grünen (Pflanze) und roten (Tiere) Biotechnologie. Wirkstoffe oder Gene aus Insekten werden charakterisiert und können für die Forschung oder die Anwendung in Landwirtschaft oder Medizin eingesetzt werden.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, verwenden jetzt ein Verfahren, mit dem sie die ...

Im Focus: Eine Quantenverbindung zwischen Licht und Mechanik


Optomechanische Interaktionen

Vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützte Forschende stellen ein mikroskopisches System vor, das Licht in mechanische Schwingung und umgekehrt umwandeln kann. Diese Interaktion ist so stark, dass damit die Bewegung des Oszillators auf einer quantenmechanischen Ebene beeinflussbar wird.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist bekannt, dass die Bewegung von Gegenständen letztlich ...

Im Focus: Kraftstoff aus Marktabfällen


Matschige Tomaten, braune Bananen und überreife Kirschen – die Abfälle von Großmärkten sind bisher bestenfalls auf dem Kompost gelandet. Künftig sollen sie besser genutzt werden: In einer neu entwickelten Anlage lassen sie sich vergären. Dabei entsteht Methan, das als Kraftstoff Autos antreiben kann.

Lässt der Autofahrer am Zapfhahn Erdgas in den Tank strömen statt Benzin oder Diesel, fährt er günstiger und umweltbewusster: Der Treibstoff schont das Portemonnaie, die Auspuffgase enthalten weniger Kohlenstoffdioxid und kaum Rußpartikel. Zunehmend rüsten Autofahrer daher ihre Otto-Motoren für den Erdgas-Betrieb um. Erdgas gehört jedoch ebenso wie Erdöl zu den ...

Im Focus: Wie Plastik durch fremde Moleküle leitfähig wird


Mechanismen bei der Dotierung organischer Halbleiter geklärt

Das Dotieren anorganischer Halbleiter stellt die zentrale Grundlage der modernen Elektronik dar. Dabei werden Halbleitermaterialien, wie beispielsweise Silizium, kontrolliert mit Fremdatomen verunreinigt, wodurch sich die Leitfähigkeit präzise einstellen lässt.

Seit einigen Jahren wird die sogenannte organische Elektronik als zukunftsweisende Technologie entwickelt. Hier werden organische Moleküle und Polymere als Halbleiter verwendet.
...

Im Focus: Roboter erkundet neues Terrain


Sie reinigen, inspizieren und suchen nach Katastrophenopfern – mobile Roboter sind vielseitig einsetzbar.

Doch oft ist keine Karte verfügbar, die ihnen den Weg durch unbekanntes Gelände weist. Ein neuer mobiler Roboter erkundet autonom fremde Umgebungen und kartiert sie. Eine Algorithmen-Toolbox macht’s möglich.

Industrieroboter sind seit Jahren in der Arbeitswelt etabliert – etwa in der Automobil- oder der Hausgerätefertigung verrichten sie zuverlässig ihren Dienst am ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Wissenschaftler entdecken möglicherweise bewohnbare Super-Erde

02.02.2012 | Physik Astronomie

Study finds southern Indian Ocean humpbacks singing different tunes

02.02.2012 | Studien Analysen

Forscher in Heidelberg untersuchen intrazellulären Transport

02.02.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

E-Book-Day am 21. April 2012

02.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Das Kleinkraftwerk im eigenen Keller

02.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

1. Augsburger Technologietransfer-Kongress

02.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp