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Die Europäische Union hat den Nierenerkrankungen den Kampf angesagt. Mit 10,5 Millionen Euro fördert sie ein Forschungsprojekt, das den genetischen Ursachen von Nierenleiden auf den Grund gehen will. Prof. Thomas Willnow vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch koordiniert das European Renal Genome Project (EuReGene), an dem 18 Forschungsgruppen von außeruniversitären Einrichtungen, Universitäten sowie sechs Universitätskliniken in neun europäischen Ländern* teilnehmen. Es hat eine Laufzeit von 4 Jahren. In Berlin beteiligen sich außerdem Prof. Friedrich Luft (Charité/Helios Klinikum Berlin, MDC) sowie Dr. Dominik Müller (Charité/Kindernephrologie) an dem Forschungsprojekt.
Aufbauend auf den Daten und Techniken des Humangenomprojekts wollen die Nierenforscher vor allem Gene identifizieren und untersuchen, die bei der Organentwicklung sowie bei der Entstehung von Nierenschäden eine Rolle spielen. Sie setzen dabei hochmoderne Techniken der Genomanalyse ein und arbeiten mit Tiermodellen (Krallenfrosch, Zebrafisch, Maus, Ratte) sowie Organ- und Zellkulturen. Die Forscher hoffen, mit den in ihrem Projekt gewonnenen Erkenntnissen, die Diagnose von Nierenerkrankungen sowie die Therapie verbessern und damit auch die in Europa jährlich durch Nierenleiden verursachten Behandlungskosten von rund 10 Milliarden Euro senken zu können. Nierenerkrankungen machen etwa 12 Prozent des europäischen Gesundheitsbudgets aus, in Deutschland sind es acht Prozent.
In Europa gibt es geschätzte 4,5 Millionen Nierenkranke. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, bei denen die Erkrankung häufig die Folge von Bluthochdruck und Diabetes ist, aber auch Kinder, die vielfach bereits mit einer Nierenschädigung zur Welt kommen. Und die Zahl der Nierenpatienten steigt, insbesondere bei Patienten mit Diabetes Typ 2. Nierenschäden selbst lösen wiederum Bluthochdruck aus, können zu Herzversagen, Blutarmut sowie Knochenerkrankungen führen. Nierenschäden können aber auch komplettes Versagen der Nieren zur Folge haben. Eine Heilung für Nierenversagen gibt es nicht. Blutwäsche (Dialyse) kann das Überleben der Patienten für eine gewisse Zeit gewährleisten, bis ein Spenderorgan zur Verfügung steht. In Europa gibt es rund 225 000 Dialysepatienten, in Deutschland sind es 60 000. Wegen der zu geringen Zahl an Spendernieren muss ein Patient heute jedoch bis zu fünf Jahre auf eine Transplantation warten. In Deutschland gab es 2002 nur 2 111 Nierentransplantationen, auf der Warteliste standen aber 9 479 Patienten. Für viele Dialysepatienten ist die Wartezeit zu lang. 2002 starben allein in Deutschland 9 712 Dialysepatienten. Das bedeutet, jedes Jahr sterben etwa 20 Prozent der Dialysepatienten, bevor ihnen mit einer Transplantation geholfen werden kann.
* Belgien, Dänemark, Deutschland, England, Finnland, Frankreich, Italien, Polen, Schweiz
Barbara Bachtler | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.mdc-berlin.de
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