Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Immuntherapie kann Tumor „ruhigstellen“

19.05.2011
In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt ist es dem Forschungsteam um Professor Dr. Martin Röcken, Lehrstuhl für Dermatologie der Universität Tübingen, erstmals gelungen, das Wachstum von Tumoren anzuhalten, ohne sie gleichzeitig abzutöten.

Anzeige

Die Forscher behandelten Mäuse, die an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt waren (RIP1-Tag2 Mäuse), mit weißen Blutkörperchen, sogenannten T-Helferzellen. Die T-Helferzellen wurden vorher in einem Spenderorganismus gegenüber dem Tumor „scharf gemacht“. Durch diese Immuntherapie konnte die Überlebensdauer der erkrankten Mäuse verdoppelt werden.


Die Wirkung der T-Helferzellen gegen den sehr aggressiven Tumor in der Bauchspeicheldrüse beruht nicht auf der Zerstörung der Krebszellen, sondern erfolgt durch die Ruhigstellung des Tumorgewebes und eine Normalisierung der Entwicklung der Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Außerdem fand das Team um Professor Röcken heraus, dass der mit den spezifischen T-Helferzellen erzielte Therapieerfolg von zwei Botenstoffen abhängt, die die T-Helferzellen ausschütten, dem Interferon-γ (IFN-γ) und dem Tumornekrosefaktor (TNF).

In einer weiteren Projektphase wollen die Forscher nun die direkte Wirkung dieser Botenstoffe auf den Tumor klären. Insbesondere soll untersucht werden, inwieweit eine T-Zell-basierte Therapie bei Tumoren vom Zusammenspiel der Botenstoffe IFN-γ und TNF mit den Zellen des Immunsystems und den Tumorzellen abhängt. Weiter geht es darum, wie tumorspezifische T-Helferzellen die physiologischen und biochemischen Merkmale von endogen wachsenden Tumoren beeinflussen, ohne sie zu zerstören.

Ein in diesem Zusammenhang wichtiger zellulärer Mechanismus ist die Seneszenz, also die irreversible Ruhigstellung einer Zelle beziehungsweise eines Gewebsverbandes. Die Seneszenz ist in letzter Zeit als einer der Mechanismen beschrieben worden, durch den ein Organismus das unbegrenzte Wachstum eines entarteten Zellverbandes stoppen kann. Insbesondere bei der Überwachung von Tumorgeweben durch das Immunsystem könnte dieser Mechanismus von größter Bedeutung sein.

Sind Immunzellen in der Lage, Tumorzellen durch die Wirkung von Botenstoffen ruhigzustellen? Welche Rolle spielt dabei jeweils die Seneszenz und die Tumorzelldifferenzierung? Diesen Fragen wollen die Forscher sowohl an isolierten Tumorzellen aus der Bauchspeicheldrüse (β-Insulinomzellen) als auch an Gewebsschnitten von Mäusen vor, während und nach einer Therapie mit „scharf gemachten“ T-Helferzellen auf den Grund gehen. Prof. Röcken und sein Team erwarten, dass die Untersuchungen neue Erkenntnisse über die Wirksamkeit und den Mechanismus einer T-Zell-basierten Tumortherapie bringen. In absehbarer Zeit könnten dadurch die wissenschaftlichen Grundlagen für die Einführung alternativer, zellulärer Therapien zur Tumorbekämpfung beim Menschen geschaffen werden, die einen Mechanismus des Körpers gegen den Tumor ansteuern, der nicht auf die totale Zerstörung des Gewebes abzielt.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert die dritte Phase dieses Forschungsprojekt mit rund 170.000 Euro, nachdem bislang bereits über 340.000 Euro Fördermittel geflossen sind. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakte:
Prof. Dr. Martin Röcken, Tel: +49 (0)7071 29 84574, Fax: +49 (0)7071/29 5450, E-mail: Martin.Roecken@med.uni-tuebingen.de
http://www.hautklinik-tuebingen.de/forschung/tumorimmunologie.html

Sylvia Kloberdanz | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.sanst.de
www.hautklinik-tuebingen.de/forschung/tumorimmunologie.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bitterrezeptoren für Stevia-Süßstoffe entdeckt
24.05.2012 | Technische Universität München

nachricht Wie vorbeugen bei erblichem Krebs?
23.05.2012 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit


Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.

Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.

„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...

Im Focus: Widerspenstiges Quasiteilchen erzeugt


Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.

Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Energieversorger vor dem Umbruch

24.05.2012 | Studien Analysen

Stem-cell-growing surface enables bone repair

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft und Öffentlichkeit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp