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Sind Antikörper gegen Mutterkuchengewebe die Ursache gehäufter Fehlgeburten?

13.01.2012
Etwa 5% der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch werden zwar leicht schwanger, verlieren aber ihre Schwangerschaften innerhalb der ersten 3-4 Monate im Rahmen von Fehlgeburten.

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Man spricht hier von rezidivierenden oder habituellen Spontanaborten. Auch nach umfangreicher Diagnostik findet sich bei vielen dieser Patientinnen keine Ursache für dieses körperliche und auch seelisch meist äußerst belastende Problem. Der Gruppe um Professor Christian Thaler vom Hormon- und Kinderwunschzentrum am Klinikum der Universität München, Campus Großhadern, ist es jetzt offenbar gelungen, eine Ursache für gehäufte Fehlgeburten zu identifizieren.


Wie die online Ausgabe von Fertility and Sterility, dem Journal der amerikanischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin, berichtet, konnten bei 17% der Frauen mit zwei oder mehr aufeinanderfolgenden Fehlgeburten Abwehrstoffe (Antikörper) gegen Oberflächeneigenschaften (Antigene) des menschlichen Mutterkuchens (Trophoblast) gefunden werden. Bei Frauen mit 3 oder mehr Fehlgeburten waren diese Antikörper sogar in 34% nachweisbar.

Dr. Nina Rogenhofer, Funktionsoberärztin am Hormon- und Kinderwunschzentrum in Großhadern und Erstautorin dieses Artikels sagt: „Wir glauben, dass durch diese Antikörper das für die Schwangerschaft unerlässliche Mutterkuchen-Gewebe quasi als ´Fremdkörper´ abgestoßen wird, wodurch die Schwangerschaft dann keine Chance hat sich weiter zu entwickeln.“ Tatsächlich ist der Mutterkuchen für den Transport von Nährstoffen und von Sauerstoff zum Kind unerlässlich, so Rogenhofer, die in Großhadern eine Spezialsprechstunde für Frauen mit gehäuften Fehlgeburten leitet.

Möglicherweise ergeben sich aus den neuen Arbeiten bereits therapeutische Ansätze: „Nach neuesten Untersuchungen im Uniklinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München in Großhadern lassen sich die Antikörper durch ein relativ gebräuchliches Medikament unterdrücken: „Wir konnten zeigen, dass Infusionen mit gepoolten Antikörpern gesunder Plasmaspender die pathologische Abstoßungsreaktion gegen Mutterkuchenantigene neutralisieren können“, berichtet Rogenhofer von Ergebnissen ihrer aktuellen Forschung. Diese Therapie ist bereits bei anderen immunologischen Erkrankungen erprobt und offenbar sehr nebenwirkungsarm. „Wir hoffen, dass sich hier ein therapeutischer Ansatz für die schwer belasteten Patientinnen mit gehäuften Fehlgeburten ergibt“, so Rogenhofer.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Christian J. Thaler
Leiter des Hormon- und Kinderwunschzentrums
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der LMU
München - Großhadern
Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin
81377 München
Tel: +49-(0)89-7095-4588
Fax: +49-(0)89-7095-7588
E-Mail: christian.thaler@med.uni-muenchen.de

Dr. med. Nina Rogenhofer
Tel: +49-(0)89-7095-6824
E-Mail: nina.rogenhofer@med.uni-muenchen.de

Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2010 an den Standorten Großhadern und Innenstadt 465.000 Patienten ambulant, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 45 Fachkliniken, Institute und Abteilungen sowie 35 interdisziplinäre Zentren verfügen über mehr als 2.200 Betten. Von insgesamt über 10.000 Beschäftigten sind rund 1.800 Mediziner. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2010 rund 70 Millionen Euro an Drittmitteln verausgabt und ist seit 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität ist das Klinikum der Universität München an sechs Sonderforschungsbereichen der DFG (SFB 455, 571, 594, 596, 684, 824), an drei Sonderforschungsbereichen-/Transregio (TR 05, TR 22, TR 36), einer Forschergruppe (FOR 535) sowie an drei Graduiertenkollegs (GK 1091 und 1202, SFB-TR 36) beteiligt. Hinzu kommen die drei Exzellenzcluster „Center for Integrated Protein Sciences“ (CIPSM), „Munich Center of Advanced Photonics“ (MAP) und „Nanosystems Initiative Munich“ (NIM) sowie die Graduiertenschule „Graduate School of Systemic Neurosciences“ (GSN-LMU).

Philipp Kressirer | Quelle: Klinikum der Universität München
Weitere Informationen: www.kinderwunsch-uni-muenchen.de/
www.klinikum.uni-muenchen.de/

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