Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwischen Enttäuschung und Hoffnung – Neues zur Akuttherapie des Schlaganfalls

28.09.2012
„Auf dem Gebiet der Therapie des akuten Schlaganfalls gibt es zwar viele Forschungsaktivitäten, um Therapien weiterzuentwickeln und zu optimieren“, erklärte Professor Martin Grond, Schlaganfall-Experte aus Siegen, heute auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Hamburg.
Allerdings seien die großen internationalen Pharmafirmen auf diesem Gebiet derzeit sehr wenig aktiv, kritisierte Professor Hacke, Direktor der Neurologischen Klinik der Universität Heidelberg. Die meisten Studien würden von kleineren Biotech-Firmen oder Herstellern von sogenannten Medizinprodukten (Devices) durchgeführt.

Der Schlaganfall ist weltweit eine der häufigsten Ursachen für Tod und lebenslange Behinderung und eine enorme Belastung für betroffene Familien und die Gesundheitssysteme.

Als einen möglichen Grund für die Zurückhaltung der pharmazeutischen Industrie nannte Professor Grond einige enttäuschende Nachrichten in diesem Jahr: So wurde in Lissabon beim europäischen Schlaganfallkongress die ICTUS-Studie (International Citicholine Trial on Acute Stroke) vorgestellt, in der über 2000 Patienten mit dem Neuroprotektivum Citicholin oder Placebo behandelt wurden.

In dieser Studie konnte kein Vorteil für die mit Citicholin behandelnden Patienten nachgewiesen werden, was den Ergebnissen einer früheren Metaanalyse widerspricht – und generell Zweifel an der Allgemeingültigkeit von Metaanalysen aufkommen lässt. Auch die AXIS-Studie (AX200 in Akute Ischemic Stroke), in der ein Nervenwachstumsfaktor mit Placebo verglichen wurde, ergab nicht die erwarteten positiven Ergebnisse.

Daneben gibt es eine Reihe von anderen Studien, bei der die Einschlusszeit demnächst beendet sein wird. Dazu gehört unter anderem die Impact-24-Studie (Implant for Augmentation of Cerebral Blood Flow) mit bislang weit über 400 Patienten, bei der durch Stimulation des Ganglion sphenopalatinum an der Schädelbasis versucht wird, die Durchblutung der durch den Schlaganfall betroffenen Seite zu verbessern.

In die NEST-3-Studie (NeuroThera® Efficacy and Safety Trial), die sich mit der transkraniellen Lasertherapie des Schlaganfalls befasst, sind bereits über 600 Patienten involviert. Wie das Akronym der Studie andeutet, gibt es zwei Vorläuferstudien, deren Ergebnisse Anlass zur Hoffnung geben. Derzeit findet eine vordefinierte Zwischenanalyse der Studie statt. Die Studie könnte in wenigen Monaten beendet sein und die Resultate vorgestellt werden.

In Vorbereitung ist ECASS 4 (European Cooperative Acute Stroke Study). Diese vierte europäische Thrombolysestudie wird als akademische Studie durchgeführt und von Boehringer Ingelheim unterstützt. Die Vorbereitungen laufen schon seit weit über einem Jahr und sind noch nicht abgeschlossen. Die bürokratischen Hindernisse, die das Arzneimittelgesetz akademischen Studien auflastet, sind nahezu unüberwindlich und dienen kaum der Sicherheit der Patienten, sondern der Demotivierung von klinischen Forschern.

Seit einigen Jahren werden transvaskuläre Rekanalisationsverfahren mit sogenannten Rekanalisationsinstrumenten als individuelle Therapiemaßnahmen durchgeführt. Zahlreiche Neurologen und Neuroradiologen fordern schon lange, die Wirksamkeit dieser Verfahren in adäquaten klinischen Studien zu beweisen. Dies ist bislang nicht erfolgt. Nun haben sich drei Hersteller bereit erklärt, randomisierte kontrollierte Studien zu diesem Thema durchzuführen. Deutsche Zentren sind an der Planung dieser Studien federführend beteiligt, und es gibt unter den Studienverantwortlichen schon jetzt die Absprache, dass die Daten nach Abschluss der einzelnen Studien zusammengeführt werden, um über die größeren Patientenzahlen zu einer noch zuverlässigeren Aussage zu kommen.

Etwa zwei Wochen nach dem DGN-Kongress 2012 wird beim Weltkongress für Schlaganfallmedizin in Brasilien das Ergebnis der DESTINY II Studie (Decompressive Surgery for the Treatment of Malignant Infarction of the Middle Cerebral Artery) vorgestellt. „Wir sind sehr gespannt darauf, ob sich die Entlastungsoperation bei großen raumfordernden Media-Infarkten auch bei Patienten jenseits des 60. Lebensjahres so positiv auswirkt, wie es bei jüngeren Patienten der Fall ist“, äußerte sich Professor Grond dazu.

Besonders herauszuheben ist, dass zwei Studien mit deutschen Antragstellern von der Europäischen Union gefördert werden. In der WAKE-UP Studie (Wirksamkeit und Sicherheit von MRI-basierter Thrombolyse bei Schlaganfallpatienten) werden Patienten, die mit Schlaganfallsymptomen aufwachen, im Kernspintomogramm untersucht, bei bestimmten MRT-Befunden randomisiert und mit einem Thrombolytikum oder Placebo behandelt. Diese Studie wird federführend aus Hamburg von Professor Gerloff und Dr. Thomalla geleitet und startete in dieser Woche. Professor Schwab aus Erlangen ist es gelungen, die EuroHYP-1 (European Stroke Research Network for Hypothermia), die erste große randomisierte Studie zur Kühlbehandlung (Hypothermie) bei Schlaganfallpatienten, zu initiieren.

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen:

Prof. Dr. med. Martin Grond
3. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Chefarzt der Neurologischen Klinik am Kreisklinikum Siegen
Weidenauer Straße 76, 57076 Siegen
Tel.: +49 (0) 271 705-1800 begin_of_the_skype_highlighting
E-Mail: m.grond@kreisklinikum-siegen.de

Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
c/o albertZWEI media GmbH, Englmannstraße 2, 81673 München
Tel.: +49 (0)89-461486-22, Fax: +49 (0)89-461486-25
E-Mail: presse@dgn.org
Pressesprecher: Prof. Dr. Hans-Christoph Diener

Der Neurologenkongress
Grenzen erkunden – neue Wege gehen: Unter diesem Motto treffen sich vom 26. bis 29. September 2012 rund 5000 Spezialisten für Erkrankungen des Gehirns und der Nerven im CCH – Congress Center Hamburg zum 85. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie – die größte Neurologenkonferenz in Europa. Weitere Informationen zum Kongress und zum aktuellen Programm: www.dgnkongress.org
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 7000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist die Bundeshauptstadt Berlin. www.dgn.org

1. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Wolfgang Oertel
2. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Heinz Reichmann
3. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Martin Grond
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter
Geschäftsstelle
Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel: +49 (0)30-531437930,
E-Mail: info@dgn.org
Ansprechpartner für die Medien
Frank A. Miltner, Tel: +49 (0)89-461486-22, E-Mail: presse@dgn.org

Frank A. Miltner | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgn.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie