Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zusammenhang zwischen diabetesbedingt drohender Erblindung und körpereigenem Schutzsystem erforscht

07.01.2011
Die Komponenten eines körpereigenen Schutzsystems können die bei Diabetes-Patienten auftretende, krankhafte Gefäßneubildung in der Netzhaut hemmen. Das haben Wissenschaftler der Medizinischen Klinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden sowie des Instituts für Physiologie der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Klinik für Augenheilkunde am Dresdner Uniklinikum erforscht.

Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit steht die Augenerkrankung ‚diabetische Retinopathie’. Sie ist eine Folge der Stoffwechselstörung Diabetes mellitus. Durch eine Minderdurchblutung kommt es dabei zu einer deutlich erhöhten Gefäßneubildung . Diese führt zu Sehstörungen, bis zur Erblindung. An die Erkenntnisse ihrer aktuellen Forschungen wollen die Dresdner ihre weitere wissenschaftlche Arbeit anknüpfen. Ziel ist es, neue medikamentöse Therapieansätze zu entwickeln, um Menschen mit diabetischer Retinopathie vor der Erblindung zu retten.

In Europa gilt die diabetische Retinopathie als häufigste Ursache für Erblindungen bei Menschen zwischen 20 und 65 Jahren. Der Veränderung der Retina – der menschlichen Netzhaut – geht meist eine lange Diabetes-Erkrankung voraus. Verursacht durch eine Gefäßschädigung und verminderte Durchblutung kommt es zu einer verstärkten Neubildung von Gefäßen in der Netzhaut. Die Folge sind fortschreitende Sehstörungen, die bis zur Erblindung führen. Wissenschaftler der Medizinischen Klinik und Poliklinik III (MK III) am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus sowie des Instituts für Physiologie der Medizinischen Fakultät der TU Dresden haben in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des Dresdner Uniklinikums jetzt erstmals herausgefunden, dass ein körpereigenes Schutzsystem die Gefäßneubildung in der Retina hemmen kann.

Prof. Dr. Triantafyllos Chavakis von der MK III und dem Institut für Physiologie erforscht die Wechselwirkung von Blut- und Gefäßzellen im Zusammenhang mit Störungen der Retina. Seine Idee war, die Wirkung des menschlichen Komplementsystems auf die Neubildung von Gefäßen in der Retina zu untersuchen. Das Komplementsystem ist ein körpereigenes Schutzsystem und besteht aus mehr als 30 Proteinen. Diese sind im Blutplasma gelöst oder zellgebunden. Sie dienen vor allem der Abwehr von Mikroorganismen wie Bakterien, Pilzen und Parasiten, sind jedoch auch an vielen anderen Prozessen autoimmuner und entzündlicher Krankheiten beteiligt.

Im Mausmodell konnte die Forschergruppe von Prof. Chavakis in enger Zusammenarbeit mit der Forschergruppe von Prof. John Lambris an der University of Pennsylvania, Philadelphia, USA, jetzt erstmals nachweisen, dass spezifische Komponenten des Komplementsystems die krankhafte Gefäßneubildung in der Retina hemmen. Prof. Chavakis: „Damit bekommt das Komplementsystem eine Schlüsselfunktion bei der Suche nach neuen Therapieansätzen zur Bekämpfung der Gefäßneubildung in der Retina.“ Welchen wissenschaftlichen Durchbruch dieses Forschungsergebnis bedeutet, zeigt eine Veröffentlichung als „Plenary Paper“ (wichtigste Veröffentlichung) in der Zeitschrift Blood, die zu den bedeutendsten medizinischen Fachzeitschriften zählt. Unter dem Titel „Complement-mediated inhibition of neovascularization reveals a point of convergence between innate immunity and angiogenesis“ (http://bloodjournal.hematologylibrary.org/cgi/content/short/blood-2010-01-261503v1) erläutern Chavakis und seine Kollegen den Zusammenhang zwischen dem Komplementsystem und der Retina-Erkrankung an genetisch veränderten Mäusen. „Von besonderer Bedeutung ist die Komplementachse mit dem Namen C5a/C5aR“, so der Dresdner Wissenschaftler. Eine weitere Erkenntnis des Experiments ist, dass die Hemmung der Gefäßneubildung durch das Komplementsystem über bestimmte Zellen, die sogenannten Makrophagen, vermittelt wird. Makrophagen gehören als sogenannte Fresszellen zum Immunsystem.

Kontakt
Medizinische Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden
Institut für Physiologie der Medizinischen Fakultät der TU Dresden
Prof. Dr. med. Triantafyllos Chavakis
Tel.: +49 0351 458 3765
E-Mail: triantafyllos.chavakis@uniklinikum-dresden.de

Holger Ostermeyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.mk3.uniklinikum-dresden.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie