Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zunehmende IT-Vernetzung in Kliniken: Eine Gefahr für Patienten?

14.11.2012
VDE und DIVI bringen mit neuem Positionpapier Licht in den Tunnel der IEC 80001-1

Krankenhäuser sind heute ohne Informationstechnologie (IT) nicht mehr funktionsfähig. Speziell bei der stationären Versorgung von Patienten werden IT-Systeme benötigt, um Daten zu erfassen, zu verwalten und aufzubereiten.

Mit dem zunehmenden Ausbau der Netzwerkinfrastruktur, der angeschlossenen Systeme und Medizinprodukte wächst allerdings die Komplexität des Gesamtsystems und damit die Fehleranfälligkeit einzelner angeschlossener Komponenten. Das Risiko für den Patienten im Falle eines IT-Ausfalls steigt.

Selbst Zwischenfälle in technischen Systemen, die nicht gleich zum IT-Totalausfall führen, sind potentiell gefährlich für Patienten und Anwender. Im Oktober 2010 hat die International Electrotechnical Commission (IEC) die Norm IEC 80001-1 für das Risikomanagement in der medizinischen Informationstechnologie veröffentlicht.

Diese Norm sorgte in vielen Kliniken für Verunsicherung bezüglich Verantwortlichkeiten und Haftungsrisiken. Experten der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE haben deshalb jetzt zusammen mit der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) ein Positionspapier veröffentlicht, das sich mit dem Risikomanagement von vernetzten Medizinprodukten in der Intensiv- und Notfallmedizin auseinandersetzt. Das Positionspapier nennt die Konsequenzen der IEC-Norm für Betreiber, Anwender und Hersteller und gibt Empfehlungen für die praktikable Umsetzung der Norm.

Gewinn an Sicherheit für Patienten und Anwender

Die Experten sind sich sicher, dass die Kliniken in den nächsten Jahren keine Alternative zur Einführung eines strukturierten Managements von MIT (Medizinisches IT-Netzwerk mit mindestens einem Medizinprodukt) haben werden, da die Komplexität der klinischen Prozesse und der Schnittstellen weiter zunehmen wird. So werden allein nach einer Erhebung der Rhön-Klinikum AG im Jahr 2015 Medizingeräte 50 Prozent an den Netzknoten ausmachen. Ziel der IEC 80001-1 ist der Aufbau und Betrieb von stabilen und sicheren IT-Netzwerken in Kliniken. Eine zentrale Rolle spielt der MIT-Risikomanager, der von der Geschäftsführung beauftragt wird und das Risikomanagement koordinieren soll.

Er ist die Schnittstelle zu den Mitarbeitern der klinischen Abteilungen, der Medizintechnik, der IT-Abteilung und den Herstellern der beteiligten Medizinprodukte. So kann jede Bedrohungssituation analysiert und ihre Folgen bewertet werden. Ein stabiles und sicheres Netzwerk ist die Basis für den reibungslosen Routinebetrieb, aber auch für Innovationen im Bereich vernetzter Medizingeräte. Zwar erfordert die Umsetzung der Norm zunächst einen Mehraufwand an Personal und Dokumentation. Nach Einschätzung der Autoren des VDE/DIVI-Positionspapiers lohnt sich die Investition, da sich dadurch Probleme im späteren Projektverlauf vermeiden oder zumindest reduzieren lassen. Spätestens bei Anschlussprojekten können Kliniken mit einer Aufwands- und damit Kostenersparnis rechnen.

Allerdings raten die Experten von einer sofortigen unternehmensweiten Einführung der IEC 80001-1 ab, da dies ein unrealistischer Ansatz wäre. Vielmehr empfehlen sie, sich zunächst auf bestimmte Subnetze zu konzentrieren, die innerhalb eines Projektes oder eines bestimmten Prozesses wichtig sind. In einem solchen kleineren Rahmen bleibt der Aufwand für das Risikomanagement beherrschbar und lässt sich danach auf weitere Bereiche ausdehnen. Die Vorteile der Norm sind laut Positionspapier der Gewinn an Sicherheit für Patienten und Anwender, die Transparenz der Prozesse und Verantwortlichkeiten, der Zugewinn an Kompetenz und an technischer Information, die Reduktion des Haftungsrisikos sowie eine Kostenverringerung. Nachteilig sind der gestiegene Dokumentationsaufwand, der Verlust an Flexibilität und die erforderliche Bewusstseinsänderung bei den Mitarbeitern.

Für die Redaktion: Das Positionspapier Risikomanagement für medizinische Netzwerke in der Intensiv- und Notfallmedizin von VDE und DIVI kann kostenlos im InfoCenter unter www.vde.com bestellt werden.

Melanie Mora | VDE
Weitere Informationen:
http://www.vde.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Auf dem Weg zur Medikamententherapie durch die Haut?
22.05.2015 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Zöliakie bei Typ 1 Diabetes schädigt Blutgefäße schneller
21.05.2015 | Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kieler Forschende bauen die kleinsten Maschinen der Welt

Die DFG stellt Millionenförderung für die Entwicklung neuartiger Medikamente und Materialien an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) bereit.

Großer Jubel an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU): Wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) heute (Donnerstag, 21. Mai) bekannt gab,...

Im Focus: Basler Physiker entwickeln Methode zur effizienten Signalübertragung aus Nanobauteilen

Physiker haben eine innovative Methode entwickelt, die den effizienten Einsatz von Nanobauteilen in elektronische Schaltkreisen ermöglichen könnte. Sie entwickelten dazu eine Anordnung, bei der ein Nanobauteil mit zwei elektrischen Leitern verbunden ist. Diese bewirken eine hocheffiziente Auskopplung des elektrischen Signals. Die Wissenschaftler vom Departement Physik und dem Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel haben ihre Ergebnisse zusammen mit Kollegen der ETH Zürich in der Fachzeitschrift «Nature Communications» publiziert.

Elektronische Bauteile werden immer kleiner. In Forschungslabors werden bereits Bauelemente von wenigen Nanometern hergestellt, was ungefähr der Grösse von...

Im Focus: Basel Physicists Develop Efficient Method of Signal Transmission from Nanocomponents

Physicists have developed an innovative method that could enable the efficient use of nanocomponents in electronic circuits. To achieve this, they have developed a layout in which a nanocomponent is connected to two electrical conductors, which uncouple the electrical signal in a highly efficient manner. The scientists at the Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel have published their results in the scientific journal “Nature Communications” together with their colleagues from ETH Zurich.

Electronic components are becoming smaller and smaller. Components measuring just a few nanometers – the size of around ten atoms – are already being produced...

Im Focus: Phagen übertragen Antibiotikaresistenzen auf Bakterien – Nachweis auf Geflügelfleisch

Bakterien entwickeln immer häufiger Resistenzen gegenüber Antibiotika. Es gibt unterschiedliche Erklärungen dafür, wie diese Resistenzen in die Bakterien gelangen. Forschende der Vetmeduni Vienna fanden sogenannte Phagen auf Geflügelfleisch, die Antibiotikaresistenzen auf Bakterien übertragen können. Phagen sind Viren, die ausschließlich Bakterien infizieren können. Für Menschen sind sie unschädlich. Phagen könnten laut Studie jedoch zur Verbreitung von Antibiotikaresistenzen beitragen. Die Erkenntnisse sind nicht nur für die Lebensmittelproduktion sondern auch für die Medizin von Bedeutung. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Applied and Environmental Microbiology veröffentlicht.

Antibiotikaresistente Bakterien stellen weltweit ein bedeutendes Gesundheitsrisiko dar. Gängige Antibiotika sind bei der Behandlung von Infektionskrankheiten...

Im Focus: Die schreckliche Schönheit der Medusa

Astronomen haben mit dem Very Large Telescope der ESO in Chile das bisher detailgetreueste Bild vom Medusa-Nebel eingefangen, das je aufgenommen wurde. Als der Stern im Herzen dieses Nebels altersschwach wurde, hat er seine äußeren Schichten abgestoßen, aus denen sich diese farbenfrohe Wolke bildete. Das Bild lässt erahnen, welches endgültige Schicksal die Sonne einmal ereilen wird: Irgendwann wird aus ihr ebenfalls ein Objekt dieser Art werden.

Dieser wunderschöne Planetarische Nebel ist nach einer schrecklichen Kreatur aus der griechischen Mythologie benannt – der Gorgone Medusa. Er trägt auch die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

TU Darmstadt: Gipfel der Verschlüsselung - CROSSING-Konferenz am 1. und 2. Juni in Darmstadt

22.05.2015 | Veranstaltungen

Internationale neurowissenschaftliche Tagung

22.05.2015 | Veranstaltungen

Biokohle-Forscher tagen in Potsdam

21.05.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nanogefäß mit einer Perle aus Gold

22.05.2015 | Biowissenschaften Chemie

Ferngesteuerte Mikroschwimmer: Jülicher Physiker simulieren Bewegungen von Bakterien an Oberflächen

22.05.2015 | Physik Astronomie

Was Chromosomen im Innersten zusammenhält

22.05.2015 | Biowissenschaften Chemie