Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zähne putzen – besonders bei Brustkrebs

02.03.2012
Wenn ein Brustkrebs metastasiert, dann sind in etwa zwei von drei Fällen die Knochen betroffen.

Solche Metastasen können sehr schmerzhaft sein und zu Knochenbrüchen führen. In diesen Fällen werden der Patientin häufig Bisphosphonate oder ein spezieller Antikörper, Denosumab verordnet, die den Knochenabbau aufhalten und die Knochen stabilisieren.

Diese Arzneimittel schützen die Knochen auch vor Substanzverlusten, die eine Antihormontherapie hervorrufen kann, und die in eine Osteoporose münden können. Aber es gilt, Nebenwirkungen zu verhindern.

Bei einer von hundert Patientinnen allerdings entwickelt sich im Lauf der Therapie ein Umbau der Kieferknochen, der bis zum Absterben des Gewebes führen kann (Knochen = Osteon, Absterben des Gewebes = Nekrose; die Krankheit heißt Kiefer-Osteonekrose). Die Ursachen für diese schwere Nebenwirkung sind derzeit noch weitgehend unbekannt. Bisphosphonate ebenso wie der monoklonale Antikörper Denosumab beeinflussen den natürlichen Umbau von Knochengewebe und verzögern den Abbau älterer Knochenstrukturen.

Möglicherweise verzögern sie auch den Abbau von geschädigtem und entzündetem Gewebe; dies aber gehört zu jedem normalen Heilungsprozess und ist bei allen Entzündungen, Verletzungen ebenso wie nach jedem zahnärztlichen Eingriff notwendig. Dieser Zusammenhang könnte erklären, warum es unter einer Behandlung mit Bisphosphonaten und Denosumab zu schlecht heilende Entzündungen und Absterben des Knochengewebes im Mund kommen kann. Die Nekrose trifft vor allem Patientinnen mit schlechtem Zahnstatus und nach größeren zahnärztlichen Eingriffen. Die ersten Symptome sind Schmerzen, umschriebene Schwellungen in Kiefer und Zahnfleisch, eitriger Ausfluss und nicht heilende Wunden.

Später kann sogar der Knochen freiliegen. Der Prozess kann nur zum Stillstand kommen und abheilen, wenn die Arzneimittel abgesetzt werden. Aus diesem Grund empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie, dass vor Beginn einer Bisphosphonat- oder Denosumab-Therapie möglichst eine vollständige Zahnsanierung durchgeführt werden sollte. Alle Paradontose-Herde sollten versorgt und ausgeheilt sein, Prothesen dürfen keine Druckstellen verursachen. Zusätzlich sollte mit dem behandelnden Zahnarzt abgesprochen werden, ob Zähne mit unklarer „Überlebenschance“ vor einer Behandlung extrahiert werden sollten.

Während der knochenschützenden Therapie mit Bisphosphonaten oder Denosumab sollten Patientinnen eine sehr gute Mundhygiene einhalten und regelmäßig alle sechs Monate zum Zahnarzt gehen. Entzündungen im Mundbereich sollten sorgfältig vermieden werden. Wenn zahnärztliche Operationen notwendig werden, so muss die Zahnärztin bzw. der Zahnarzt über die Therapie informiert werden. Solche Operationen sollten nur von erfahrenen Ärztinnen und Ärzten durchgeführt werden, die z.B. eine Ausbildung für Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie oder Oralchirurgie haben, und die mit dem Krankheitsbild vertraut sind, um die ersten Symptome frühzeitig zu erkennen. Die Arzneimittelgabe sollte bis zum vollständigen Ausheilen unterbrochen werden. Zusätzlich haben aktuelle Untersuchungen gezeigt, dass Kiefernekrosen noch seltener auftreten, wenn man bereits vor der Operation mit der Gabe von Antibiotika beginnt. Dabei muss sich natürlich der Zahnarzt mit der Ärztin bzw. dem Arzt, der die Krebsbehandlung durchführt, sorgfältig absprechen.

Durch diese Maßnahmen kann das Risiko, eine Nekrose der Kieferknochen zu erleiden, um bis zu 80% gesenkt werden.

Quellen:
Hadji, P., Bisphosphonate in der Mammakarzinom-Therapie I. Frauenarzt 52(2011),1208-1215.
Hadji, P., Bisphosphonate in der Mammakarzinom-Therapie II. Frauenarzt 53(2012), 134-140.

AGO-Leitlinie „Diagnostik und Therapie primärer und metastasierter Mammakarzinome: Bisphosphonate und der RANKLAntikorper Denosumab“, Version 2011.1D. www.ago-online.de

Dr. med. Susanna Kramarz | idw
Weitere Informationen:
http://www.dggg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Die bestmögliche Behandlung bei Hirntumor-Erkrankungen
28.03.2017 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit