Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wurmeier: „Angenehm salzig“

20.07.2011
US-Forscher testen neue MS-Therapie – KKNMS rät wegen Risiken von Wurmbehandlung ab

Die orale Gabe von Eiern des Schweinepeitschenwurms (Trichuris suis) führt über drei Monate zu einer Reduktion von entzündlichen Läsionen im Zentralen Nervensystem (ZNS) von MS-Patienten. Das haben US-Forscher in einer Phase I-Pilotstudie nachgewiesen.

Dazu Ralf Gold, Vorstandsmitglied des Krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS): „Bereits seit längerem ist bekannt, dass MS-Patienten mit Parasiteninfektionen weniger Schübe und Krankheitsaktivität in der Kernspintomographie zeigen. Allerdings raten wir zum jetzigen Zeitpunkt von dieser Therapie aufgrund unzureichender Erfahrungen über Wirkung und systemische Risiken dringend ab.“

Das immunologische Prinzip der Wurmtherapie beruht darauf, dass die Besiedlung mit Trichuris suis eine veränderte systemische Immunantwort auslöst, die sich in einer Abnahme von entzündungsfördernden Zytokinen und einer Zunahme von Th2-Zellen, regulatorischen T- und B-Zellen sowie entzündungshemmenden Zytokinen äußert. Gleichzeitig konnte im Tierexperiment gezeigt werden, dass autoimmune Entzündungen im ZNS reduziert waren.

Wurmeier als Trinklösung

Diese Befunde motivierten u.a. US-Forscher, die Wurmtherapie in einer Studie an MS-Patienten zu testen. Dazu verabreichten sie den Studienteilnehmern Eier des Schweinepeitschenwurms in einer Trinklösung, die „als angenehm salzig wie ein Sportgetränk“ empfunden wurde. Neben der beobachteten positiven Reduktion von entzündlichen Läsionen im ZNS traten nur leichte Magen-Darm-Beschwerden bei den Testpersonen auf.

„Wenn die Ergebnisse durch adäquate, verblindete, randomisierte Studien bestätigt werden können, ist die Wurmtherapie durchaus eine interessante Option für die Zukunft“, sagt Gold. „Bis dahin müssen wir von der Therapie abraten, weil uns wichtiges Wissen zu potenziellen Nebenwirkungen, wie eine mögliche Organschädigung durch Invasion der Würmer aus dem Darm und eine eventuell abgeschwächte oder verstärkte Immunität gegenüber anderen Krankheitserregern, fehlt.

Gefahr durch Übertragung artfremder Erreger

Um die Eier zu gewinnen, werden trächtige Würmer aus dem Darm von Schweinen entnommen. Dabei kann eine zusätzliche Übertragung von artfremden Erregern nicht ausgeschlossen werden. „All dies lässt uns im modernen Industriezeitalter zögern, einen solchen Therapieversuch bei MS mit ruhigem Gewissen zu empfehlen – moderne MS-Medikamente erfordern zwar Sicherheitsmaßnahmen und sind hochpreisig, aber wahrscheinlich in vielen Aspekten diesem Ansatz überlegen“, glaubt Gold.

Literatur:

Fleming J, Isaak A, Lee J, Luzzio C, Carrithers M, Cook T, Field A, Boland J, Fabry Z. Probiotic helminth administration in relapsing-remitting multiple sclerosis: a phase 1 study. Mult Scler. 2011;17(6):743-54

Constanze Steinhauser | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-multiplesklerose.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie