Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wnt-Hemmstoffe als Krebsmedikament – ein zweischneidiges Schwert?

30.07.2012
Zwei Forscher der Mainzer Hautklinik hinterfragen, ob Medikamente, die für die Krebsbehandlung vorgesehen sind, nicht sogar mehr Schaden als Nutzen anrichten.

Konkret prüfen Dr. Carmen Loquai und Dr. Matthias Bros, inwieweit Hemmstoffe, die darauf ausgerichtet sind, den Wnt-Signalweg zu unterbinden und damit das Wachstum von Krebszellen einzudämmen, nicht gleichzeitig die körpereigene Immunabwehr gegen Krebs beeinflussen.

Insbesondere sorgen sich die Forscher um die Aktivität der dendritischen Zellen und die tumorantigen-spezifischer T-Zellen, die durch die Hemmstoffe in unerwünschter Weise verändert beziehungsweise eingeschränkt werden könnte.

Forscher haben herausgefunden, dass der ursprünglich bei der Fruchtfliege charakterisierte und im laufe der Evolution kaum veränderte „Wingless“ (Wnt)-Signalweg für Tumorwachtum und -Metastasierung auch beim Menschen von entscheidender Bedeutung ist. Bei zahlreichen Geschwulsten zeigt der (Wnt)-Signalweg eine deutlich erhöhte Aktivität. Ergebnis ist, dass ein Eiweiß namens ß-Catenin vermehrt gebildet wird.

Dieses greift im Zellkern auf regulatorische Bereiche zu und beeinflußt die Expression von Genen, die zu einem verstärkten Tumorwachstum führen und die Bildung von Metastasen fördern. ß-Catenin ist also offenbar ein Schlüsselmolekül in diesem Prozess. Im Kampf gegen Krebs steht deshalb bei Forschern die Entwicklung von Hemmstoffen gegen den Wnt-Signalweg beziehungsweise gegen ß-Catenin weit oben auf der Agenda.

Andererseits zeigt eine Reihe an Studien, dass der Wnt-Signalweg und damit ß-Catenin bei der Stimulation der körpereigene Immunantwort gegen Krebs eine wichtige Rolle spielt. So erfolgt eine positive Wirkung auf T-Zellen sowohl direkt als auch indirekt über dendritische Zellen. Die dendritischen Zellen aktivieren die T-Zellen und lösen damit eine Immunantwort gegen entartetes Gewebe aus.

In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt wollen Carmen Loquai und Matthias Bros dieses Spannungsfeld mithilfe eines Krebsmodells auflösen. Sie wollen klären, ob und in welchem Ausmaß die Wnt Hemmstoffe den körpereigenen Anstoß zur Immunantwort gegen den Tumor beeinflussen – insbesondere die mobilisierende Wirkung der dendrititsche Zellen und T-Zellen. Sollten sich negative Wirkungen zeigen, müßte die Anwendung von Wnt-Hemmstoffen in der Krebstherapie neu überdacht werden.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 170.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt (Projektleitung):
Dr. Matthias Bros
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg Universität Mainz, Hautklinik
Telefon: +49-6131-179846
E-Mail: mbros@uni-mainz.de

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften