Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftler verdächtigen Histamin als Auslöser für rheumatische Schübe

02.08.2013
Forschergruppe der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg gelingt Durchbruch.

Rheumatoide Arthritis ist seit Jahren ein Forschungsfeld in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Harald Illges an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Rheinbach. In mehreren Schritten haben die Forscher die Rolle von histaminproduzierenden Zellen und Histamin bei autoimmuner Arthritis untersucht.

Nun ist ein weiterer Durchbruch gelungen. Die Forschungsergebnisse wurden in den wissenschaftlichen Zeitschriften „Arthritis“ und „International Immunolgy“ (April 2013) publiziert.

Histamin ist vielen im Zusammenhang mit allergischen Reaktionen bekannt, und frei verfügbare Medikamente enthalten meist Substanzen, die darauf abzielen, schnell die Freisetzung von Histamin zu verhindern. Wobei Histamin aber nicht nur bei allergischen Reaktionen eine Rolle spielt, sondern unter anderem bei Entzündungsreaktionen hilft, Infektionen abzuwehren. Eine wichtige Zellart, die Histamin produziert, ist die Mastzelle. Die Forschergruppe um Professor Illges konnte nun in Experimenten in einem Modellsystem zeigen, dass Mastzellen wichtig, wenn nicht entscheidend in der Entwicklung von Arthritis sind. Denn interessanterweise befinden sich in den entzündeten Gelenksgeweben (Pannusgewebe) von Patienten, die an Rheumatoider Arthritis leiden, auch Mastzellen. Basierend auf diesen Befunden konnte in der Folge gezeigt werden, dass wiederum Histamin selbst der entscheidende Faktor ist.

In unserem Körper gibt es vier verschiedene Eiweiße, die auf Zelloberflächen ausgeprägt werden und Histamin an sich binden können. Diese vier verschiedenen Eiweiße sind im Körper verteilt und in verschiedenen Kombinationen auf sehr vielen Zellarten, vom Gehirn über verschiedene Organe bis zum Immunsystem, vorhanden. Die Bindung von Histamin an diese Eiweiße führt zu Signalen, die in die Zelle weitergegeben werden und vielfältige Reaktionen auslösen können, je nachdem welche Zellart und welche der vier histaminbindenden Eiweiße beteiligt sind.

Nachdem die Forschergruppe die bedeutende Rolle von Histamin herausgefunden hatte, stellte sich die Frage, welche der vier Eiweiße, die Histamin binden, entscheidend für die Entwicklung der Krankheit ist. Experimentell konnten die Forscher eines der Eiweiße, der sogenannte Histamin-Rezeptor 4, als das entscheidende im Modell identifizieren. Wurde dieser geblockt, wurde die unerwünschte Erkrankung verhindert. Sie konnten also im Modell heftige rheumatische Schübe erzeugen und durch Gabe von Histaminblockern das Krankheitsbild wieder verschwinden lassen.

Nimmt man die Rolle von Histamin und die Geschwindigkeit der damit einhergehenden Reaktionen im Körper, stellt sich die Frage, ob Histamin bei akuten Schüben bei Patienten, die an Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises leiden, eine Rolle spielen kann. So steht zum Beispiel die Reaktive Arthritis im zeitlich direkten Zusammenhang mit einer bakteriellen Infektion als Folge eines Zeckenbisses. Besonders Menschen, die im Wald arbeiten wie Forstarbeiter und Förster sind davon häufig betroffen, und diese Erkrankung gilt als berufsbedingt. Dabei schwellen Kniegelenke in kurzer Zeit an und müssen punktiert werden. Bei einer solch schnellen Reaktion drängt sich Histamin als Auslöser regelrecht auf.

Vor dem Hintergrund, dass sich in entzündetem Gewebe von Rheumapatienten Mastzellen befinden, bieten diese Forschungsergebnisse Grund für weitergehende Untersuchungen und einen neuen Ansatz für therapeutische Maßnahmen.

Kontakt:
Prof. Dr. Harald Illges
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften
Tel. +49 2241 865 570
E-Mail: harald.illges@h-brs.de

Eva Tritschler | idw
Weitere Informationen:
http://www.h-brs.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops