Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftler erforschen Fehlbildungen des Gesichts

19.02.2016

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten gehören zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen des Menschen. In den meisten Fällen sind hierfür genetische Veränderungen verantwortlich, die zusammen mit Umweltfaktoren zu fehlerhaften Abläufen in der Embryonalentwicklung führen. Eine neue Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe an der Universität Bonn will nun zu einem besseren grundlegenden Verständnis von der Bildung des Gesichts kommen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt in den nächsten fünf Jahren mit 1,4 Millionen Euro.

Die individuelle Ausformung der Gesichtsstrukturen findet in der frühen Embryonalentwicklung statt. Unterschiedliche Genvariationen können zusammen mit Umweltfaktoren zu Fehlbildungen führen. Die verbreitetste ist die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, bei der bereits vor der Geburt entsprechende Strukturen des Gesichts nicht oder nur unvollständig zusammenwachsen. Einer von rund 600 Menschen ist davon betroffen.


Dr. rer. nat. Kerstin Ludwig von der Abteilung für Genomik des Life & Brain Zentrums leitet eine neue Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe an der Universität Bonn.

© Foto: Andreas Stein

„Durch Studien unserer und anderer Arbeitsgruppen sind inzwischen zahlreiche genetische Varianten bekannt, die das Risiko für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten erhöhen“, sagt Dr. rer. nat. Kerstin Ludwig. „Allerdings sind die Erkenntnisse noch gering, wie diese Erbgutveränderungen in biologische Prozesse eingreifen.“

Diesen Zusammenhang untersucht nun eine neue Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe am Institut für Humangenetik der Universität Bonn, die von Dr. Ludwig geleitet und voraussichtlich im April starten wird. „Am Beispiel der Lippen-Kiefer-Gaumenspalten möchten wir verstehen, welche zellulären Mechanismen bei den Betroffenen verändert sind“, berichtet die Biotechnologin.

In Zusammenarbeit mit Dr. Elisabeth Mangold vom Institut für Humangenetik hat Dr. Ludwig in den letzten Jahren bereits bedeutend zur Aufklärung der genetischen Ursachen dieser Erkrankung beigetragen und verfügt deshalb über einen der weltweit größten genetischen Datensätze. Auf dieser Grundlage möchte die Wissenschaftlerin nun mit molekulargenetischen und bioinformatischen Methoden nach Zusammenhängen zwischen Genen und veränderten biologischen Prozessen suchen.

Untersuchungen am Zebrafisch

Darüber hinaus plant Dr. Ludwig, die so gewonnenen Erkenntnisse an Organismen und Zellsystemen modellhaft zu überprüfen. Zum Beispiel möchte die Biotechnologin zusammen mit Prof. Dr. Benjamin Odermatt vom Institut für Anatomie Untersuchungen am Zebrafisch durchführen. „Bei diesem Modellorganismus findet die Embryonalentwicklung außerhalb der Mutter statt. Daher eignet sich der Zebrafisch besonders für die Untersuchung in frühen Entwicklungsstadien“, führt die Nachwuchsgruppenleiterin aus. Deshalb lasse sich an diesem Organismus relativ einfach und über mehrere Tage untersuchen, was im Embryonalstadium aufgrund einer Erbgutänderung in den Zellen passiert.

Dr. Ludwig plant, ihre Konzepte und Methoden aber auch auf andere Fehlbildungen anzuwenden. „Wenn wir die biologischen Ursachen von Fehlbildungen besser verstehen, können wir als Fernziel auch Präventionsmaßnahmen entwickeln“, sagt die Wissenschaftlerin. Sollte zum Beispiel eine bestimmte Substanz während der Embryonalentwicklung im Körper nur unzureichend gebildet werden, ließe sich diese vielleicht künstlich zuführen, lautet die Hoffnung. Doch von diesem Ziel sei man noch sehr weit entfernt, meint die Forscherin.

Kerstin Ludwig, Jahrgang 1981, studierte Molekulare Biotechnologie in Dresden und Straßburg. Seit ihrer Promotion, die sie mit summa cum laude abschloss, arbeitet sie am Institut für Humangenetik der Universität Bonn und am Life & Brain Zentrum mit komplexen genetischen Datensätzen sowie modernsten DNA-Analyseverfahren. Die Biotechnologin absolvierte Forschungsaufenthalte in Toronto (Kanada) sowie Uppsala (Schweden) und wurde mit mehreren Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Darüber hinaus leitete sie von 2011 bis 2013 eine Nachwuchsgruppe im BONFOR-Programm der Medizinischen Fakultät. Kerstin Ludwig ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Emmy-Noether-Programm soll zum Hochschullehrer qualifizieren

Das renommierte Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft soll hochkarätigen Nachwuchswissenschaftlern einen Weg zu früher wissenschaftlicher Selbstständigkeit ebnen. Durch die Leitung einer eigenen Nachwuchsgruppe, die in der Regel fünf Jahre gefördert wird, sollen promovierte Forscher die Befähigung zum Hochschullehrer erlangen.

Kontakt für die Medien:

Dr. rer. nat. Kerstin U. Ludwig
Abteilung für Genomik
Life & Brain Zentrum
Universität Bonn
Tel. 0228/6885420
E-Mail: kerstin.ludwig@uni-bonn.de

Weitere Informationen:

https://www.humangenetics.uni-bonn.de/de/forschung/forschungsprojekte/angeborene... Informationen im Internet

Johannes Seiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften