Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirksamer Grippeimpfstoff für Kleinkinder und Säuglinge

15.12.2011
Wissenschaftler aus Tampere, Mainz, Jena und Marburg konnten jetzt in einer internationalen multizentrischen Doppelblindstudie erstmals die Wirksamkeit eines gut verträglichen Grippe-Impfstoffes für Säuglinge und Kleinkinder nachweisen. Der Impfstoff könnte in der nächsten Impfsaison eingesetzt werden. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Mediziner jetzt im renommierten New England Journal of Medicine.

Mit Erkrankungsraten bis zu 30% sind kleine Kinder von den jährlichen Influenza-Infektionswellen stark betroffen und tragen auch entsprechend stark zur Verbreitung der Grippe bei. Bisher erwiesen sich Schutzimpfungen in dieser Altersklasse aber als nicht so effizient wie bei Erwachsenen.

Wissenschaftler der Universitätskliniken in Tampere, Mainz und Jena und der Novartis Impfsparte in Marburg untersuchten in den Wintern 2007/2008 und 2008/2009 die Wirksamkeit und Verträglichkeit eines mit dem Impfverstärker MF59 ergänzten Grippeimpfstoffes bei Säuglingen und Kleinkindern. Dieser gut verträgliche Impfverstärker, eine Öl-in-Wasser-Emulsion, erhöht die Immun-Antwort und wird seit über 10 Jahren in Impfstoffen vor allem für ältere Erwachsene eingesetzt.

In die Phase-III-Studie wurden mehr als 4700 Säuglinge und Kinder im Alter zwischen sechs und 72 Monaten aus Deutschland und Finnland einbezogen. Sie wurden zunächst nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen geteilt und erhielten zweimal im Abstand von 28 Tagen eine Impfung, entweder mit dem adjuvantierten, also dem ergänzten Impfstoff, mit einem normalen, nicht-adjuvantierten Grippeimpfstoff oder mit einem Kontroll-Impfstoff, der nicht gegen Influenza immunisiert. Anschließend wurden die kleinen Probanden engmaschig auf Symptome einer Grippe überwacht.

„Zeigten sich solche Symptome, dann identifizierten wir in unseren Labors mittels molekularbiologischer Diagnostik die Erreger“, beschreibt Prof. Dr. Peter Wutzler, Direktor des Instituts für Virologie und Antivirale Therapie am Universitätsklinikum Jena, den Jenaer Anteil. „So konnten wir Kinder, die trotz der Impfung an Grippe erkrankten, von solchen Kindern unterscheiden, die Infektionen mit anderen, nicht im Impfstoff enthaltenen Virusvarianten hatten.“ Mehrere Tausend Nasen- und Rachenabstrich-Proben werteten die Jenaer Virologen um Prof. Wutzler und seinen Kollegen Prof. Roland Zell aus.

Im Ergebnis erkrankten die Kinder, die den adjuvantierten Impfstoff erhielten, signifikant seltener an der echten Grippe als die Teilnehmer der beiden Kontrollgruppen. Impfreaktionen wie Fieber oder Verdauungsbeschwerden traten in allen drei Gruppen etwa gleich stark auf. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler jetzt im hoch angesehenen New England Journal of Medicine. "Mit diesem Impfstoff können wir Säuglinge ab sechs Monaten und Kleinkinder wirksamer als bisher vor Influenza schützen und die in dieser besonders gefährdeten Altersgruppe sehr hohen Erkrankungsraten deutlich senken“, so Professor Peter Wutzler.

Originalliteratur:
Timo Vesikari, M.D., Markus Knuf, M.D., Peter Wutzler, M.D., Aino Karvonen, M.D., Dorothee Kieninger-Baum, M.D., Heinz-Josef Schmitt, M.D., Frank Baehner, M.D., Astrid Borkowski, M.D., Theodore F. Tsai, M.D., and Ralf Clemens, M.D. Oil-in-Water Emulsion Adjuvant with Influenza Vaccine in Young Children, N Engl J Med 2011; 365:1406-1416
Kontakt:
Prof. Dr. Peter Wutzler
Institut für Virologie und Antivirale Therapie am Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641/9 395700
E-Mail: Peter.Wutzler[at]med.uni-jena.de

Dr. Uta von der Gönna | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Proteomik hilft den Einfluss genetischer Variationen zu verstehen
27.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

International Land Use Symposium ILUS 2017: Call for Abstracts and Registration open

20.03.2017 | Event News

CONNECT 2017: International congress on connective tissue

14.03.2017 | Event News

ICTM Conference: Turbine Construction between Big Data and Additive Manufacturing

07.03.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE