Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Winzige Partikel drosseln die Durchblutung des Tumors

08.08.2013
Neue Kunststoffpartikel, die die Blutzufuhr zum Tumor stoppen, können mit verschiedenen bildgebenden Verfahren sichtbar gemacht werden.

Dies hat Privatdozentin Dr. Ulrike Stampfl, Radiologin am Universitätsklinikum Heidelberg, in Tierversuchen gezeigt. Dadurch kann das Behandlungsergebnis in Zukunft besser beurteilt und somit optimiert werden. Für ihre hervorragende Forschungsarbeit wurde die Heidelberger Radiologin mit dem Werner Porstmann-Preis der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) e.V. ausgezeichnet.

Im Tierversuch prüfte sie ein Verschlussmaterial, das sowohl bei der Röntgenkontrolle (Angiographie) während der Injektion – ohne zusätzliche Gabe von Kontrastmittel – als auch später in der Computer- und Magnetresonanztomographie sichtbar ist. Ihr Fazit: Die neuen Partikel können den minimal-invasiven Eingriff über einen Gefäßkatheter in Zukunft noch sicherer machen und erlauben eine präzise Kontrolle des Behandlungsergebnisses.

Der mit 7.500 Euro dotierte Preis, den die Deutsche Röntgengesellschaft jährlich an junge Wissenschaftler unter 35 Jahren vergibt, ist nach dem Berliner Arzt Werner Porstmann (1921-1982), einem Pionier der Kathetertechnik, benannt. Die minimal-invasiven Katheterverfahren stellen bis heute wichtige Werkzeuge der interventionellen Radiologie dar.

Embolisation unterbricht Blutzufuhr und macht Tumor sensibel

Eines dieser Verfahren ist die sogenannte Embolisation, die u.a. in der Krebstherapie zum Einsatz kommt. Dabei unterbrechen Radiologen die Blutzufuhr zu einem Tumor, indem sie winzigste Partikel über einen Katheter in dessen Blutgefäße injizieren. Die Partikel verschließen die Gefäße zum Tumorinneren und blockieren die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung – der Tumor wird sensibel für nachfolgende Therapien mit Medikamenten.

Platzierung des Katheters und Freisetzung der Partikel werden unter Röntgenkontrolle (Angiographie) durchgeführt. Die dazu verwendeten Partikel, meist aus Kunststoff, heben sich bei der Röntgendurchleuchtung allerdings nicht von ihrer Umgebung ab und sind in der Angiographie nicht direkt zu erkennen. Damit die Radiologen während des Eingriffes trotzdem verfolgen können, wohin sich die Partikel verteilen, vermischen sie diese mit Kontrastmittel.

Neue Partikel in Röntgen- und MRT-Untersuchungen gut sichtbar

Die neuen Kunststoffpartikel sind dank minimaler Metalleinlagerungen für Röntgenstrahlung undurchdringlich und erzeugen zudem Signale bei der Magnetresonanztomograpie (MRT). „Unsere Tests haben ergeben, dass die neuen Partikel tatsächlich sehr gut mit den verschiedenen bildgebenden Verfahren darzustellen sind. Sie erleichtern dadurch die Kontrolle während des Eingriffs selbst, aber auch die Nachkontrolle mittels MRT und Computertomographie. Wir können direkt überprüfen, wie sich die Partikel in den Gefäßen verteilt haben“, sagt Dr. Stampfl, Oberärztin an der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Hans-Ulrich Kauczor) der Radiologischen Universitätsklinik.

Die Vorteile für den Patienten: Der Radiologe kann während der Injektion der Partikel besser erkennen, ob Partikel in unerwünschter Richtung abdriften, und gegebenenfalls den Katheter neu platzieren. Der Eingriff kann daher noch sicherer und, da während der Injektion auf Kontrastmittel verzichtet werden kann, auch schonender durchgeführt werden. Zudem eröffnen die sichtbaren Partikel neue Forschungsansätze auf diesem Gebiet.

Der prämierte Artikel wurde im September 2012 im Journal of Vascular and Interventional Radiology veröffentlicht.

Literatur:
Stampfl U, Sommer CM, Bellemann N, Holzschuh M, Kueller A, Bluemmel J, Gehrig T, Shevchenko M, Kenngott H, Kauczor HU, Radeleff B.: Multimodal visibility of a modified polyzene-F-coated spherical embolic agent for liver embolization: feasibility study in a porcine model. J Vasc Interv Radiol. 2012 Sep;23(9):1225-31.e2. doi: 10.1016/j.jvir.2012.06.008.
Kontakt:
Priv.-Doz. Dr. Ulrike Stampfl
Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Radiologische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 38 720
E-Mail: Ulrike.Stampfl(at)med.uni-heidelberg.de
Weitere Informationen:
http://www.drg.de
Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) e.V.
http://www.drg.de/seite/24/werner-porstmann-preis
Werner-Porstmann-Preis der Deutschen Röntgengesellschaft
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Willkommen.574.0.html Universitätsklinikum Heidelberg, Radiologische Klinik, Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie

Dr. Annette Tuffs | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie