Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Stress das Herz schädigt

24.06.2014

Forscher können erstmals den Zusammenhang zwischen Stress und schädlichen Gefäßablagerungen erklären – Veröffentlichung der Ergebnisse in der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine

Menschen, die chronischem Stress ausgesetzt sind, haben ein höheres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Diese Tatsache ist seit längerem bekannt, jedoch lagen die genauen Ursachen hierfür bisher im Dunkeln.

Dr. Timo Heidt, Arzt in der Klinik für Kardiologie und Angiologie I (Direktor: Prof. Dr. Ch. Bode) des Universitäts Herzzentrum Freiburg – Bad Krozingen (UHZ), ist es nun - gemeinsam mit einem Forscherteam an der Harvard Universität in Boston, USA, gelungen, einen Mechanismus zu entschlüsseln, wie andauernde Stressbelastung das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erhöht. 

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass chronischer Stress zu einer erhöhten Produktion neutrophiler Granulozyten und Monozyten, Untergruppen von weißen Blutkörperchen, führen, die sich in den Gefäßwänden ablagern und durch Entzündungsprozesse dazu beitragen, dass Arterien verstopfen können. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine publiziert.

„Wir konnten im Tiermodell zeigen, dass durch Aktivierung des sympathischen Nervensystems, dem bei Stress aktiven Teil des vegetativen Nervensystems, über die Regulation eines körpereigenen Botenstoffes, dem Faktor CXCL12, die blutbildenden Stammzellen im Knochenmark angeregt werden“, sagt Dr.Timo Heidt.

Diese bilden daraufhin vermehrt neutrophile Granulozyten und Monozyten, die für Entzündungsreaktionen und die körpereigene Abwehr verantwortlich sind. „Eine zu große Anzahl dieser Zellen in der Gefäßwand kann jedoch zum Aufbrechen entzündlicher Plaques an den Gefäßinnenwänden führen und so, durch die Verstopfung der Blutzirkulation, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen“, erklärt der Arzt und Wissenschaftler.

Die experimentelle Gabe eines ß3-Rezeptorblockers, der den für die Bildung dieser Entzündungszellen verantwortlichen Rezeptor hemmt und so die Vermehrung der Entzündungszellen begrenzt, bestätigt den von den Forschern gezeigten Zusammenhang:

So beobachteten sie, dass bei gezielt unter Stress gesetzten Mäusen durch Gabe eines ß3-Blockers die Anzahl der weißen Blutkörperchen im Blut begrenzt und deren Risiko für Arteriosklerose gesenkt wurde. Die Hemmung dieses ß3-Rezeptors könnte somit ein wichtiger therapeutischer Ansatzpunkt sein.

Den Zusammenhang zwischen Stress und dem Immunsystem überprüften die Forscher parallel an 29 ärztlichen Mitarbeitern einer Intensivstation, bei denen aufgrund einer hohen Arbeitsbelastung, Schichtdienst und Entscheidungszwang in kurzer Zeit von einem hohen Stresspegel ausgegangen werden kann.

Die Auswertung von Fragebögen zum Stressempfinden des medizinischen Personals und Blutproben ergab einen direkten Zusammenhang zwischen Stress und erhöhter Anzahl an weißen Blutkörperchen.

„Erstklassige Grundlagenforschung aus unserer Klinik zeigt die singuläre Stellung einer universitären Einrichtung, wo Hochleistungsmedizin und Hochleistungsforschung Hand in Hand gehen“, betont Prof. Dr. Christoph Bode, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie I des Universitäts-Herzzentrums.

Originaltitel der Arbeit: Chronic variable stress activates hematopoietic stem cells.
Nature Medicine (2014) doi:10.1038/nm.3589
http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/full/nm.3589.html

Kontakt:
Dr. Timo Heidt
Klinik für Kardiologie und Angiologie I
Universitäts-Herzzentrum
Freiburg • Bad Krozingen
Tel.: 0761 270-35610
E-Mail: timo.heidt@universitaets-herzzentrum.de

Weitere Informationen:

http://www.herzzentrum.de/Home/Presse/Pressemitteilungen-Detail/154

Benjamin Waschow | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen
11.12.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik