Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Widerstand gegen die Resistenz - Neue Therapie-Chancen bei Eierstockkrebs

12.04.2010
Die Entwicklung eines neuen Therapeutikums zur Behandlung von besonders aggressivem Eierstockkrebs zeigt erste vielversprechende Ergebnisse.

Mit einem monoklonalen Antikörper ist es in Laborversuchen gelungen, die Resistenz der Tumorzellen gegen einen natürlichen Abwehrmechanismus zu schwächen. Das ist das jetzt publizierte Ergebnis eines vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützten Projektes, das zusätzlich auch einen bisher unbekannten Zusammenhang zwischen sogenannten Natural Killer Cells und dem regulierten Zelltod von Krebszellen finden konnte.

Selbstmord ist gut. Zumindest aus Sicht des menschlichen Körpers, wenn es um Krebszellen geht. Tatsächlich gibt es einen als "Regulierten Zelltod" - oder Apoptose - bezeichneten Mechanismus im Körper höherer Lebewesen, der potenziell schädliche Zellen eliminiert. Auch gegen Tumorzellen des Eierstockkrebses gibt es einen solchen Schutzmechanismus des Körpers. Dieser wird durch den Botenstoff TRAIL (Tumour Necrosis Factor Related Apoptosis Inducing Ligand) initiiert, der an Rezeptoren der Tumorzellen bindet und ein Selbstmordprogramm abruft. Dass Eierstock-Tumore trotzdem entstehen und diesen Krebs zum tödlichsten des weiblichen Sexual- und Fortpflanzungstraktes machen, hat auch seinen Grund in der Resistenz gegen TRAIL: Einige Tumorzellen reagieren einfach nicht auf das Selbstmordsignal. Eine Gruppe um Prof. Michael Krainer, Leiter der Arbeitsgruppe für Molekulare Genetik, Abteilung Onkologie, an der Klinik für Innere Medizin I des Wiener AKHs, leistet nun Widerstand gegen diese Resistenz.

HEISSE FÄHRTE TRAIL
Wesentliche Dienste leistet ihnen dabei ein monoklonaler Antikörper, ein spezielles Protein, das mit hoher Spezifität Zellstrukturen erkennt. Der als AD5-10 bezeichnete Antikörper bindet ganz speziell an jene Rezeptoren, die für gewöhnlich das TRAIL-Signal empfangen und weiterleiten. Dazu meint Prof. Krainer: "Neben Studien, in denen TRAIL selber als Therapeutikum eingesetzt wird, werden auch sogenannte monoklonale Antikörper untersucht, die wie AD5-10 an den TRAIL-Rezeptor binden. Diese können aber nur dann ein Selbstmordsignal auslösen, wenn keine Resistenz gegen TRAIL existiert. AD5-10 ist nun besonders, da er zwar wie die anderen monoklonalen Antikörper an den TRAIL-Rezeptor bindet, aber nicht genau an jene Stelle, an die TRAIL selbst andockt. AD5-10 kann also zusammen mit TRAIL an den Rezeptor gebunden vorkommen."

Das Team um Prof. Krainer postulierte nun eine Hypothese, die die einzigartige Bindungsstelle von AD5-10 am Rezeptor berücksichtigt: Es könnte möglich sein, dass AD5-10 durch seinen besonderen Angriffspunkt eine Wirkung von TRAIL beeinflussen und vielleicht auch eine Resistenz beseitigen kann. Zu den Ergebnissen meint Prof. Krainer: "Es funktioniert tatsächlich! In Zellkulturen und in Tiermodellen konnten wir zeigen, dass TRAIL-resistente Tumorzellen des Eierstockkrebses gegenüber TRAIL wieder empfindlich werden, wenn TRAIL und AD5-10 gleichzeitig vorhanden sind."

ANTIKÖRPER ALS TURBO
Weiters vermutete Prof. Krainer, dass AD5-10 die Wirkung von häufig verwendeten Chemotherapeutika verstärken könnte. So untersuchte er die Wechselwirkungen von AD5-10 mit zahlreichen Medikamenten, die zur Behandlung von Eierstockkrebs eingesetzt werden. Auch diese Untersuchungen verliefen erfolgreich: "In Zellkulturen konnten wir zeigen, dass die gemeinsame Wirkung von AD5-10 mit Carboplatin - einem häufig zur Behandlung verwendeten Chemotherapeutikum - größer war als die Summe der Effekte bei Einzelgabe. Tatsächlich zeigte sich im Tiermodell dann auch noch, dass AD5-10 eine Resistenz gegen Carboplatin aufheben kann."

Das Team um Prof. Krainer beobachtete auch, dass diese Anti-Tumorwirkung von AD5-10 nur dann auftritt, wenn sogenannte Natural Killer Cells (NK Cells) in der Mikroumgebung des Tumors vorhanden sind. Für Prof. Krainer ein spannender Hinweis, dass diese Zellen eine wichtige Funktion bei der durch AD5-10 initiierten Apoptosis haben - und vielleicht auch bereits der Anfang eines weiterführenden Forschungsprojektes.

Originalpublikation: Natural immunity enhances the activity of a DR5 agonistic antibody and carboplatin in the treatment of ovarian cancer. A. El-Gazzar, P. Perco, E. Eckelhart, M. Anees, V. Sexl, B. Mayer, Y. Liu, W. Mikulits, R. Horvat, T. Pangerl, D. Zheng, M. Krainer, Mol Cancer Ther, 1535 - 7163.MCT-09-0933; Published OnlineFirst April 6, 2010; doi:10.1158/1535-7163.MCT-09-0933

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Michael Krainer
Medizinische Universität Wien
Spitalgasse 23
1090 Wien
T +43 / 664 / 183 76 77
E michael.krainer@meduniwien.ac.at
Der Wissenschaftsfonds FWF:
Mag. Stefan Bernhardt
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 - 8111
E stefan.bernhardt@fwf.ac.at
Redaktion & Aussendung:
PR&D - Public Relations für Forschung & Bildung Campus Vienna Biocenter 2 1030 Wien T +43 / 1 / 505 70 44 E contact@prd.at W http://www.prd.at

Marta Korinkova | PR&D
Weitere Informationen:
http://www.meduniwien.ac.at
http://www.fwf.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie