Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wichtiger Schritt in Alzheimer-Forschung gelungen

01.09.2011
Wissenschaftlern des Paul-Flechsig-Instituts für Hirnforschung der Universität Leipzig ist ein bedeutender Schritt bei der Erforschung der noch immer unheilbaren Alzheimer-Krankheit gelungen.

Eine Arbeitsgruppe um Prof. Steffen Roßner hat gemeinsam mit Experten der Hallenser Biotechnologie-Firma Probiodrug um Prof. Hans-Ulrich Demuth einen Mechanismus aufgeklärt, durch den krankhafte Proteinablagerungen in den Hippocampus von Alzheimer-Patienten gelangen. Der Hippocampus ist der Teil des Gehirns, der für das Lernen und das Gedächtnis verantwortlich ist.

Durch die neuen Erkenntnisse, die kürzlich in der renommierten internationalen Fachzeitschrift "Acta Neuropathologica" veröffentlicht wurden, könnte dieser Krankheit künftig durch noch zu testende Medikamente vorgebeugt werden. Auch eine wirksame Behandlung in einem sehr frühen Stadium von Alzheimer sei dadurch möglich, sagte Prof. Roßner.

Die Hirne von Alzheimer-Patienten sind unter anderem durch krankhafte Ablagerungen sogenannter Amyloid-Peptide gekennzeichnet. Diese mikroskopisch sichtbaren Aggregate sind in Hirnstrukturen, die für Lernen und Gedächtnis wichtig sind, nachweisbar. Wird zu viel von diesen Peptiden gebildet oder werden sie zu langsam abgebaut, reichern sie sich im Hirngewebe an, verklumpen und bilden schließlich die von Alzheimer beobachteten Ablagerungen. Allerdings werden Amyloid-Peptide auch im gesunden Hirn gebildet, wo sie wichtige Funktionen besitzen. Im Gegensatz dazu lassen sich im Hirn von Alzheimer-Patienten krankhafte Formen dieser Peptide nachweisen, die verstärkt verklumpen, schwer abbaubar und neurotoxisch sind.

Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler haben in ihrer zweijährigen Forschungsarbeit herausgefunden, dass dieses bösartige Amyloid über Nervenfasern in den Hippocampus gelangt. "Wir haben die Transportprozesse in Echtzeit beobachtet", erklärte Prof. Roßner. Zudem fanden sie heraus, dass das Enzym Glutaminyl-Zyklase für verschiedene Formen dieser Ablagerungen verantwortlich ist. "Es ist das erste Mal, dass im Gehirn von Alzheimer-Patienten der Zusammenhang zwischen diesem Enzym und dem bösartigen Amyloid nachgewiesen wurde", sagte der Hirnforscher. Ziel ist es nun, das Enzym durch die Verabreichung zielgerichteter Wirkstoffe zu hemmen, um die Bildung des bösartigen Amyloids und der krankhaften Ablagerungen zu verhindern. Die Entwicklung und Testung dieser Wirkstoffe läuft bereits bei den Hallenser Kooperationspartnern.

Als nächster Schritt nach diesen neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen müsse nun in klinischen Studien getestet werden, "wie gut die entsprechenden Medikamente vom Körper aufgenommen werden, wie gut sie im Gehirn wirken und welche Nebenwirkungen sie haben", betonte der Experte. Das neue Medikament müsste sehr frühzeitig verabreicht werden - etwa bei der vererbbaren Form der Erkrankung, bei der Nachkommen von Patienten in jedem Fall Alzheimer bekommen werden. Betroffene seien oft bereit, an solchen Studien mitzuwirken. "Eigentlich darf man nur medikamentös behandeln, wenn jemand krank ist", sagte Prof. Roßner. Mit den aktuellen Forschungen wurde der von den Hallenser Kollegen entwickelte Therapieansatz validiert. Damit könne die Entstehung einer besonders aggressiven Form der Amyloid-Peptide verhindert werden ohne die für den gesunden Menschen wichtige Funktion der "normalen" Amyloid-Peptide zu beeinträchtigen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Steffen Roßner
Telefon: +49 341 97-25758
E-Mail: steffen.rossner@medizin.uni-leipzig.de

Dr. Manuela Rutsatz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~pfi

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften