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Weniger Migräneanfälle in der Schwangerschaft

18.01.2010
Hirnrinden Aktivität normalisiert sich - Geräusche werden als weniger störend empfunden

In der Schwangerschaft kommt es bei etwa zwei Dritteln der Patientinnen zu einer Besserung ihrer Migräne. Dies gilt besonders für die letzten beiden Drittel der Schwangerschaft. Bei manchen Patientinnen bleiben Attacken sogar ganz aus.

Möglicherweise beruht diese Besserung auf hormonell bedingten Änderungen der Aktivität der Hirnrinde. Die Gehirnrinde von Migränepatienten reagiert vor einer Migräneattacke auf stets wiederkehrende Reize anders als die von Menschen, die nicht an Migräne leiden. Migräniker, denen eine Attacke kurz bevor steht, können wiederkehrende Reize schlechter "ausblenden".

Durch elektrophysiologische Untersuchungen der Hirnströme kann gemessen werden, ob die Gehirnrinde wiederkehrende Reize zunehmend "ausblendet". Man nennt dies kortikale Habituation. Bei einer verminderten kortikalen Habituation stört schon ein regelmäßig tickender Wecker bei Nacht. Reagiert die Hirnrinde normal, blendet sie das Ticken des Weckers einfach aus und das Geräusch des tickenden Weckers wird als weniger störend empfunden. Wissenschaftler aus Kiel und Rostock haben untersucht, ob mit der verminderten Häufigkeit von Migräneanfällen in der Schwangerschaft auch eine Normalisierung der Aktivität in der Hirnrinde (kortikale Habituation) einhergeht.

"Oft berichten Frauen, die unter Migräne leiden, dass sie ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft deutlich weniger Migräneanfälle als gewöhnlich erleiden. Es ist auch bekannt, dass Migränepatienten im schmerzfreien Intervall zwischen zwei Migräneanfällen eine verminderte kortikale Habituation aufweisen," sagte Prof. Dr. Peter Kropp, Vizepräsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und Mitglied des Forscherteams. Das heißt, in dem Intervall reagieren Migränepatienten im Gegensatz zu gesunden Menschen länger und intensiver auf unbedeutende Reize wie zum Beispiel Geräusche.

Um die elektrischen Hirnaktivität bei Schwangeren zu messen, führten die Wissenschaftler mit Hilfe eines Elektroenzephalographen (EEG) Untersuchungen bei 14 schwangeren Migränepatientinnen in unterschiedlichen Schwangerschaftswochen und 15 schwangeren Gesunden durch. Außerdem wurden 16 nicht-schwangere gesunde Frauen und zwölf nicht-schwangere Migränepatientinnen untersucht. Die Teilnehmerinnen hatten die Aufgabe, auf bestimmte Töne zu achten, die wenige Sekunden zuvor über einen Warnton angekündigt wurden. Die Reaktion der Hirnströme (EEG) diente zur Bestimmung der kortikalen Habituation. Die Wissenschaftler stellten fest, dass sich die schwangeren Migränepatientinnen im letzten Schwangerschaftsdrittel nicht von der Gruppe der Gesunden unterschieden. Dagegen waren vier Wochen nach der Entbindung bereits wieder deutliche Unterschiede zu messen. Ein Grund für die verbesserte kortikale Habituation während der Schwangerschaft dürfte darin liegen, dass während der Schwangerschaft weniger Schwankungen der Hormonspiegel auftreten als während des monatlichen Zyklus.

Referenz:
Darabaneanu S, Kropp P, Niederberger U, Strenge H, Gerber WD (2008). Effects of pregnancy on slow cortical potentials in migraine patients and healthy controls. Cephalalgia 28(10):1053-1060.
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Peter Kropp
Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie
Zentrum für Nervenheilkunde
Medizinische Fakultät der Universität Rostock
Gehlsheimer Straße 20
18147 Rostock
E-Mail peter.kropp@med.uni-rostock.de
Generalsekretärin und Pressesprecherin
PD Dr. med. Stefanie Förderreuther
Klinikum Großhadern
Neurologische Klinik der Universität München
Marchonistr. 15
D- 81377 München
Telefon +49 89 5160 2459
Telefax +49 89 5160 4915
E-Mail Steffi.Foerderreuther@med.uni-muenchen.de

Rita Wilp | idw
Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de

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