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Wenige Minuten entscheiden über Leben und Tod

18.10.2010
Experten des LMU-Klinikums wirken bei der Gestaltung der neuen europäischen Leitlinien zur Reanimation mit

Eine Notsituation kann jeden treffen und das meistens unvorbereitet. Im Falle eines plötzlichen Herzstillstandes beispielsweise wird schnelles und zielgerichtetes Handeln der Umstehenden notwendig.

Nicht nur die Profis sind gefragt, sondern auch Laien, welche umgehend Rettungskräfte informieren und die Betroffenen bis zum Eintreffen des Notarztes betreuen. Laien bekommen in Erste-Hilfe-Kursen eine Anleitung für richtiges Verhalten im Notfall, für professionelle Rettungskräfte stehen Leitlinien zur Reanimation zur Verfügung, die die neuesten Kenntnisse von Medizin und Forschung berücksichtigen.

Prof. Dr. Uwe Kreimeier, Anaesthesist am Klinikum der Universität München und leitender Notarzt, wirkte bei der Gestaltung dieser international konsentierten Richtlinien mit.

Jährlich erleiden 350.000 – 700.000 Personen in Europa einen Herz-Kreislaufstillstand. Gründe dafür sind neben bereits vorliegenden Herzerkrankungen beispielsweise auch Lungen-, Gehirn- oder Krebsleiden.

Außerdem können Traumata durch Unfälle, Drogen- und Medikamentenüberdosis einen Kreislaufstillstand auslösen. Die im Jahr 2005 veröffentlichten Leitlinien zur Reanimation („Cardiopulmonary Resuscitation (CPR) and Emergency Cardiovascular Care (ECC)“) sind Behandlungsempfehlungen für die Notfall- und Rettungsmedizin, die europaweit standardisierte Behandlungsabläufe der Reanimation beschreiben.

Sie gelten auch am Klinikum der Universität München als Vorlage für Behandlungsabläufe im Notfall. Ein Beispiel für ein vorgeschriebenes Vorgehen ist die sogenannte Rettungskette, sie umfasst folgende Maßnahmen: das frühe Erkennen der Notsituation, Überprüfen der Atmung, Informieren des Rettungsdienstes (Notruf), die Herz-Lungen-Wiederbelebung durch Thoraxkompression und Beatmung in einem Rhythmus von 30:2, die Defibrillation und die erweiterten Maßnahmen nach der Reanimation, um die Lebensqualität, d.h. beispielsweise die Herz- und Gehirnfunktionen, wiederherzustellen.

Epidemiologische Daten zeigen, dass in Deutschland mit 60 bis 80 Reanimationen pro 100.000 Einwohnern zu rechnen ist. In Abhängigkeit von der Tatsache, ob ein Notfallzeuge anwesend ist und sofort mit einer effizienten Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnt, liegt die Überlebensrate nach außerklinischer Reanimation bei 25 bis über 50 Prozent. Allerdings sinkt die Überlebenschance mit jeder Minute, in der keine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchgeführt wird, um circa zehn Prozent. Als besonders wichtig hat sich erwiesen, frühestmöglich einen Defibrillator (automatisierter externer Defibrillator: AED) einzusetzen, der an vielen öffentlichen Orten zu finden ist.

Bei innerklinischen Notfällen am LMU-Klinikum steht rund um die Uhr ein zentrales, speziell geschultes Herzalarm-Team der Klinik für Anaesthesiologie bereit. In medizinischen Notfällen ist das Team innerhalb von drei bis vier Minuten vor Ort. Von circa 350 Einsätzen pro Jahr geht es in einem Drittel um Reanimation bei Kreislaufstillstand. Die Erfolgsquote liegt im internationalen Vergleich höher als bei den meisten Kliniken.

Da sich der Kenntnisstand im Bereich der Reanimation ständig weiterentwickelt, müssen die Leitlinien regelmäßig überarbeitet werden. Ein Komitee, bestehend aus über 300 renommierten, internationalen Experten, erstellt alle fünf Jahre auf Basis des aktuellen Wissens neue Behandlungsmethoden. Auf der Leitlinienkonferenz im Februar 2010 in Dallas wurde das Klinikum vertreten durch Prof. Kreimeier. Die neuen Leitlinien werden am 18. Oktober veröffentlicht, am Tag darauf findet dazu am Campus Großhadern des Klinikums der Universität München ein Fach-Symposium statt.

Das Klinikum engagiert sich neben der professionellen Notfallmedizin auch für die notfallmedizinische Ausbildung für Laien. Schon Schüler sollen für Erste-Hilfe- und Wiederbelebungsmaßnahmen in Notfällen sensibilisiert werden. Deshalb unterstützt die Klinik für Anaesthesiologie des Klinikums der Universität München unter anderem den Verein miniSANITÄTER e.V. bei seinen Projekten. So veranstaltet das Klinikum zusammen mit miniSANITÄTER e.V. das Oberbayerische Schulsanitäts-Symposium am 23. Oktober 2010 am Campus Großhadern.

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

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