Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zu wenig Operationen bei verengtem Wirbelkanal, zu viele Eingriffe an der Bandscheibe

25.04.2012
Die Anzahl an Bandscheibenoperationen in Deutschland ist innerhalb von fünf Jahren um 43 Prozent gestiegen.

Doch eine Operation sei oft erst notwendig, wenn etwa die Blasenfunktion gestört ist oder Lähmungen auftreten, so Experten im Rahmen des 129. Chirurgenkongresses.

Um überflüssige Eingriffe zu vermeiden empfehlen orthopädische Chirurgen und Neurochirurgen zuvor eine körperliche Untersuchung. Dagegen sei eine Internet-Zweitmeinung nicht aussagekräftig. Zunehmender Handlungsbedarf bestehe dagegen bei einer Wirbelkanalenge. Sie kann zu starken Schmerzen und Gehbehinderungen führen.

Wann eine Operation an der Wirbelsäule notwendig ist, darüber informieren Experten auf zwei Pressekonferenzen im Rahmen des 129. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH).

Nahezu 85 Prozent aller Menschen leiden einmal in ihrem Leben an Rückenschmerzen, die meisten von ihnen auch wiederholt. Um unnötige Eingriffe an der Bandscheibe zu verhindern, empfiehlt etwa die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) ein Drei-Stufen-Verfahren zur Entscheidungsfindung. „Wir wollen Ärzten und Patienten mit diesem Vorgehen mehr Sicherheit im Umgang mit Bandscheibenvorfällen ermöglichen“, erklärt der DGNC-Vorsitzende Professor Dr. med. Jürgen Meixensberger im Rahmen des 129. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Das Drei-Stufen-Verfahren zur Abklärung von Bandscheibenvorfällen sieht im ersten Schritt die körperliche Untersuchung vor. „Der Arzt untersucht den Patienten auf Rücken- und Beinschmerz, prüft, ob Gefühlsstörungen oder Lähmungen vorliegen und wie weit diese Veränderungen fortgeschritten sind“, erklärt Professor Dr. med. Jürgen Meixensberger, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Leipzig.

Danach folgt die Begutachtung von CT- oder MRT-Bildern, um zu klären, ob zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall die Ursache dieser Beschwerden ist. „In einem dritten Schritt leitet der Arzt ein Therapiekonzept ab. Dabei gilt: Rückenschmerzen alleine erfordern keine OP, Lähmungen sprechen jedoch dafür. „Liegt der Fall dazwischen, sollten Ärzte die Entscheidung mit dem Patienten gemeinsam treffen“, erläutert Meixensberger. „Ein selbstständiger Unternehmer ist unter Umständen darauf angewiesen, schnell schmerzfrei zu werden – und zieht aus diesem Grund eine Operation einer langwierigen konservativen Behandlung mit Schmerzmitteln und Physiotherapie vor.“

In diesem Zusammenhang warnen die DGNC und die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) vor Ferndiagnosen bei Bandscheibenproblemen. Anbieter stellen diese im Internet oft gegen Vorkasse in Aussicht. „Ein Bandscheibenvorfall kann nicht allein aufgrund von Bildern beurteilt werden. Es gehört immer eine körperliche Untersuchung dazu“, betont Professor Dr. med. Bernd Kladny, Leiter der Sektion Rehabilitation der DGOOC.

Handlungsbedarf sehen Neurochirurgen bei der Wirbelkanalenge, einer Verschleißerkrankung. „Diese Spinalkanalstenosen werden mitunter übersehen und häufig zu spät operiert. Dabei stehen hier sehr wirksame Verfahren zur Verfügung, die verlorene Lebensqualität zurückgeben“, erklärt Professor Meixensberger. Die Enge entsteht, weil der Knochen am Wirbelkörper den Kanal überwuchert. Der Knochen drückt die Nervenstränge im Kanal, was bei den Betroffenen starke Rücken- und Beinschmerzen verursacht. „Typischerweise verstärkt sich der Schmerz bei andauerndem Stehen oder Gehen“, so Meixensberger. „Die Patienten können keine längeren Wegstrecken mehr zurücklegen, keine Ausstellung besuchen.“

Die starken Schmerzen und die fehlende Mobilität führen zu einer großen Einbuße an Lebensqualität. „Häufig wird zu lange mit Physiotherapie behandelt und eine Operation herausgezögert“, stellt Meixensberger fest. Bei dem Eingriff tragen die Neurochirurgen das in den Kanal gewachsene knöcherne Material und die Bandstrukturen ab, befreien die Nerven so von dem Druck. „Dieser Eingriff lässt sich heute nach sorgfältiger Vorbereitung auch bei 80-Jährigen mit einem vertretbaren Risiko durchführen, die sonst zu Invaliden würden“, betont Meixensberger.

Kontakt für Journalisten:

Christine Schoner/Christina Seddig
Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)
Pf 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel: 0711 8931-573
Fax: 0711 8931-167
schoner@medizinkommunikation.org
seddig@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgch.de
http://www.chirurgie2012.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise