Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltweites Echo für Meilenstein in der europäischen MSA Forschung

18.02.2013
• Bislang größter Erfolg für das Innsbrucker MSA-Team
• Prognose für Krankheitsverlauf der neurodegenerativen Erkrankung möglich
• Studiendaten als Basis für Entwicklung gezielter Therapie

Von der fortschreitenden, tödlich verlaufenden Erkrankung Multisystematrophie (MSA) sind in Österreich etwa 1000 Menschen betroffen - im Vergleich zu 30.000 Parkinson-Erkrankten. Bis heute gibt es keine wirksame Therapie, doch nun liefern Innsbrucker Forscher zukunftsweisende Erkenntnisse für die Entwicklung spezifischer Therapiestudien und ebnen damit den Weg für eine gezielte Behandlung.

Der Untergang von Zellen in bestimmten Regionen des Gehirns ist Ursache für die Entwicklung der neurodegenerativen Erkrankung MSA. Die Symptome sind vielfältig und betreffen vor allem das autonome Nervensystem (wie Blasenentleerungsstörungen und Blutdruckstürze) und motorische Funktionen mit der häufigen Manifestation eines Parkinson-Syndroms mit oder ohne Ataxie (Kleinhirnfunktionsstörung).

Für die MSA spezifisch ist das Nicht-Ansprechen auf die Parkinson-Therapie, was zum rasch progressiven Verlauf der Krankheit beiträgt. „Eine möglichst frühzeitige und gezielte Diagnose optimiert die Wirksamkeit therapeutischer Maßnahmen bei MSA, für die es bislang allerdings keine Heilung gibt", weiß Univ.-Prof. Gregor Wenning, der gemeinsam mit Univ.-Prof. Werner Poewe, Direktor der Univ.-Klinik für Neurologie, an der Medizinischen Universität Innsbruck eine europäische MSA-Studiengruppe (EMSA-SG) etabliert hat.

In den vergangenen Jahren konnten im Rahmen dieses Forschungsnetzwerkes bereits einige wertvolle Beiträge zur Pathogenese und dem Verlauf der Erkrankung geleistet werden, etwa mit der Entwicklung einer krankheitsspezifischen Skala (Unified MSA Rating Scale, UMSARS http://dx.doi.org/10.1002/mds.20255) oder der Charakterisierung bildgebender Surrogatmarker (Messwert für die Therapiewirkung in klinischen Studien).

Meilenstein für die Entwicklung wirksamer MSA-Therapien
Mit den Ergebnissen einer neuen, im renommierten Wissenschaftsjournal The Lancet veröffentlichten, prospektiven Studie unter der Leitung von Prof. Wenning ist man nun der Entwicklung wirksamer Behandlungsstrategien einen großen Schritt näher gekommen. „Unsere Studienergebnisse erlauben die detaillierte Beschreibung des natürlichen Krankheitsverlaufs, die Angabe von Progressionsraten sowie von Prädiktoren für einen guten bzw. schlechten Krankheitsverlauf. Darüber hinaus wurde eine Datenbank zur Fallzahlerstellung für künftige Therapiestudien erstellt“, erklärt Prof. Wenning.

In der Kohortenstudie wurden 141 MSA-PatientInnen zwei Jahre lang mittels standardisiertem EMSA Minimal Datensatz sowie der UMSARS untersucht. Aus den gewonnenen Daten lassen sich sechs zentrale Ergebnisse ableiten:

• Betroffene zeigen mit durchschnittlich 56 Jahren erste Symptome für MSA, das mediane Überleben ab Diagnose beträgt 9,8 Jahre
• Das Vorliegen der Parkinson-Variante (MSA-P) sowie einer schweren neurogenen Blasenstörung bedeuten eine ungünstige Prognose
• Die UMSARS-Progressionsrate beträgt teilweise bis zu 70 Prozent in zwei Jahren
• Nicht nur motorische, auch vegetative Symptome (z.B. Pollakisurie, Harndrang, Dranginkontinenz, Harnretention, Impotenz, posturaler Schwindel, Synkopen) verlaufen rasch progredient
• Eine kürzere Krankheitsdauer bei Diagnose sowie mangelndes Ansprechen auf die Parkinsontherapie lassen eine rasche UMSARS-Progression erwarten

• Basis für Fallzahlerstellung: Für eine Interventionsstudie (Therapie X) sind 260 PatientInnen notwendig, um eine 30prozentige Wirkung in einem einjährigen Studiendesign bei einer statistischen Aussagekraft von 80% Power nachweisen zu können

„Die Ergebnisse dieser ersten großen multizentrischen Studie liefern somit einen wertvollen Beitrag für die Durchführung von Interventionsstudien (Überprüfung der Wirksamkeit von Therapien) und damit für die künftige Behandlung von MSA-PatientInnen“, resummieren Prof. Werner Poewe und Prof. Gregor Wenning.

Hintergrund
Neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson, Multisystematrophie und Angststörungen sind im Rahmen des neurowissenschaftlichen Schwerpunktes der Medizinischen Universität Innsbruck bzw. des universitätsübergreifenden Spezialforschungsbereichs zur Erforschung chronischer Erkrankungen des zentralen Nervensystems (SFB-F44) am Standort Innsbruck Gegenstand intensiver Forschung. Die europäische MSA Studiengruppe wurde von Prof. Poewe und Prof. Wenning im Januar 1999 in Innsbruck gegründet und repräsentiert ein wissenschaftliches Konsortium aus ForscherInnen und akademischen Zentren in Europa und Israel. Das Hauptaugenmerk der EMSA-SG liegt auf der Entwicklung krankheitsmodifizierender Therapien durch eine intensive translationale Forschungsausrichtung mit Evaluierung von innovativen, neuroprotektiven Strategien. Das von Prof. Nadia Stefanova geleitete experimentelle Neurobiologie-Labor ist in das Neurologische Forschungslabor (Leiter: Prof. Markus Reindl) am Department für Neurologie eingebettet und weltweit das einzige mit 100prozentiger Ausrichtung auf translationale MSA-Forschung.
Pressebilder mit Bildunterschriften
Zum Herunterladen: http://www.i-med.ac.at/pr/presse/2013/12.html
Zur freien Verwendung – Copyright Medizinische Universität Innsbruck/Lackner
Für Rückfragen:
Univ.-Prof. Dr. Gregor K. Wenning
Univ.-Klinik für Neurologie
Abteilung für Neurobiologie
Tel.: +43 (0)512/504-81811
E-Mail: Gregor.Wenning@i-med.ac.at

Medienkontakt:
Medizinische Universität Innsbruck
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
Mag.a Doris Heidegger
Innrain 52, 6020 Innsbruck, Austria
Telefon: +43 512 9003 70081
public-relations@i-med.ac.at, www.i-med.ac.at
Weiterführende Links:
The natural history of multiple system atrophy: a prospective European cohort study. Gregor K. Wenning et al, for The European Multiple System Atrophy Study Group., Lancet Neurol. 2013 Feb 4.

http://dx.doi.org/10.1016/S1474-4422(12)70327-7

Europäische MSA Studiengruppe
http://www.emsa-sg.org/
Abteilung für Neurobiologie
https://www.i-med.ac.at/neurobiology/
Details zur Medizinischen Universität Innsbruck
Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 1.400* MitarbeiterInnen und ca. 3.000 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich und versteht sich als Landesuniversität für Tirol, Vorarlberg, Südtirol und Liechtenstein. An der Medizinischen Universität Innsbruck werden folgende Studienrichtungen angeboten: Humanmedizin und Zahnmedizin als Grundlage einer akademischen medizinischen Ausbildung und das PhD-Studium (Doktorat) als postgraduale Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens. Neu im Studienplan seit Herbst 2011 ist das Bachelor-Studium der Molekularen Medizin. An das Studium der Human- oder Zahnmedizin kann außerdem der berufsbegleitende Clinical PhD angeschlossen werden.
Die Medizinische Universität Innsbruck ist in zahlreiche internationale Bildungs- und Forschungsprogramme sowie Netzwerke eingebunden. Die Schwerpunkte der Forschung liegen in den Bereichen Onkologie, Neurowissenschaften, Genetik, Epigenetik und Genomik sowie Infektiologie, Immunologie & Organ- und Gewebeersatz. Darüber hinaus ist die wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck im hochkompetitiven Bereich der Forschungsförderung sowohl national auch international sehr erfolgreich.
*vollzeitäquivalent

Isabelle Stummvoll | Med. Universität Innsbruck
Weitere Informationen:
http://www.i-med.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise