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Weltweit mehr Frauen von HIV betroffen als Männer

29.11.2010
Prof. Dr. Norbert Brockmeyer zum Welt-AIDS-Tag

Frauenspezifische Forschung nötig: Kompetenznetz HIV/AIDS übernimmt Verantwortung

Mehr als die Hälfte aller 22,5 Millionen HIV-infizierten Menschen weltweit sind Frauen und Mädchen. Ihr Infektionsrisiko ist aus gesellschaftlichen und anatomischen Gründen höher als das von Männern. „Frauen können sich vor allem durch sexuelle Selbstbestimmung und Prävention vor Ansteckung schützen“, betont Prof. Dr. Norbert Brockmeyer, Sprecher des Kompetenznetzes HIV/AIDS und Direktor Wissenschaft und Forschung des RUB-Klinikums St. Josef Hospital, anlässlich des Welt-AIDS-Tages am 1. Dezember. „Wir brauchen außerdem dringend eine verstärkte frauenspezifische HIV-Forschung“, fordert der Mediziner.

Im Kompetenznetz wird bereits eine Gruppe schwangerer HIV-Patientinnen untersucht. Das Kompetenznetz unterhält darüber hinaus intensive Kontakte in Regionen, in denen die HIV-Epidemie rasant voranschreitet und besonders Frauen betrifft, etwa die Ukraine.

Übertragungsrisiko ist geschlechtsabhängig

Während in Deutschland und anderen westlichen Industriestaaten die Mehrheit der Betroffenen männlich sind (ca. 80%), hat eine Frau zum Beispiel in den Ländern Subsahara-Afrikas ein bis zu achtmal höheres Risiko sich mit HIV zu infizieren als ein Mann. Das Frauen stärker gefährdet sind, sich mit HIV zu infizieren, hat viele Gründe: Beispielsweise haben in vielen Kulturkreisen Männer mehr und öfter wechselnde Sexualpartnerinnen, und sind nicht selten deutlich älter – und damit sexuell erfahrener und potentiell infektiöser – als ihre Sexualpartnerinnen. Dieser Aspekt der sexuellen Ungleichberechtigung und weit verbreiteten Frauendiskriminierung thematisiert UNAIDS im jüngst erschienenen Global-Report 2010 ausführlich.

Therapie geschlechtsspezifisch optimieren

Im Kompetenznetz HIV/AIDS, einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsnetzwerk, wurde vor kurzem eine Schwangerenkohorte etabliert, durch deren Datenauswertung frauenspezifische Forschungsfragen beantwortet werden können. Zehn Zentren sind hier bereits bundesweit eingeschlossen, die Schwangerschaftsverläufe der ersten 52 Patientinnen wurden bereits vollständig dokumentiert. Erforscht wird beispielsweise, ob sich die HIV-Therapie geschlechtsspezifisch optimieren lässt. In einer aktuellen Studie mit dem Namen „Atasafe“, die u.a. anhand von Daten von 140 Frauen der Kompetenznetz HIV/AIDS-Kohorte an der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt wird, soll die Wirksamkeit bereits etablierter hoch-aktiver-antiretroviraler HIV-Medikamente wie Atazanavir bei Frauen untersucht werden. Es wird vermutet, dass der Therapieeffekt bei Männern und Frauen unterschiedlich ist. Erste Studienergebnisse zum Therapieverlauf werden Mitte des Jahres 2011 erwartet.

Gleichberechtigung, Bildung und Selbstbestimmung fördern die sexuelle Gesundheit

Auch die gesellschaftliche Diskriminierung männlicher homosexueller Kontakte wirkt sich auf die HIV-Infektionsrate der Frauen aus: Es kommt nicht selten vor, dass Männer die ungeschützten Sex mit Männern haben, das Virus auf ihre Lebenspartnerin übertragen, mit der sie aus kulturellen oder gesellschaftlichen Gründen zusammenleben. Zudem haben viele Frauen, nicht nur in wirtschaftlich unterentwickelten Ländern, einen geringeren Bildungsstand, sind im Durchschnitt finanziell schlechter gestellt als Männer und leben dadurch in einer größeren Abhängigkeit – auch das wirkt sich negativ auf ihre gesundheitliche Lage aus. Eine Studie zum Verhältnis zwischen Einkommen und HIV-Status in Deutschland, die im Kompetenznetz HIV/AIDS an der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt wurde, zeigte, dass 49% der dokumentierten HIV-positiven Frauen lediglich über ein Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1000 Euro im Monat verfügten (Männer: 38%). Zudem beobachteten die Forscher, dass infolge der Krankheit oftmals das Einkommen sank.

Brennpunkt Ukraine: Anzahl der HIV-Infizierten Frauen steigt

In der Ukraine hat sich die Anzahl der mit HIV lebenden Personen laut der aktuellen UNAIDS-Statistik zwischen 2001 und 2009 nahezu verdoppelt. Circa 1,1 % der erwachsenen Bevölkerung hat sich hier bereits infiziert, und der Anteil der Frauen, die mit HIV leben, ist in den letzten fünf Jahren von 41% auf 45% angestiegen. Hauptproblem hier: Der intravenöse Drogengebrauch mit verunreinigten Spritzen. Es wird geschätzt, dass fast jeder zweite Drogengebraucher in der Ukraine HIV-positiv ist, in manchen Gegenden, zum Beispiel in der Stadt Kryvyi Rih, sind es sogar bis zu 88%. Zwar sind die meisten Drogengebraucher Männer, doch auch das ist für viele Frauen gefährlich: Etwa 50% der HIV-positiven Frauen in der Ukraine haben sich durch Sexualkontakte mit ihren drogenkonsumierenden Partner infiziert.

HIV-Workshop: Deutsch-Ukrainische Partnerschaft

Das Kompetenznetz HIV/AIDS unterhält seit 2008 eine enge Kooperation mit dem nationalen Ukrainischen Zentrum für HIV-Prävention in Kiew, seit 2009 gefördert durch das Internationale Büro des BMBF. Ziel der Zusammenarbeit ist es, eine Patientendatenbank ähnlich der des Kompetenznetzes HIV/AIDS in der Ukraine aufzubauen. „Mit einer solchen Datensammlung lassen sich beispielsweise klinische Forschungsfragen zu Therapieverlauf, Medikamentenentwicklung, Resistenzen und Nebenwirkungen beantworten und vielseitige epidemiologisch und sozialwissenschaftlich relevante Studien durchführen. Um der HIV-Epidemie in der Ukraine Einhalt gebieten zu können, ist ein funktionierendes, einheitliches Dokumentationssystem unbedingt notwendig“ so Prof. Brockmeyer, Sprecher des Kompetenznetzes. Am 2. und 3. Dezember findet der dritte Deutsch-Ukrainische Workshop, organisiert durch das Kompetenznetz HIV/AIDS, in Berlin und Bochum statt.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Norbert H. Brockmeyer, Sprecher KompNet HIV/AIDS, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Ruhr-Universität, Gudrunstr. 56, 44791 Bochum, Tel.: 0234-509 3471, 74, n.brockmeyer@derma.de, http://www.kompetenznetz-hiv.de/

Redaktion: Meike Drießen

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-hiv.de/

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