Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltpremiere: Transplantation einer künstlichen Bronchie

16.03.2011
Französische Ärzte des Krankenhauses Avicenne (AP-HP) haben einem an Lungenkrebs erkrankten 78 Jahre alten Patienten zum ersten Mal erfolgreich eine künstliche Bronchie transplantiert.

Das Team um Emmanuel Martinod führte diese Operation am 28. Oktober 2009 durch und begleitete den Patienten ein Jahre lang. Die Ergebnisse dieser Behandlung wurden im März 2011 in der internationalen Fachzeitschrift The Annals of Thoracic Surgery veröffentlicht [1].

Lungenkrebs ist die tödlichste Krebsform, und die beste Behandlungsmethode bestand bislang in der teilweisen oder vollständigen Entfernung des betroffenen Lungenflügels, in Abhängigkeit von der Lokalisation des Tumors. Bei der vollständigen Entfernung eines Lungenflügels – Pneumonektomie – liegt das Sterblichkeitsrisiko in den 90 Tagen nach der Operation bei 26%. Sie ist die riskanteste aller Operationen.

Bei der Pneumonektomie kommt es auch zu langfristigen Folgen: Der Patient kann zwar mit nur einem Lungenflügel leben, aber seine Atem- und Herzfunktion sind dadurch stark beeinträchtigt. Um Komplikationen zu vermeiden, versuchen die Chirurgen mindestens einen Lungenlappen zu erhalten [2].

Zu diesem Zweck wird der gesunde Teil der Bronchie ab der Trachea mit dem verbliebenen Teil der Bronchie in Höhe des Lungenlappens verbunden. Dieser chirurgische Eingriff wird jedoch in weniger als 1% der Fälle durchgeführt, da er gewisse Risiken birgt: Es muss ausreichend Lungengewebe entfernt werden, um das Risiko eines erneuten Auftretens des Krebs zu verringern, und gleichzeitig muss genügend Bronchialgewebe erhalten bleiben, um einen Bluthochdruck nach der Anastomose zu verhindern.

Bei der Operation an dem 78 Jahre alten Patienten konnten die Krebszellen mit einer höheren Sicherheitsmarge entfernt und die vollständige Ablation des Lungenflügels vermieden werden.

Die Versuche wurden im Labor von Alain Carpentier, Präsident der nationalen Wissenschaftsakademie, durchgeführt. Das Team um Emmanuel Martinod hat arterielles Gewebe aus einer Aorta genutzt, um eine rohrförmige Matrize zu erhalten. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Bronchialzellen diese Matrize besiedelten und Bronchialgewebe mit den charakteristischen Festigkeits- und Oberflächeneigenschaften bildeten. Das Bronchialgewebe setzt sich aus dem Epithelgewebe, das aus Zellen mit Flimmerhärchen (Zilien) besteht, und einer darunterliegenden Knorpelstruktur zusammen.

In etwa einhundert Operationen an einem Versuchsmodell konnte nachgewiesen werden, dass nicht nur das Aorten-Gewebe des Empfängers (autologe Transplantation), sondern auch das Gewebe von Gewebebanken genutzt werden kann, ohne das Kompatibilitätsprobleme auftreten. Ausgehend von den beiden Rändern des Transplantats besiedeln die Epithelzellen das Aorten-Innere und der Knorpelaufbau erfolgt über die körpereigenen Stammzellen des Patienten, die durch Entzündungsreaktionen zur Matrize des Transplantats wandern. Dem 78-jährigen Patienten wurde eine Stent eingeführt, um die Festigkeit des Transplantats zu gewährleisten.

Der große Vorteil dieser neuen Methode ist, dass sie keine Immunsuppressiva (unterdrücken die Abstoßung des Transplantats) voraussetzt. Diese Medikamente werden normalerweise bei Krebspatienten kontraindiziert, schwächen jedoch ihr Immunsystem. "Wir denken, dass wir die ideale Matrize gefunden haben", erklärt Emmanuel Martinod, "aber wir müssen sehr vorsichtig bleiben. Wir starten jetzt eine Studie an 20 bis 30 Patienten, die von der Direktion der Abteilung klinische Forschung und Entwicklung der AP-HP geleitet wird.

Diese Studie wird das Sterblichkeits- und Komplikationsrisiko in den 90 Tagen nach dem Eingriff analysieren. Sie wird ebenfalls Antwort auf zwei wesentliche Fragen geben: Entwickelt sich das Transplantat zu einer neuen Bronchie wie in der Versuchsphase? Wird das Transplantat fest genug, so dass wir den Stent entfernen können?"

- [1] Originalpublikation: "Human Transplantation of a Biologic Airway Substitute in Conservative Lung Cancer Surgery", The Annals of Thoracic Surgery - März 2011 - http://ats.ctsnetjournals.org/cgi/content/abstract/91/3/837?maxtoshow=&hits=10&RESULTFORMAT= &author1=Emmanuel+Martinod&andorexactfulltext=

and&searchid=1&FIRSTINDEX=0&sortspec=releva nce&resourcetype=HWCIT

- [2] Beim Menschen besteht der rechte Lungenflügel aus drei und der linke Lungenflügel aus zwei Lungenlappen.

Kontakt:

Eve Aulong - Aude Chaboissier - Anne-Cécile Bard, Kommunikationsabteilung, Assistance Publique - Hôpitaux de Paris, 3, av Victoria - 75004 Paris - Tel: 01 40 27 37 22 - E-Mail: service.presse@sap.aphp.fr

Quelle:

Pressemitteilung der staatlichen Krankenhauseinrichtung von Paris (AP-HP) - 03.03.2011 http://www.reseau-chu.org/les-articles/article/article/premiere-mondiale-greffe-dune-bronche-artificiellepour- eviter-une-ablation-complete-du-poum/#

Redakteurin: Claire Cécillon, claire.cecillon@diplomatie.gouv.fr

Claire Cécillon | Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt
24.05.2018 | Universität Bern

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics