Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltnierentag am 10. März: Lebendspende schenkt Leben – rechtzeitig

08.03.2011
Desensibilisierungs-Therapie ermöglicht Lebendspenden von Nieren auch bei unverträglichen Blutgruppen

2.200 Nierentransplantationen finden pro Jahr in Deutschland statt, davon 65 im vergangenen Jahr am Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden. Zehn der hier verpflanzten Nieren waren eine Lebendspende naher Angehöriger.

Bei drei Spenderpaaren passten die Blutgruppen nicht zusammen. Trotzdem konnten die Transplantationen erfolgreich stattfinden. Ein spezielles Desensibilisierungs-Verfahren macht Lebendnierenspenden mit bislang unverträglichen Blutgruppen möglich. Zukünftig soll dieses Verfahren mehr Menschen mit Nierenversagen helfen, rechtzeitig ein Spenderorgan zu erhalten.

Ihren 48. Geburtstag im November 2009 wird Karin Bandt aus der Nähe von Bautzen in Erinnerung behalten. An diesem Tag machte ihr Mann das Angebot, ihr eine seiner Nieren zu schenken. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits einen Monat Hämodialyse-Patientin. Zysten hatten ihre Nieren so stark geschädigt, dass diese ihre Filterfunktion nicht mehr erfüllen konnten.

Am Transplantationszentrum des Dresdner Uniklinikums ließen Peter und Karin Bandt untersuchen, ob der Ehemann als Organspender überhaupt in Frage kam. Körperlich gesund und fit erfüllte der heute 50-Jährige zwar alle Voraussetzungen dafür, doch seine Blutgruppe (A) war mit der seiner Frau (0) nicht verträglich. Eine Hürde, die noch vor wenigen Jahren diese Lebendspende unmöglich gemacht hätte. Es wäre zu einer sofortigen Abstoßung des fremden Organs gekommen. Dass die Transplantation für Peter und Karin Bandt im Januar 2011 dennoch erfolgreich stattfinden konnte, liegt an einer speziellen Therapie. „Bei Blutgruppenunverträglichkeit – in der Fachsprache AB0-Inkompatibilität – bieten wir am Dresdner Transplantationszentrum dem Organ-Empfänger eine spezielle Desensibilisierungstherapie an.

Diese entzieht vorhandene Antikörper und verhindert die Nachbildung von Antikörpern und damit eine Abstoßungsreaktion“, so Prof. Christian Hugo von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III. Der Internist und Nephrologe hat sich als auf die internistischen Aspekte der Nierenerkrankungen spezialisiert.

Der Erfolg des Dresdner Transplantationszentrums gründet auf Teamwork. Bereits bei der Vorbereitung zur Transplantation und in der Nachbetreuung unmittelbar nach der Operation, die das Ärzteteam von Prof. Manfred Wirth, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie des Dresdner Uniklinikums vornimmt, arbeiten Urologen und Nephrologen Hand in Hand. Bei einer AB0-inkompatiblen Transplantation erhält der Organ-Empfänger in der Woche vor der Operation eine sogenannte Immunadsorption. In einem Verfahren vergleichbar der Dialyse werden dem Blut die Stoffe entzogen, die eine Abwehrreaktion gegen Zellen des Spenders bewirken. Um die gewünschten Werte zu erhalten, wird die Behandlung an mehreren Tagen fortgeführt. Karin Bandt erhielt ihre letzte Immunadsorption, während ihr Mann schon im OP-Saal lag. Das OP-Team startete erst, als bei ihr die richtigen Werte erreicht waren. Eine halbe Stunde nach der Entnahme bekam Karin Bandt die Niere ihres Mannes eingepflanzt. Noch auf dem OP-Tisch begann das Organ in ihrem Körper zu arbeiten.

Im letzten Jahr wurden in Dresden insgesamt 65 Nieren transplantiert. Zehn von ihnen waren Lebendspenden, drei der Spenderpaare wiesen eine Blutgruppenunverträglichkeit auf. Bundesweit finden jährlich etwa 2.200 Nierentransplantationen statt. Die meisten sind postmortale Transplantationen. Das bedeutet, ein Organ wird nach dem Hirntod seines Spenders verpflanzt. 20 Prozent der Nierentransplantationen sind jedoch – wie im Fall von Karin und Peter Bandt – Lebendspenden.

Prof. Hugo und Prof. Wirth möchten vor allem die Zahl der Lebendspenden steigern. Denn: Den jährlich Transplantierten stehen bundesweit viermal so viele Menschen gegenüber, die auf eine neue Niere warten. Gleichzeitig geht das Angebot an Spenderorganen zurück. Die Folge sind immer längere Wartezeiten für Betroffene, mindestens fünf Jahre, meistens deutlich mehr. Viele Menschen, die auf den Wartelisten stehen, sterben, bevor sie ein Spenderorgan bekommen. Dabei ist vor allem das Krankheitsstadium für den Erfolg einer Transplantation entscheidend. Prof. Hugo: „Je früher die Transplantation stattfindet, desto besser. Mit jedem Jahr an der Dialyse verschlechtert sich der Erfolg für eine Transplantation. Im Idealfall sollte präemptiv transplantiert werden, das bedeutet, noch vor Beginn einer Dialysetherapie. Dies ist jedoch nur durch die Leb-endspende eines nahen Angehörigen möglich“.

Karin Bandt geht es gut nach der Transplantation. Die Medikamente zur Unterdrückung ihres Immunsystems, die jeder Organ-Empfänger nehmen muss, verträgt sie ebenfalls. Und Peter Bandt? „Auch er hat die Operation gut überstanden, er ist zurzeit in der Reha“, so seine Frau. Schon im Frühjahr will er wieder als Lehrer im Aus- und Fortbildungsinstitut der Polizei arbeiten. Karin Bandts Sorge, der gute Gesundheitszustand ihres Mannes könne sich durch die Nierenspende verschlechtern, konnten ihr die Ärzte des Dresdner Transplantati-onszentrums nehmen. „Nierenspender haben im Normalfall kein erhöhtes Gesundheitsrisiko und können nach der Operation wieder ihr gewohntes Leben führen“, so Prof. Wirth.

Seit dem letzten Jahr bietet das Dresdner Nierentransplantationszentrum regelmäßig Patienten-Seminare an, auf denen die Betroffenen über Chancen und Risiken zur Transplantation informiert werden und ihre Anliegen direkt besprochen werden. Das nächste Patienten-Seminar findet am 4. Juni 2011 im Universitätsklinikum, Haus 40, Dekanatshörsaal, Fiedlerstraße 27 in Dresden statt.

Kontakte

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Prof. Dr. med. Christian Hugo
Tel.: 0351 458 4879
Fax: 0351 458 5333
E-Mail: Christian.Hugo@uniklinkum-dresden.de
Internet: http//mk3.uniklinikum-dresden.de
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Klinik und Poliklinik für Urologie
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Manfred Wirth
Tel.: 0351 458-2447
Fax: 0351 458-4333
E-Mail: Manfred.Wirth@uniklinikum-dresden.de
Internet: http://urologie.uniklinikum-dresden.de

Holger Ostermeyer | idw
Weitere Informationen:
http://urologie.uniklinikum-dresden.de
http://mk3.uniklinikum-dresden.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Breitbandservices von DNS:NET erweitert

20.06.2018 | Unternehmensmeldung

Mit Parasiten infizierte Stichlinge beeinflussen Verhalten gesunder Artgenossen

20.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics