Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltgesundheitsorganisation empfiehlt niedrigere Referenzwerte für Radon in Wohnungen

22.09.2009
Weltgesundheitsorganisation und Bundesamt für Strahlenschutz veröffentlichen neues Radonhandbuch

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt neue und niedrigere Referenzwerte für das radioaktive Edelgas Radon in Wohnungen. Das geht aus dem neuen Radonhandbuch hervor, das die WHO in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) erstellt und heute veröffentlicht hat.

"Damit bestätigt die WHO den Referenzwert, den das BfS seit 2004 für Deutschland empfiehlt" erklärte der Präsident des BfS, Wolfram König heute in Salzgitter und ergänzte: "Das zeigt, dass wir uns am aktuellen internationalen Stand der Wissenschaft orientieren".

Die WHO schlägt vor, dass künftig in allen beteiligten Ländern ein Referenzwert von 100 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m3) Raumluft gelten soll. Der Referenzwert stellt die maximal akzeptable Radonkonzentration in einem Wohnraum dar. Diesen Wert hatte das BfS 2004 auch für ein bisher nicht umgesetztes nationales Radonschutzgesetz empfohlen.

Die fachliche Grundlage für die neue WHO-Empfehlung liefern mehrere kürzlich veröffentlichte Studien aus Europa, Nordamerika und Asien. Diese weisen nach, dass Radon einen erheblichen Anteil der Fälle von Lungenkrebs in der Bevölkerung verursacht. Nach derzeitigen Schätzungen sind weltweit 3 bis 14 Prozent der Lungenkrebsfälle durch Radon verursacht.

König: "Diese Ergebnisse bestätigen die Untersuchungen, die das BfS 2004 für Deutschland durchgeführt hat. Für Deutschland ergab die Schätzung, dass rund 5 Prozent Lungenkrebsfällen pro Jahr radonbedingt sind". Somit ist Radon nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache von Lungenkrebs. Aufgrund einer starken Wechselwirkung zwischen Rauchen und Radon treten die meisten radon-verursachten Lungenkrebsfälle bei Rauchern auf.

Die WHO empfiehlt aufgrund der Ergebnisse nationale Radonprogramme für alle beteiligten Länder, mit denen die Radonkonzentration in Wohnhäusern langfristig unter 100 Bq/m3 gebracht werden soll. Da die meisten Menschen in Deutschland in Wohnungen mit relativ geringen bis mittleren Radonkonzentrationen wohnen, treten die meisten radonverursachten Lungenkrebsfälle auch bei relativ niedrigen und nicht, wie oft fälschlich angenommen, bei den vereinzelt auftretenden hohen Radonkonzentrationen auf. Die WHO empfiehlt deshalb nationale Radonprogramme, die sowohl das Lungenkrebsrisiko der gesamten Bevölkerung als auch das individuelle Risiko für Personen, die in Häusern mit hohen Radonkonzentrationen leben, verringern.

Das heute veröffentlichte Radonhandbuch bietet ausführliche Informationen zum Thema Radon und Gesundheit und zeigt, wie die Radonkonzentrationen in Wohnräumen effektiv reduziert werden kann. "In der Regel ist das mit einfachen und günstigen Mitteln möglich. Die Kosten liegen bei ca. 2.000 Euro für ein Neubau mit 100 Quadratmetern Grundfläche", erklärte König. Beton-Plattenfundamente und Abdichtungen gegen Bodenfeuchte bieten einen wirkungsvollen Schutz gegen das Eindringen von Radon. Besonders wichtig ist auch das Abdichten von Leitungsdurchführungen im Mauerwerk im erdberührendem Gebäudebereich. Sinnvoll kann auch die Installation eines Zu- und Abluftsystems sein. Der Einbau einer dicht schließenden Kellertür trägt dazu bei, die Ausbreitung von Radon in höhere Etagen zu verhindern.

Hintergrund

Radon ist ein radioaktives Gas, das aus Gestein und Böden freigesetzt wird und sich in geschlossenen Räumen wie Bergwerken untertage oder Häusern ansammeln kann. Als bedeutendste Quelle von Radon in Wohnhäusern gilt das Eindringen von Radongas aus dem Untergrund. Andere Quellen, einschließlich Baumaterial und Quellwasser, sind in den meisten Fällen von untergeordneter Bedeutung. Radon trägt wesentlich zur Strahlenbelastung der Bevölkerung durch ionisierende Strahlen bei.

Radonmessungen in Wohnungen sind relativ einfach durchzuführen und sehr wichtig, um die Radonkonzentration in Wohnräumen zu ermitteln. Sie sollten auf standardisierten Protokollen beruhen. Wegen der starken Schwankungen der Radonkonzentrationen je nach Jahreszeit und sogar von Tag zu Tag, empfehlen WHO und BfS die Durchführung von Radonmessungen über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten, nach Möglichkeit jedoch länger.

Florian Emrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfs.de/de/ion/radon

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen