Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Welt-MS-Tag: Fehldiagnosen bei Multiple Sklerose verhindern

23.05.2012
Trotz guter Diagnosekriterien erkennen Ärzte in Deutschland Multiple Sklerose (MS) erst drei bis vier Jahre nach Auftreten der ersten Anzeichen.

Denn die Symptome der Erkrankung des zentralen Nervensystems ähneln vor allem zu Beginn wegen ihrer häufig nur kurzzeitigen Präsenz einer Vielzahl anderer Krankheiten, die meist als banal eingeordnet werden.

Um die Diagnose gleich zu Beginn der Erkrankung abzusichern, rät die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) anlässlich des Welt-Multiple-Sklerose-Tages sogenannte evozierte Potentiale (EP) zu nutzen. Sie messen hoch sensibel und schnell, wie gut Nervenbahnen Signale weiterleiten.

Multiple Sklerose ist mit etwa 4 von 100 000 Einwohnern pro Jahr in Deutschland eine der häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Vor allem junge Erwachsene sind betroffen. Fast die Hälfte leidet zu Beginn der MS an Sehstörungen beziehungsweise Gefühlsstörungen, 30 Prozent an motorischen Störungen. Zwar kann die Diagnose mittels Nachweis mehrerer Entzündungsherde im zentralen Nervensystem, Magnetresonanztomografie (MRT) sowie Serum- und Liquoruntersuchungen heute bereits nach Auftreten der ersten Symptome vermutet werden.

„Es gibt aber vor allem in frühen Stadien unklare Fälle“, so Professor Dr. med. Buchner, Vorstandsmitglied der DGKN. Zu Fehldiagnosen käme es etwa dann, wenn Betroffene nicht deutlich an Sehkraft verlieren, sondern nur einen milchigen Schleier wahrnehmen oder unscharf sehen.

„In nicht eindeutigen Fällen können evozierte Potenziale die Diagnose sichern“, so Buchner, Chefarzt an der Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie in Recklinghausen. Denn ist die Funktion der Nervenbahnen wie bei Menschen mit MS gestört, messen evozierte Potenziale eine verringerte Leitgeschwindigkeit beispielsweise in den Nervenbahnen zu den Füßen oder den Handgelenken. „Bei MS-Patienten messen wir etwa die visuelle Leitfähigkeit durch das Auge, den Sehnerv und das Gehirn nach Stimulation mit einem Schachbrettmuster“, erklärt Buchner. Studien belegen, dass oft auch ohne klinische Vorgeschichte einer Sehstörung, 42 bis 100 Prozent der MS-Patienten ein auffälliges visuelles EP haben. „Evozierte Potentiale haben viele Vorteile: Sie sind einfach durchzuführen, wenig belastend für den Patienten und wesentlich billiger als das MRT. Die Kosten übernehmen in Deutschland immer die Krankenkassen“, so der DGKN-Experte.

Ganz neue Möglichkeiten versprechen evozierte Potenziale bei der Prognose von MS. „Während es für die Diagnose zuverlässige Kriterien gibt, verfügen wir trotz intensiver Forschung über keine Prozessmarker“, so Buchner. Wie die Krankheit sich in den Folgejahren entwickeln wird, können Neurologen daher bisher nicht gut prognostizieren. Eine aktuelle Studie verspricht jedoch Hoffnung: Bei 50 Patienten gelang in 7 von 10 Fällen eine valide Vorhersage des Krankheitsverlaufs mittels evozierter Potenziale für die folgenden drei Jahre. Um zu prüfen, wie gut evozierte Potentiale den Verlauf der MS vorhersagen können, plant die DGKN zurzeit unter Federführung von Professor Dr. med. Buchner eine große nationale multizentrische Studie.

Quellen:
Schlaeger R et al: Combined evoked potentials as markers and predictors of disability in early multiple sclerosis Clinical Neurophysiology 123 (2012) 406–410

Buchner H et al: Evozierte Potenziale – Qualit a tssicherung … Klin Neurophysiol 2007; 38:101–111

Marziniak M. et al: Was gibt es Neues … Akt Neurol 2011; 38: 190–202

Décard BF et al: Diff erenzialdiagnose der Multiplen Sklerose … Akt Neurol 2012; 39: 83–99

http://www.kompetenznetz-multiplesklerose.de/de/ms-diagnose/evozierte-potenziale

Pressekontakt für Rückfragen:

Pressestelle DGKN
Kathrin Gießelmann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-981
Fax: 0711 8931-167
giesselmann@medizinkommunikation.org

Kathrin Gießelmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgkn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise