Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vorsicht weiterhin geboten trotz immer besserer Medikamente

30.11.2012
Welt-Aids-Tag: Resultate der Schweizerischen HIV-Kohorte

Die Kombinationstherapien gegen AIDS funktionieren immer besser. Doch sie schützen nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Wer diese Medikamente einnimmt, aber auf den Gebrauch von Kondomen verzichtet, wiegt sich in trügerischer Sicherheit.

Zu diesen Schlüssen gelangen Studien der vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützten Schweizerischen HIV-Kohortenstudie.

Seit einem Vierteljahrhundert gibt es Medikamente gegen den AIDS-Erreger HIV. Die Therapie hat sich stetig weiterentwickelt, im Westen wird heute standardmässig eine Kombination von antiretroviralen Substanzen verabreicht. Mit der Idee, dass es den sich ständig verändernden Viren viel schwerer fällt, gleichzeitig Resistenzen gegen drei oder noch mehr verschiedene Medikamente zu entwickeln.

Weniger Resistenzen gegen neue Medikamente
Anfang Jahr haben Huldrych Günthard vom Universitätsspital Zürich und seine Kolleginnen und Kollegen von der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie gezeigt (*), dass die neuen Kombinationstherapien den Spielraum der Viren noch mehr einschränken als die Therapien, die kurz nach der Jahrtausendwende zum Einsatz kamen. Gegen die damalige Therapie bildeten sich während 100 Patientenjahren (also im Zeitraum von einem Jahr bei 100 Patienten, von zwei Jahren bei 50 Patienten) im Durchschnitt 2.6 Mal resistente Viren – gegen die neueren Behandlungen aber nur 1.5 bis 1.9 Mal. Diese Verbesserung führen die Forschenden darauf zurück, dass die neuen Kombinationstherapien nicht nur wirksamer, sondern auch besser verträglich sind und deshalb regelmässiger eingenommen werden.
Dramatische Ausbreitung von Hepatitis C
Der nachgewiesene kontinuierliche Fortschritt in der Behandlung führt zu einem kleineren Risiko, HIV zu übertragen. Doch vielleicht verführt genau dies einige Personen dazu, sich aufgrund der eingenommenen Medikamente in falscher Sicherheit zu wähnen. Das legen jedenfalls erst kürzlich publizierte Resultate der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie nahe (**). Sie zeigen, dass sich Hepatitis C unter homosexuellen HIV-Patienten in den letzten Jahren rasant auszubreiten begonnen hat. Während die Infektionsrate bei Heterosexuellen konstant tief geblieben ist, und sich während 100 Patientenjahren im Schnitt nur 0.4 Personen mit Hepatitis C anstecken, ist die Infektionsrate bei Homosexuellen dramatisch gestiegen. Während 100 Patientenjahren stecken sich im Schnitt 4.1 Personen an. Das ist im Vergleich zu den Werten von 1998 ein 18-facher Anstieg.

Als wichtigsten Risikofaktor identifizierten die Forschenden den inkonsistenten Gebrauch von Kondomen. Die Angst vor AIDS hat gerechtfertigterweise stark abgenommen, doch auch andere Krankheiten übertragen sich beim Geschlechtsverkehr. "Weiterhin ist Vorsicht geboten", sagt Günthard.

(*) von Wyl V, Yerly S, Böni J, Shah C, Cellerai C, Klimkait T, Battegay M, Bernasconi E, Cavassini M, Furrer H, Hirschel B, Vernazza PL, Ledergerber B, Günthard HF; Swiss HIV Cohort Study (2012). Incidence of HIV-1 drug resistance among antiretroviral treatment-naive individuals starting modern therapy combinations. Clin Infect Dis. 54:131-40

(**) Wandeler G, Gsponer T, Bregenzer A, Günthard HF, Clerc O, Calmy A, Stöckle M, Bernasconi E, Furrer H, Rauch A; Swiss HIV Cohort Study (2012). Hepatitis C Virus Infections in the Swiss HIV Cohort Study: A Rapidly Evolving Epidemic. Clin Infect Dis. 55:1408-1416

(als PDF beim SNF erhältlich; E-Mail: com@snf.ch)

Die Schweizerische HIV-Kohorte
Das Ziel der seit 1988 bestehenden Studie ist, die HIV Infektion und die Krankheit Aids besser zu verstehen sowie die Betreuung der Patientinnen und Patienten zu verbessern. Sämtliche in der Schweiz auf HIV-spezialisierte Kliniken (Basel, Bern, Genf, Lausanne, Lugano, St. Gallen und Zürich) haben Daten zum Krankheitsverlauf von bisher über 16'000 HIV-infizierten Menschen gesammelt und ausgewertet. Zurzeit nehmen über 8‘400 Personen an der Schweizerischen HIV-Kohorten Studie teil, davon sind fast ein Drittel Frauen.
Kontakt
Prof. Dr. med. Huldrych Günthard
Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene
Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100
8091 Zürich
Tel.: +41 (0)44 255 34 50
E-Mail: huldrych.guenthard@usz.ch

Abteilung Kommunikation | idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch
http://www.shcs.ch/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten